© 526663 / Fossile Energie forciert Klimawandel
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Offener Brief: Studierende fordern schnellstmöglichen Kohleausstieg

Mit einem offenen Brief wenden sich Studierende der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) an die Mitglieder der Kohlekommission*.

Sie kritisieren die aktuelle Klimapolitik und appellieren an die Kommission, ihre Verantwortung für die Zukunft nachfolgender Generationen ernst zu nehmen. Breite Unterstützung bekommt der Appell auch von den Professor*innen, Mitarbeitenden und der Hochschulleitung.

„Die junge Generation lässt sich die scheinheilige Klimapolitik der Bundesregierung nicht länger gefallen. Es geht schließlich um unser aller Zukunft!“, sagt Silvan Hild, Bachelorstudent an der HNEE und Initiator des offenen Briefes, den er gemeinsam mit weiteren Studierenden der Hochschule verfasst hat. Darin machen die Studierenden deutlich, wie sie die Klimakrise erleben und dass sie die Untätigkeit der Politik nicht länger hinnehmen wollen: „Deutschland will Klima-Vorreiter sein? Dann muss auch ganzheitlich dementsprechend gehandelt werden! Und zwar jetzt!“, betont Selena Dami, Mitglied im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der HNEE.

Konkret beziehen sich die Studierenden auf verschiedene namhafte Berichte wie dem kürzlich veröffentlichten IPCC Report (Global Warming of 1.5° Special Report), in dem es heißt: „Schnelle, weitreichende, beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft sind von Nöten, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen!“1 Allein 0,5 Grad seien entscheidend, um künftige Katastrophen wie Dürren, Überschwemmung und Stürme zu verhindern und Millionen Menschen retten zu können.

„Wie kann es da sein, dass in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt noch eine Debatte über den Zeitpunkt des Kohleausstiegs geführt wird? Ein schnellstmöglicher Aus-stieg sollte außer Frage stehen und nur nach Möglichkeiten gesucht werden, ihn jetzt zu realisieren“, macht Silvan Hild deutlich.
Diese Handlungen für Veränderungen vermissen die HNEE-Studierenden, die das Thema Klimawandel als tief verankerten Bestandteil ihres Studiums an den vier Fachbereichen (Wald und Umwelt, Landschaftsnutzung und Naturschutz, Holzingenieurwesen und Nach-haltige Wirtschaft) begreifen. „Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien wird die Kohleverstromung durch indirekte Subventionen weiter gefördert und ebenfalls entscheidend klimarelevante Bereiche wie Verkehr, Wärme und Ernährung bleiben seit Jahren unverändert – in dieser ernsten Angelegenheit fehlt eine klare politische Linie“, sagt Selena Dami.

Mit dem offenen Brief wollen die Studierenden ein Zeichen setzen und fordern die Kommission auf, sich für einen schnellstmöglichen Kohleausstieg (bis 2030) auszusprechen und hierfür sozialverträgliche Maßnahmen zu erarbeiten. "Natürlich muss die Energiewende sozialverträglich gestaltet werden. Bei der Diskussion um eine gerechte Transformation über-sehen wir aber leicht, was unsere Untätigkeit global gesehen für soziale Auswirkungen hat: Katastrophale! Den Kohleausstieg 2030 sind wir der Welt einfach schuldig”, so Andrea Wiesholzer, Masterabsolventin der HNEE und Co-Autorin.

Unterstützt werden sie von der Hochschulleitung und zahlreichen Mitarbeiter*innen der Hochschule. Bislang haben rund 415 HNEE-Angehörigen den offenen Brief unterschrieben.

Zuspruch von Mitarbeiter*innen der Hochschule:
„In Lehre und Forschung befassen wir uns mit nachhaltiger Entwicklung und leisten damit einen Beitrag für die Gesellschaft. Unsere Studierenden haben das verinnerlicht und mit ihrem offenen Brief einen Beitrag geleistet, der wachrüttelt und zum Handeln auffordert. Das begrüßen wir.“
Prof. Dr. Günther Vahrson, Präsident der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

„Ich freue mich, dass die Studierenden sich mit ihrem Brief an die Kohlekommission für ihre Zukunft einsetzen und unterstütze die Forderung der Studierenden nach einem schnellstmöglichen Kohleausstieg voll und ganz. Die Politik muss endlich begreifen, dass ein früher und schneller Kohleausstieg wichtig für die Zukunft junger Generationen ist.“
Henning Golüke, Klimaschutzmanager an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde


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