© geralt Gerd Altmann pixabay.com
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Fernkälte für kühlere Städte

Viel Beton und wenig Grün sorgen in den Städten für Überhitzung. Gefragt ist Kühlung, die das Klima nicht noch mehr belastet - also z.B. Fernkälte.

Die Nachfrage nach dem umweltschonenden Klimakonzept legt weiter zu. Erstmals sollen auch Privathaushalte mit Fernkälte kühlen.

In der Hitze des Sommers suchen Österreichs Städte nach zündenden Ideen für Abkühlung. Denn viel Asphalt, hohe Fassaden und versiegelte Flächen speichern die hohen Temperaturen und heizen den Städten zusätzlich ein. Neben begrünten Fassaden, mobilen Bäumen und Fernkälte wollen Städte wie Wien die Bruthitze bekämpfen.

Die Nachfrage nach Fernkälte als umweltschonende Alternative zur konventionellen Klimaanlage steht hoch im Kurs. Denn Fernkälte hält Innenräume kühl, ohne die Außentemperatur zusätzlich aufzuheizen.

"Immer mehr Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius befeuern die Nachfrage nach Fernkälte", sagt DI Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und stv. Generaldirektor der Wiener Stadtwerke. 2019 könnte nach dem heißesten Juni in der Messgeschichte wieder ein neues Rekordjahr für den Fernkälteabsatz werden. Im Vorjahr lieferten Österreichs Energieversorger 160 Gigawattstunden (GWh) Fernkälte - um 8,1 Prozent mehr als noch 2017.

Bisher kommen vor allem Großabnehmer und öffentliche Einrichtungen wie die Universität Wien, das Allgemeine Krankenhaus in Wien oder Krankenanstalten in den Bundesländern in den Genuss der Fernkälte. Doch jetzt wollen Fernkälteanbieter den Privatkundenmarkt erschließen. Wien Energie arbeitet intensiv daran, Fernkälte in Zukunft auch Privatkunden anbieten zu können und wird noch in diesem Sommer erste Projekte präsentieren. Insgesamt wird das Unternehmen bis 2024 weitere 65 Millionen Euro in den Fernkälteausbau investieren.

Laufender Netzausbau

Zugleich wird das Fernkältenetz laufend ausgebaut: zuletzt von 134 Megawatt (MW) Leistung Ende 2017 auf 138 MW per Ende 2018.

Wien, Linz und St. Pölten sind die Hotspots der Fernkälteversorgung. Auch kleinere Städte wie Mödling ziehen nun nach. Aktuelle Beispiele sind:

• In Wien sorgen insgesamt 16 Fernkältezentralen dafür, dass es an Hitzetagen kühl bleibt. Mit derzeit rund 130 MW entspricht ihre Kühlleistung etwa jener von 1,3 Millionen Kühlschränken. Besonders groß ist die Nachfrage nach der umweltschonenden Kühlung in der Wiener Innenstadt. Zum einen benötigen herkömmliche Klimaanlagen deutlich mehr Platz, zum anderen widersprechen die dafür erforderlichen Rückkühler auf den Dächern oftmals dem Denkmalschutz. Die flächendeckende Versorgung der Innenstadt mit Fernkälte zählt zu den Prioritäten. Für eine coole Wiener City errichtet Wien Energie ab Herbst 2019 eine weitere Fernkältezentrale am Stubenring, die im Frühjahr 2021 in Betrieb gehen soll.

Auch in anderen Wiener Stadteilen wird das Netz erweitert: Dazu zählt eine neue Versorgungsleitung in Wien Alsergrund, die das Areal rund um den Franz-Josefs-Bahnhof mit Fernkälte versorgen wird. Der Ausbau der Leitung Richtung Döbling soll folgen.

Ein weiteres Wiener Projekt ist der Austria Campus, der von Wien Energie mit zwölf MW Kühlleistung beliefert wird. Für die Fernkälteversorgung wurde eigens eine Kältezentrale mit Kompressionsmaschinen errichtet.

Fernkälte für Niederösterreich

" In St. Pölten stieg der Fernkältebedarf der Stadt durch den im September 2018 in Betrieb genommenen Zubau des St. Pöltner Universitätsklinikums um ein Drittel. Auch in den niederösterreichischen Landeskrankenhäusern in Baden, Mödling und Mistelbach wird mit Fernkälteanlagen gekühlt. " In Mödling wird zurzeit in einem 400 Quadratmeter großen Bürohaus getestet, wie gut das umweltschonende Kühlen in kleineren Betrieben funktioniert.

Cooles Klima in Linz

Mit der ehemaligen Tabakfabrik und einem benachbarten Gewerbebetrieb kamen 2017 und 2018 neue Fernkälteabnehmer in Linz dazu. In der Stadt ging bereits 1993 die erste Fernkältezentrale im Linzer Donaupark in Betrieb. Sie versorgt die Klimazentralen im Brucknerhaus, im Krankenhaus der Elisabethinen sowie in einem Bankgebäude.

Bereits 2012 wurde in der Friedhofstraße eine weitere energieeffiziente Fernkältezentrale errichtet. Diese versorgt das Musiktheater sowie Objekte des Bauvorhabens LINZ.punkt. Das Fernkältenetz in Linz ist mittlerweile mehr zwei Kilometer lang und hat einen Anschlusswert von 7.412 kW.

Diese vielfältigen Beispiele verdeutlichen: Die Nachfrage nach Fernkälte steigt massiv an. Seit 2009 hat sich der Verkauf von umweltschonender Kühlung auf dem österreichischen Markt von rund 25 GWh auf zuletzt 160 GWh mehr als versechsfacht. "Langfristige Prognosen zeigen, dass vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung in Österreich in 20 Jahren etwa gleich viel Kühl- wie Heizenergie benötigt werden wird", sagt Weinelt abschließend.


Fernwärme wird im Sommer ebenso wie im Winter zur Wärmeversorgung und Warmwasseraufbereitung erzeugt und gleichzeitig zur Herstellung der umweltfreundlichen Fernkälte eingesetzt. Dieselben Energiequellen, die für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden, kann man auch als Antriebsenergie für Kältemaschinen verwenden. Sogenannte "Absorptionskältemaschinen" nutzen Abwärme aus Industrie, KWK-Anlagen oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Wie bei der Fernwärme, werden die Objekte zentral versorgt (oder auch dezentral, dann wird eine Kältezentrale beim Verbraucher errichtet). Isolierte Rohre transportieren das auf 6 Grad Celsius gekühlte Wasser zum Kunden, mit etwa 16 Grad Celsius fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück.


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