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Holzkraftwerke: Wo die Papierindustrie irrt!

Allgemeinwohl muss vor Konzerninteressen stehen.

In einer Presseaussendung vom 6. 2 2019 wettert der Vorsitzende von Austropapier Dr. Christian Skilich, ein führender Manager der Mondi Group, gegen den Beschluss des Nationalrats, die Weiterführung der Holzkraftwerke zu sichern. Dazu stellt Dr. Kopetz, ENERGYPEACE, die Frage:

„Was ist von den Argumenten des Herrn Dr. Skilich zu halten?“

Maximale Fördereffizienz, also größtmögliche CO2 Einsparung je Förder-Euro. Das klingt ja vernünftig und kann nur bedeuten, jene Ökostromtechnologien mit den geringsten Kosten zu fördern, also Wasserkraft und in Zukunft, nach weiteren Technologiefortschritten, die Photovoltaik. Diese Technologien liefern vor allem Im Sommerhalbjahr viel Strom, der größte Strombedarf aber besteht im Winterhalbjahr. Wer nur auf die so definierte Fördereffizienz schaut, schafft Stromüberschüsse im Sommer und nimmt hin, dass im Winter Strom zunehmend aus Kohle- und Atomkraftwerken kommt. Genau das ist aber zu verhindern. Dies kann nur mit der Weiterführung und dem Ausbau der Ökostromanlagen aus Biomasse erfolgen.

Dazu Dr. Kopetz: „Die Fördereffizienz zur CO2 Einsparung muss für das System Stromversorgung im Gesamtjahr gelten und nicht allein technologiebezogen.“
Denn es würde der CO2 Reduktion im Gesamtsystem Stromerzeugung nicht weiterhelfen, wenn Technologien nur nach Kostengesichtspunkten gefördert werden, unabhängig davon, wann der Stromerzeugt wird, ob er gebraucht wird und wann und wie verlässlich der Strom angeboten wird.

Die Übergangslösung sichert Anlagen, die auch nach 13 Jahren nicht in der Lage sind, wirtschaftlich zu arbeiten. Der Großteil des Stroms in Europa kommt nach wie vor aus fossilen Kraftwerken, vor allem aus Kohle- und aus Atomkraftwerken. Die Umweltkosten, die diese Form der Stromerzeugung verursachen – Klimaschäden wie Ernteverluste, Überschwemmungen, Erdrutsche, Krankheiten usw. ebenso wie die Folgen von Atomunfällen (Tschernobyl, Fukushima) trägt die Allgemeinheit. Wenn man diese externen Kosten der fossilen und atomaren Stromerzeugung in die Kosten einrechnet, dann müssten die CO2 Abgaben mehr als 150 Euro je Tonne sein und die Erzeugungskosten der Atomkraftwerke wären ein Mehrfaches über dem Marktpreis. Dann wären auch alle Holzkraftwerke ohne Förderung rentabel. Dazu Dr. Kopetz „Solange die externen Kosten der fossilen und atomaren Stromerzeugung sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden, brauchen Holzkraftwerke ein Förderregime, unabhängig davon, ob sie alt oder neu sind.“

Eine Tonne CO2 Reduktion kosten 200 Euro. Das ist eine Behauptung, die nicht nachvollziehbar ist. Denn allein im Winterhalbjahr ersparen die Holzkraftwerke durch ihre Stromlieferung – eine Milliarde Kilowattsunden – und ihre Wärmelieferung im Vergleich zu fossilen Lösungen (Kohlestrom, Wärme aus Öl und Gas) zumindest 1,4 Mio. t CO2. Rechnet man das Sommerhalbjahr hinzu so sind es zumindest 2,5 Mio. t CO2 Einsparung. Karl Totter von ENERGYPEACE dazu: „Das ergibt bei einem Fördervolumen von 140 Mio. Euro knapp 60 Euro Kosten je Tonne CO2 Einsparung und nicht 200 Euro.“

Kurzfristige Schadholzereignisse: Wegen des fortschreitenden KlImawandels sind die Schadstoffereignisse – Borkenkäferbefall, Windwurfschäden – leider nicht kurzfristig sondern langfristig zunehmend. Die Sorge der Forstwirtschaft, dass sie ihr Schadholz ohne die Holzkraftwerke nicht verkaufen kann, ist da mehr berechtigt. Schon führt die Situation zu sinkenden Holzpreisen –das mag die Papierindustrie kurzfristig freuen – doch das gefährdet langfristig immer mehr die Bewirtschaftung der Wälder wie man das schon in Tschechien beobachten kann, wo Waldflächen in der Größe von ganzen Bezirken wegen der Schäden außer Bewirtschaftung gestellt werden mussten.

Gemeinsame langfristige Interessen: Wenn man vorausdenkt, dann haben Papierindustrie und Forstwirtschaft viele gemeinsame Interessen. Das wichtigste gemeinsame Interesse müsste es sein, dass Österreich seine CO2 Emissionen endlich senkt und nicht, wie schon seit drei Jahren, weiter erhöht. Mit diesem Vorstoß nimmt die Papierindustrie eine weitere Erhöhung der Emissionen in Kauf. Diese Entwicklung gefährdet langfristig die Existenz der Forstwirtschaft und damit die Rohstoffversorgung der Papierindustrie.

Allgemeinwohl vor Konzerninteressen: Dazu abschließend Dr. Kopetz, ENERGYPEACE: „Der Vorstoß der Herrn Skilich beruht auf wenig überzeugenden Argumenten; er mag den kurzfristigen Gewinninteressen des Mondi Konzerns dienen. Doch die Politik sollte sich in erster Linie an den langfristigen Interessen der Allgemeinheit – besserer Klimaschutz – orientieren und erst in zweiter Linie an den Gewinnzielen der Konzerne.“


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