© Climate Change Leadership Porto / Al Gore begeisterte mit seiner Rede
© Climate Change Leadership Porto / Al Gore begeisterte mit seiner Rede

Climate Change Leadership: Klimawandel und akute Bedrohungen für den Weinbau

Wie der Weinbau mit dem Klimawandel umgehen kann, war Thema einer internationalen Konferenz in Porto

© Bertrand/ Gerard Bertrand, Vorreiter für biologisch-dynamischen Weinbau
© Bertrand/ Gerard Bertrand, Vorreiter für biologisch-dynamischen Weinbau

Porto - Vor kurzem versammelten sich hunderte Vertreter aus der globalen Weinbranche im portugiesischen Porto, um Lösungen zu diskutieren, wie die Weinwirtschaft weltweit gegen den Klimawandel handeln kann. Unter dem Vorsitz des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore waren 42 Referenten aus verschiedensten Bereichen der Weinbranche vertreten.
Die Weinproduzenten sollten im Rahmen der Konferenz zu mehr Zusammenarbeit und zum Informationsaustausch motiviert werden. Es ist zwar ein wachsender Trend hin zu nachhaltigeren Praktiken wahrnehmbar, die Weinindustrie insgesamt ist jedoch noch nicht mit diesem Thema vertraut. Das Problem ist bekannt, die Lösungen müssen gefunden werden. An der Konferenz nahmen bekannte Produzenten wie Margareth Henriquez von Krug, Miguel Torres von Bodegas Torres, Katie Jackson von Jackson Family Wines, Cristina Mariani-May von Banfi Wines und andere Winzer von weltweit arrivierten Weingütern sowie führenden Weinklimatologen und andere Forscher teil. Angekündigt wurde beispielsweise ein neue Arbeitsgruppe größerer Weingüter, die eine Reduzierung der CO2-Emissionen in der Weinbranche zum Ziel hat. Vorgestellt wurden unter anderem die erste "Self Sustainable Winery" die in Kalifornien an der UC Davis entwickelt wurde, Fortschritte bei den Wasserspartechnologien aus aller Welt, Forschungsprogramme zum Schutz der Biodiversität in Weinregionen und Investitionen in erneuerbare Energien, die nicht nur für die Bewässerung, sondern auch für die rein "erneuerbare" Verarbeitung der Trauben eine wichtige Rolle spielen können. Es herrschte Einigkeit darüber, dass diese Veränderungen, die notwendig sind, keine weitere Flasche Wein gekauft werden wird, sondern dass dies Investitionen in die Zukunft seien.

Gérard Bertrand, Winzerikone aus Südfrankreich, sprach über Nachhaltigkeit, Biodiversität und Bodenmanagement. Olga Barbosa, Professor für Ökosystemökologie in Chile, und Heinrich Schloms, Bodenforscher für Vinpro in Südafrika,brachten die wissenschaftlichen Aspekte zu diesen Themen ein.

Bertrand ist globaler Vorreiter in biologisch-dynamischer Landwirtschaft (920 Hektar), die er auf allen seine 15 Ländereien an verschiedenen Orten im Languedoc umsetzt. Die Entscheidung, biodynamische Praktiken zu verfolgen, wurde von mehreren Faktoren motiviert, vor allem der Überzeugung, dass dies die beste Form der Landwirtschaft für die Gesundheit der Umwelt ist. Diese Bewirtschaftung fördert aktiv die Biodiversität in Böden und im umgebenden Ökosystem, bei Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroorganismen. Darüber hinaus sind Gérard Bertrand und sein Team davon überzeugt, dass biodynamische Praktiken der beste Weg sind, um die Weinreben mit ihrer Umgebung in Einklang zu bringen, indem sie die Schaffung von Weinen ermöglichen, die den einzigartigen Ausdruck des Ortes erkennen lassen, aus dem sie stammen, und die grundlegende Verbindung zwischen den Elementen Erde und Wein und dessen Umfeld stärken.

Gérard Bertrand stellte seine Erfahrungen und seine ganzheitliche Vision für einen nachhaltigen, umweltfreundlichen Weinbau vor. "Durch die Einführung des biodynamischen Anbaus haben wir eine einzigartige Perspektive zu unserem Platz in der natürlichen Welt gewonnen. Nachdem wir aus dieser Erfahrung gelernt haben, bringen wir aktuelle landwirtschaftliche Methoden ein, die für den Erhalt der Umwelt von Vorteil sind. Wir passen uns dem Klimawandel an und bekämpfen ihn. Unser bescheidener Wunsch ist es, in den nächsten Jahren ein positives und greifbares Ergebnis zu sehen. Wir glauben daran. Seien Sie selbst auch die Veränderung! " so Bertrand.

Al Gore fordert die Weinindustrie auf, beim "globalen Notfall" Klimawandel rasch zu handeln

In der Abschlussrede der Konferenz hob der frühere US-Vizepräsident und Nobelpreisträger Al Gore die bereits jetzt herrschende "globale Notlage" hervor, die der Klimawandel für alle Ressourcen unseres Planeten darstellt: Vom Wasser, über den Boden bis zu den Wäldern, von der Artenvielfalt bis hin zu unseren Ozeanen.

"Die Energie, die durch die von Menschen verursachte globale Erwärmung in der Atmosphäre entstanden ist, entspricht einer Explosion von 500.000 Atombomben von Hiroshima pro Tag, an 365 Tagen im Jahr. Die Menschheit behandelt die Atmosphäre des Planeten wie einen Abwasserkanal." Gore erinnerte das Publikum an zahlreiche Extremwetterereignisse in den letzten Jahren, darunter Waldbrände in Portugal und Kalifornien , und verglich die Nachrichten des frühen 21. Jahrhunderts mit "etwas aus dem Buch der Offenbarung".
Er forderte die Verantwortlichen aus der Weinbranche auf, den neuen Konsumenten klar zu machen, dass sie sich dem Porto-Protokoll des Weinbaus, das im Vorjahr unter Anwesenheit von Präsident Barack Obama unterzeichnet wurde, verpflichtet fühlen. Handeln für die Zukunft im Jetzt ist nicht nur eine moralische Verpflichtung sondern einfach auch wirtschaftlich sinnvoll, soviel scheint auch für den Weinbau fix.

"Wir haben eine moralische Verantwortung gegen den Klimawandel zu handeln", sagte Adrian Bridge, CEO von Fladgate-Partnership, es sei keine Zeit zu verlieren.


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