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Future Mobility Summit Berlin: Der e-mobile Winterschlaf geht vielleicht zu Ende

Hochgradig besetzt fanden sich am 8. Und 9. April über 2000 Teilnehmer zu dem Kongress "Future Mobility Summit Tagesspiegel! am Berliner EUREF-Campus zusammen.

Berlin- Es wurde viel über die Zukunft der Mobilität gesprochen, soviel ist fix. Wie wir alle wissen, ist in Deutschland leider in den letzten Jahren im Vergleich zum Weltmarkt so gut wie gar nichts passiert, außer dass hunderte Steuer-Millionen an Großkonzerne vergeben wurden, die, aus heutiger Sicht, da man die Ergebnisse kennt, teilweise durchaus als "sinnlos verplempert" bezeichnet werden müssen, wenn man als Messlatte den Schutz der Umwelt und den Schutz des Wirtschaftsstandortes Deutschland nimmt.

Nun, was hat sich heute nach 10 Jahren verändert? Ist es vollends anders seit dem Start der Konferenzreihe im Jahr 2011? Ist der Aufbruch zu spüren?

Bedauerlicherweise nein, nicht im Geringsten!
Manche Grosskonzerne präsentieren weiter überteuerte, übertechnisierte und dennoch der Zeit hinterherlaufende E-Modelle. Sie scheinen den einzigen Fokus darauf zu legen, dass die Fahrzeuge durch den Steuerzahler subventioniert werden müssen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der deutsche Verkehrsminister, welcher vollmundig von Milliarden Förderungen für die E-Mobilität sprach, die natürlich genau diejenigen wieder lukrieren werden, die schon bewiesen haben, dass sie nichts daraus machen.

Auch wird eine Technologie offene Entwicklungsstrategie beschworen, was an sich vernünftig klingt. Wenn dann jedoch damit daran gedacht wird, Milliarden in etwas zu stecken, das 80% des kostbaren, grünen Stromes aus von Steuerzahlern finanzierten erneuerbaren Energieanlagen vernichtet, dann wissen wir erst, was gemeint ist: Die Wasserstoff Ökonomie.
Bei der Hydrogen-Technologie im Verkehrsbereich sind keine Quantensprünge zu erwarten. systemimmanent bedingt, durch extreme Drücke (Tanks mit 700 Bar), extreme Kälte (-155°C), extrem kleine Atome (schlechte Dichtigkeit der Tanks), extrem schlechte Umwandlungs Effizienzen (<70%) mit massivem CO2 Ausstoß (Steam reforming, derzeit werden so 90% des Wasserstoffs produziert) kann diese Technologie nicht annähernd als ökonomischer ökologisch sinnvoll erachtet werden. Diese Technologie für den Verkehrsbereich mit Milliarden aufzupumpen wäre das Gleiche, wie wenn man heute Milliardenbeträge in die Entwicklung von Bandabspielgeräten oder analogen Kassettengeräten stecken würde, obwohl man weiß, dass es so viele Nachteile gibt, dass man nie auf einen grünen Zweig kommen wird.

Besonders erschreckend war eine Session über 30 Minuten mit vier Experten, welche über die Vorteile von Wasserstoffzügen und anderen Wasserstofffahrzeugen referierten, geleitet von einem uninformierten Moderator, der keine wirklich kritischen Fragen stellte.
Am Schluss wurde dem Publikum der Eindruck vermittelt, dass diese Wasserstoff-Technologie eigentlich ein gangbarer, zwingend notwendiger Bestandteil der Energiezukunft ist.

Roland Dimai stellte im Anschluss die Frage nach Effizienz und Kosten, wobei er dem Alstom Vertreter vorhielt, dass die Effizienz dieses Wasserstoffzuges unter 20% läge. Er erbat Aufklärung mit genauen Zahlen. Diese wurden natürlich nicht gewährt.
Einer Forscherin vom Fraunhofer-Institut wurde die Frage nach der Gesamteffizienz von Wasserstofffahrzeugen gestellt, auch mit dem Vorhalt, dass in der Wissenschaft kein Fahrzeug bekannt ist, das im Gesamtwirkungsgrad über 19% hinaus kommt.
Die Dame antwortete, das sie andere Zahlen hätte und es 40% seien.
Hier wurde weiter nachgefragt, es stellte sich heraus, dass die Forscherin, wissentlich oder unwissentlich, die Angabe zum reinen Fahrzeug-Effizienzwert gemacht hatte, nicht aber zur Systemeffizienz, denn der Wasserstoff muss natürlich zuerst auch produziert werden.

Alles in allem eine erschreckende Veranstaltung, die möglicherweise nur die Steuergeldvernichtung durch die Wasserstoff Ökonomie vorbereiten sollte und sobald es um harte Fakten ging wurde abgeblockt, so auch von einem Vertreter der Daimler AG, der behauptete, dass die Zahlen von Herrn Dimai nicht korrekt wären, sich jedoch nicht bereit erklärte, auf Nachfrage Interessierter die Grundlagen/Hintergründe seiner Aussage via Mail mitzuteilen.

Als Schlussfolgerung kann gesagt werden, es steht genauso schlimm um die Elektromobilität in Deutschland wie es vor zehn Jahren um dieselbe stand. In anderen Ländern, beispielsweise in Norwegen und in den Niederlanden, aber auch im US-Bundesstaat Kalifornien, geht so manches weit rascher voran. Da kann man nur noch hoffen, dass die Entscheider dies schnell erkennen und im Sinne des Wirtschaftsstandortes Deutschland sehr bald einenStrategiewechsel vornehmen.

Bezeichnend war natürlich auch, dass der größte Markt der Elektromobilität mit keinem einzigen Produkt vertreten war. Zufall?

Wenn vor Ort die neuen Modelle der chinesischen Hersteller, z.B. Nio oder Byton, zu sehen gewesen wären, hätten sich die deutschen Platzhirsche mit ihrem derzeitigen Angebot wohl eher noch verstecken müssen.

Dimro für OEKONEWS


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