© Myriams-Fotos pixabay.com
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CO2-Fußabdruck des Gesundheitssystems erstmals erhoben

Klimafonds-Studie zeigt: Jährlich 6,8 Megatonnen CO2 durch Konsum von Gesundheitsdienstleistungen - Gesundheitssystem größter CO2-Emittent unter allen Dienstleistungssektoren

Wien - Hitze, Allergien, Pollen: Der Klimawandel wirkt sich immer öfter auch auf die Gesundheit aus. Unser Gesundheitssystem ist stark vom Klimawandel betroffen und dabei gleichzeitig selbst ein bedeutsamer CO2-Emittent. Eine neue Studie des Klima- und Energiefonds, die vor kurzem gemeinsam mit dem BMNT präsentiert wurde, hat erstmals den CO2-Fußabdruck des österreichischen Gesundheitssektors erhoben und in internationalen Vergleich gestellt. Zentrales Ergebnis: Ohne wirksame Klimaschutz-Maßnahmen, die Klima, Gesundheit und Geldbörse schonen, werden die Emissionen wieder steigen.

Von Arzneimitteln zum Krankenhausbetrieb, von mobiler Pflege zu ambulanter Versorgung: der Konsum von Gesundheitsleistungen verursacht in Österreich jährlich 6,8 Megatonnen CO2, das sind rund 7% des nationalen CO2-Fußabdrucks. OECD-weit liegt Österreich an sechster Stelle und damit klar über dem Durchschnitt. Im Untersuchungszeitraum sanken die CO2-Emissionen des Sektors in Österreich zwar bei gleichzeitig steigenden Ausgaben um fast ein Viertel (24%). Angesichts wieder steigender nationaler Treibhausgasemissionen und zunehmender Nachfrage an Gesundheitsleistungen wird sich auch der „Health Footprint“ vergrößern.

„Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Ausbau der Erneuerbaren haben auch einen direkten Einfluss auf den CO2-Fußabdruck des Gesundheitssektors. Mit der vorliegenden Studie hat der Klima- und Energiefonds wertvolle Fakten geschaffen und konkrete Handlungsbereiche aufgezeigt. Die Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den wir mit der #mission2030 konsequent weitergehen. Dabei kann auch jeder und jede Einzelne mitmachen. Zum Beispiel durch Bewegung oder bewusste Ernährung tut man sich selbst und dem Klima etwas Gutes“, unterstreicht Jürgen Schneider, Leiter der Sektion Klima im BMNT.

Löwenanteil: Krankenhäuser und Arzneimittel

„Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir die richtigen Hebel finden. Es ist das Ziel des Klima- und Energiefonds, den Blick auf die wesentlichen Sektoren zu richten, Gesundheit ist einer davon. Mit dem Sachstandsbericht Gesundheit, Klima und Demographie haben wir zentrale Herausforderungen wie Hitze, Wetterextreme, Allergien und Verkehr identifiziert. Mit der Studie „Carbon Footprint des österreichischen Gesundheitssektors“ schaffen wir eine weitere maßgeschneiderte Grundlage für wirtschaftliche und politische Entscheidungen“, betont Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds.

Im OECD-Schnitt ist das Gesundheitssystem der größte CO2-Emittent unter allen Dienstleistungssektoren. In Österreich verursachen mit 32% fast ein Drittel des „Health Footprints“ Krankenhäuser, 18% der ambulante Versorgungsbereich. Weitere 22% entfallen auf ambulant abgegebene medizinische Produkte und Arzneimittel. Insgesamt ist dieser Anteil noch wesentlich höher, da in Krankenhäusern und sonstigen Gesundheitseinrichtungen ebenfalls Arzneimittel und medizinische Produkte konsumiert werden. Getrennt erhoben wurde der Energiekonsum großer Gesundheitsanbieter und das private Verkehrsaufkommen von Personal, Patientinnen und Patienten, Besucherinnen und Besuchern. Beide Bereiche verursachen jährlich je rund 800 Kilotonnen CO2-Emissionen. Während der Energiekonsum sinkt, steigt jedoch der private Verkehr.

Ernährung, Bewegung, verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten: Gesünder leben und dabei das Klima schützen

Um den CO2-Fußabdruck des österreichischen Gesundheitssystems auch weiterhin zu senken, ist es den Studienautoinnen und -autoren zufolge notwendig das Gesamtsystem zu betrachten. „Ansatzpunkte für Klimaschutz gehen über den Gesundheitsbereich hinaus und betreffen das Energie- und Verkehrssystem. Handlungsoptionen innerhalb des Sektors reichen von effizienten Gebäuden und klimafreundlichem Beschaffungswesen über die Reduktion unnötiger Mehrfachleistungen und Überverschreibungen hin zu einer stärkeren Priorisierung von Prävention und Gesundheitsförderung. Bedeutend ist die Förderung eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils“, erklärt Studienkoordinatorin Ulli Weisz vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien. Verhaltensänderungen etwa in den Bereichen Ernährung oder Mobilität wirken sich positiv auf das Klima und die Gesundheit aus. Wo möglich sollte jeder und jede Einzelne auf öffentliche Verkehrsmittel und aktive Mobilität setzen: Per Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein reduziert Emissionen, ist gesund und verbessert die Luftqualität. Eine Umstellung auf eine gesündere, klimafreundliche Ernährung leistet ebenso einen bedeutenden Beitrag. Zudem ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten, das inkludiert die Vermeidung von Medikamentenabfällen, eine Maßnahme, die nicht nur die eigene Gesundheit und das Klima, sondern auch die Geldbörse schont.


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