© Alexas_Fotos pixabay.com / Brot
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Jahresbilanz 2018: Mehr als 6 Millionen Mahlzeiten für Armutsbetroffene

Die Tafeln in Österreich retten über 3.000.000 Kilogramm Lebensmittel

Wien - Unter dem gemeinsamen Dach des „Verbands der österreichischen Tafeln“ retteten die sieben österreichischen Tafeln (Wiener Tafel, Pannonische Tafel, Team Österreich Tafel vom Landesverband Niederösterreich des Österreichischen Roten Kreuzes, Die Oberösterreichische Tafel, Braunauer Tafel, Flachgauer Tafel und Tafel Süd in Kärnten) im Jahr 2018 insgesamt 3.070.742 Kilogramm Lebensmittel und Hygieneartikel vor der Vernichtung. Mit den wertvollen Warenspenden konnten über 42.500 Armutsbetroffene in 41 Ausgabestellen sowie in 135 Sozialeinrichtungen in weiten Teilen des Bundesgebiets versorgt werden. Dies bedeutet über 6 Millionen Mahlzeiten – ein wichtiger Beitrag zur Versorgung von Armut betroffener Menschen in ganz Österreich. Möglich wurde dieses Ergebnis durch den Einsatz von mehr als 2.200 ehrenamtlichen HelferInnen, die gemeinsam alleine im letzten Jahr mehr als 182.000 Ehrenamtsstunden leisteten.

Österreich: Soziale Ungleichheit so hoch wie in fast keinem anderen europäischen Land

Noch immer werden jährlich mehr als 500.000 Tonnen genusstaugliche Lebensmittel aus Privathaushalten, Gastronomie, Handel, Produktion und Landwirtschaft vernichtet. Gleichzeitig sind 1,5 Millionen Menschen in Österreich armutsgefährdet oder von manifester Armut betroffen. Laut der OeNB Studie „Household Finance and Consumption Survey (HFCS 2017)“ besitzt das reichste Prozent der Haushalte in Österreich fast ein Viertel des Vermögens, die obersten zehn Prozent mehr als die restlichen 90 Prozent der Bevölkerung gemeinsam. Vermögen sind in Österreich ungleicher verteilt als Einkommen und Erbschaften ungleicher als Vermögen. Österreich hat - neben Deutschland - eine der höchsten Vermögensungleichheiten in Europa, heißt es in der Studie.

Die Tafeln: Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung - Politik gefordert!

Der Verband der österreichischen Tafeln und seine Mitgliedsorganisationen haben in den vergangenen 20 Jahren spezialisierte Expertise und breites Know-How in der Rettung von Lebensmitteln vor der Vernichtung aufgebaut. Trotz der langjährigen Erfahrung und dem Einsatz vieler tausender ehrenamtlicher MitarbeiterInnen wurde im letzten Jahr die Arbeit der Tafeln angesichts steigender Mengen geretteter Lebensmittel zunehmend schwieriger, denn Anschaffungen wie Kühlfahrzeuge und Lagerstrukturen für Transport und Bereitstellung von Lebensmitteln kosten viel Geld. Mit Blick auf die Erfahrungswerte von Tafeln im europäischen Tafelnetzwerk FEBA (European Federation of Foodbanks) appelliert die Obfrau des Verbands der österreichischen Tafeln, Dr. Alexandra Gruber, an Bund, Länder und Gemeinden verstärkt Hilfestellung für die Tafeln in ihren Regionen zu leisten: „Als Tafeln übernehmen wir in Österreich eine wichtige Rolle im Kampf gegen Armut, Hunger und Lebensmittelverschwendung und tragen damit entscheidend zur Armutslinderung, einer Verbesserung der CO2 Bilanz und der Bewusstseinsbildung in der Zivilgesellschaft gegen food waste bei. Daher fordern wir von der Politik eine finanzielle Basisunterstützung sowie eine Vereinfachung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich Haftung und Hygiene für die Lebensmittelweitergabe.“

Papst an FEBA und Die Tafeln: „Verschwendung nicht hinnehmbar!“

Im Rahmen einer Privataudienz anlässlich des FEBA Jahrestreffens am 18. Mai 2019 in Rom appellierte Papst Franziskus die Verschwendung im Lebensmittelsektor zu beenden: „Es ist notwendig, diejenigen zu unterstützen, die sich zum Besseren wenden wollen, Wachstumsmodelle zu fördern, die auf sozialer Gerechtigkeit, auf der Würde des Einzelnen, auf Familien, auf der Zukunft der Jugendlichen, auf dem Respekt vor der Umwelt basieren. Eine Kreislaufwirtschaft kann nicht mehr aufgeschoben werden. Verschwendung kann nicht das letzte Wort der Reichen sein, während der größte Teil der Menschheit schweigt.“ Dabei würdigte der Papst die Arbeit der europäischen Tafeln und verglich ihre Arbeit mit jener von Bäumen, die Verschmutzung aufnehmen, aber Sauerstoff zurückgeben. Und wie Bäume behalten sie den Sauerstoff nicht für sich: sie verteilen die benötigten Mengen zum Überleben, damit es die erreicht, die bedürftig sind.

Über den Verband der österreichischen Tafeln

Der Verband der österreichischen Tafeln vertritt nachhaltige ökologische und soziale Positionen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf nationaler und internationaler Ebene. Er steht für sozialen Transfer von der Überfluss- zur Bedarfsgesellschaft. In Kooperation mit Industrie, Handel und Landwirtschaft retten die österreichischen Tafeln genusstaugliche Lebensmittel und versorgen direkt und in Zusammenarbeit mit anderen gemeinnützigen Organisationen von Armut betroffene Menschen. Mit den Supermarktketten REWE, SPAR, HOFER und Lidl wurde eine erste Aktionsplattform gegründet, die sich dieser Aufgabe widmet und die als Vorbild für weitere Aktionsplattformen mit der Produktion und der Landwirtschaft dient.


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