© Pete Linforth -pixabay.com
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Die Erde am Limit: 29. Juli ist Welterschöpfungstag

Nachhaltig verfügbare Ressourcen für dieses Jahr verbraucht - Plattform Footprint, WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace warnen vor Zusammenbruch unserer Ökosysteme und fordern Kurskorrektur

Am kommenden Montag ist Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day): Die Menschheit hat dann für dieses Jahr das nachhaltige Natur-Budget unseres Planeten aufgebraucht. Die Phase der ökologischen Verschuldung wird heuer früher erreicht als in allen Jahren zuvor. Gemeinsam mit der Plattform Footprint warnen die Umweltschutzorganisationen Greenpeace, WWF und GLOBAL 2000 vor den verheerenden Folgen des Öko-Defizits.

"Niemals hat die Erdbevölkerung mehr über ihre Verhältnisse gelebt. Wir verbrauchen umgerechnet 1,75 Erden pro Jahr. Die Übernutzung der natürlichen Ressourcen geht zu etwa 60 Prozent auf das Konto der überschüssigen CO2-Emissionen, die nicht mehr in natürliche Kreisläufe zurückgeführt werden. Sie richten einen enormen Schaden für Klima, Mensch und Natur an”, kritisieren die Umweltorganisationen. Diese höchst alarmierenden Folgen wurden zumindest von der internationalen Politik bereits als Gefahr erkannt - sichtbar an Zielvorgaben wie den SDGs (Sustainable Development Goals) und den Pariser Klimazielen. Konkrete Maßnahmen und Umsetzungen fehlen allerdings nach wie vor.

Gegenüber 1990 sind die Treibhausgas-Emissionen in Österreich um 4,6 Prozent gestiegen, während sie im gleichen Zeitraum EU-weit um etwa ein Fünftel gefallen sind. "In der österreichischen Treibhausgas-Bilanz ist der Verkehr das große Sorgenkind: Die Emissionen in diesem Bereich sind seit den 90er Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen. Seitens der Politik muss endlich Schluss sein mit leeren Versprechen. Wir brauchen stattdessen konsequente und effektive Maßnahmen wie eine CO2-Abgabe mit sozialem Ausgleich und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, um die Klimaziele noch zu erreichen”, so Volker Plass, Programmmanager bei Greenpeace.

"Schaffen wir in den nächsten zehn Jahren keine Reduktion der Treibhausgasemissionen und verfehlen die Klimaziele, drohen Österreich 8,7 Milliarden Euro an Strafe. Statt diese hohen Zahlungen zu riskieren sollten wir besser jetzt in unsere Zukunft investieren. Für den Gegenwert potenzieller Strafzahlungen können wir ab sofort eine Milliarde Euro in Klimaschutz investieren: für eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs, den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien und die Unterstützung von Haushalten bei der thermischen Sanierung. Die kommende Regierung muss daher mindestens eine Klimaschutzmilliarde budgetieren!", fordert Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

"Natur- und Klimaschutz muss in Form eines umfassenden Klima-Checks für alle Gesetze und Projekte als überparteilicher Konsens die Grundlage aller politischen Entscheidungen sein. Wir nehmen die Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Enkel nicht ausreichend wahr. Eine drastische Folge ist der rasante Verlust unserer Biodiversität: Es sind weltweit bis zu einer Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Schrumpfende Lebensräume, hoher Bodenverbrauch und intensivere Nutzung durch industrielle Land- und Forstwirtschaft verursachen das Artensterben, die Klimakrise beschleunigt den Niedergang. Vor den großen, wirksamen Maßnahmen beim Verkehr, den Gebäuden und der Industrie drückt sich die Politik - sowohl weltweit als auch in Österreich", erläutert Lisa Plattner, WWF Klimasprecherin. Sie verweist auf die steigende Rolle des Naturschutzes: "Angesichts der Klimakrise zählen intakte Ökosysteme zu den besten Versicherungen für Mensch und Natur."

Auch Wolfgang Pekny von der Plattform Footprint warnt vor einem Weitermachen wie bisher: "Wir haben keinen Klimanotstand, wir haben einen Wahrnehmungsnotstand! Es fehlt noch an einem globalen Verstand, die Welt als das zu verstehen, was sie geworden ist: ein enges Raumschiff mit sehr vielen Passagieren! Unsere Erde stößt immer mehr an ihre Belastungsgrenzen. Die eskalierende Klimakrise, die Ausbeutung der Urwälder, der weltweite Verlust der Artenvielfalt, die leergefischten und sauren Meere sowie die ausgezehrten Böden sind nur verschiedene Symptom der gleichen Ursache: Der Planet Erde ist zu klein geworden, zumindest für die Konsumgewohnheiten der ‚global consumer class‘. Und eben längst auch für die bisherigen Methoden von Wirtschaft und Politik.

"Die Politik muss endlich sicherstellen, dass nicht mehr Naturleistung verbraucht wird, als vorhanden ist. Derzeit ist alles Gerede von Nachhaltigkeit nur heiße Luft, die politische Diskussion dominieren leere Versprechungen. Stattdessen braucht es endlich Rahmenbedingungen und konkrete Maßnahmen, damit wir nicht länger auf Kosten zukünftiger Generationen leben", so die Umweltschutzorganisationen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace.

Insgesamt bietet die Erde etwa 12,2 Milliarden Hektar bioproduktiver Fläche. Der rechnerische Anteil für jede Person beträgt demnach etwa 1,7 Globale Hektar (gha). Der/die durchschnittliche ÖsterreicherIn beansprucht dem gegenüber derzeit etwa 6,0 gha. Würden alle ErdenbürgerInnen auf ähnlich großem Fuß leben wie wir in Österreich, wären über drei Planeten nötig, beim US-amerikanischen Lebensstil fast fünf.

"Was uns noch mehr fehlt als Ressourcen und Energie, ist die Phantasie, uns eine bessere Welt vorzustellen!" wiederholt Pekny. "Das gute Leben für alle ist möglich! Selbst zehn Milliarden Menschen könnten mit unserer Erde auskommen und dabei gut leben, wenn sie sich klug genug anstellen. Dabei gilt es, die Art und Weise zu ändern, wie wir miteinander und mit der Natur umgehen- beim Wirtschaften und in der Politik, in der Familie und in den Unternehmen, in der Gemeinde und in der Gesellschaft."

Hintergrund des Welterschöpfungstags:

Das Global Footprint Network berechnet die ökologische Verschuldung, indem sie die global verfügbare Biokapazität (die Fähigkeit der Ökosysteme, Nahrung und Naturstoffe bereit zu stellen und Schadstoffe wieder abzubauen) dem Ökologischen Fußabdruck der Menschheit (die Inanspruchnahme dieser Naturleistungen durch Produkte und Dienstleistungen) gegenübergestellt. Ist die Beanspruchung größer als der Nachschub, spricht man von einem Ökologischen Defizit, dem Ecological Overshoot.

Weitere Informationen unter: www.footprint.at/eod2019info

Zu internationalen Aktivitäten siehe: www.overshootday.org


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