© seagul pixabay.com / Erneuerbare Energien
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100% erneuerbare Energien für die ganze Erde?

Noch sind wir weit davon entfernt, aber es gibt viele Optionen- Eine Ansichtssache von OEKONEWS-Chefredakteurin Doris Holler-Bruckner

Bist du vollkommen verrückt, träumst du schon wieder? Das ist doch viel zu teuer. Das konnte ich vor kurzem hören, als ich vom ungeheuren Potential erneuerbarer Energien sprach. Nun habe ich es auch für ganz Europa schwarz auf weiß, dass sich die Energiewende rechnet. 100% Erneuerbare Energie ist für Europa kostengünstiger als das derzeitige Energiesystem und reduziert die Emissionen noch vor 2050 auf Null. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die diese Woche vorgestellt wurde. Wenn es für Europa klappt und sinnvoll ist, dann trifft dies sicher auch auf andere Kontinente zu. Also ist die Antwort eindeutig: Ja, es ist machbar.

"Wo ein Wille ist, ist ein Weg." So lautet nicht zufällig ein altes Sprichwort, dass die Hindernisse wahrscheinlich auf den Punkt bringt. Es fehlt am Willen für den vollen Umstieg.
Alle Fakten sprechen dafür, soviel scheint fix. Abzuholen sind Politik und Gesellschaft, das Bewusstsein fehlt noch in vielen Bereichen. Ein Vorteil kristallisiert sich immer mehr heraus: sowohl Atomkraft als auch Kohle werden immer mehr unwirtschaftlich und Anlagen in diese Bereiche bringen ganz offensichtlich etwas langfristig gesehen eindeutig wirtschaftliche Verluste. Derzeit ist ein wichtiger treibender Faktor durch die Klimakonferenz in Kattowitz wieder in aller Munde: Der Klimawandel zwingt uns zum Handeln, wenn wir für unsere Kinder und Enkelkinder und, wenn es so weiter geht wie bisher auch für uns selbst nicht eine Welt hinterlassen wollen, in der wir von Wetterkatastrophen wie Hitzewellen, Stürmen, Wasserknappheit und anderen Problemen weit mehr betroffen sein werden als bisher. Das heißt, dass wir auch unseren derzeitigen Lebensstil ändern müssen, um den Energieverbrauch zu reduzieren.

An erster Stelle steht Energieeffizienz. Die Technik dazu ist in vielen Fällen schon am Markt zu erhalten: Ein Passivhaus braucht nur 10% der Energie im Vergleich zu herkömmlichen Häusern, die in den letzten Jahren dafür entwickelten Komponenten kommen in der Zwischenzeit zusätzlich bei der Sanierung von Häusern zum Einsatz. Intelligente neue Geräte verbrauchen 90% weniger Strom als jene, die noch vor ein paar Jahren verkauft wurden. Ein Elektroauto ist weit effizienter als Benziner oder Diesel, es braucht nur 10%-20% der Energie wie ein in etwa gleich großes fossiles Fahrzeug.
Und warum sollten wir den Strom für unsere E-Autos nicht direkt vom Dach unserer Gebäude bekommen?

Die meisten Experten sind sich vollends einig, dass wir in Zukunft einen Mix aus Sonnen-, Wind-, Biomasse-, Wasser-Energiequellen nutzen werden, die sich gegenseitig ergänzen können. Gerade in den letzten Jahren ist die Energiespeicherung mit Batterien, viel billiger geworden. Unternehmer wie Elon Musk glauben nicht nur, dass dies der richtige Weg ist, sondern sie zeigen gleich vor, wie das funktionieren kann. Tesla Energy hat es geschafft, in den letzten Monaten gleich mehrere Batteriespeicherkraftwerke zu bauen, die in Kombination mit PV-Kraftwerken oder Windparks genug Energie speichern können, um die volatilien Zeiten, z.B. jene, wenn keine Sonne scheint oder kein Wind weht, für eine gewisse Zeit zu überbrücken. Elon Musk schätzt, dass es nur rund 100 seinerGigafabriken, die Photovoltaik am Dach und Batteriespeicher kombinieren, geben müsste, um die gesamte Welt mit Strom zu versorgen. Wie viele Dächer sind heute noch vollends leer?

Eine weitere Schätzung geht davon aus, dass nur ein einziges großes Solarkraftwerk, dass die Größe von Texas hätte, genug Energie für die gesamte USA liefern könnte.
Eine bereits vor 9 Jahren link area="2">von der Universität Stanford und UC Davis publizierte Studie zeigte, dass es mit dem damals aktuellen Stand erneuerbaren Energietechnologien problemlos möglich gewesen wäre, die Welt von fossilen Energien zu befreien. Man ging zu diesem Zeitpunkt noch von geringfügig höheren Kosten aus. Nachdem in der Zwischenzeit effizientere und größere Windkraftwerke am Markt sind und die Kosten für Photovoltaik vehement gesunken sind, zeigen neuere Ergebnisse, wie jene der oben erwähnten Studie zu Europa, dass sich die 100% Energiewende einfach rechnet.

In einer weiteren Studie zeigten die Stanford Wissenschaftler auf, wie sich das auf die Gesundheit auswirken würde: Mit einer 100% Energiewende könnten wir jedes Jahr 2,5 bis 3 Millionen Menschenleben retten, bei weniger Gesundheitskosten für die Allgemeinheit natürlich. Die Stanford Forscher rund um Prof. Marc Jacobson haben außerdem Roadmaps für 139 Ländern der Erde erstellt, wie diese auf 100% Wind-, Wasser- und Solarenergie umsteigen können und sind überzeugt, dass bereits bis 2030 alle neuen Kraftwerke nur mit erneuerbaren Quellen errichtet und betrieben werden können. Der große Vorteil: Sobald diese in Betrieb gehen, werden sie pro kW weit weniger als die derzeit noch verwendeten fossilen Brennstoffe und als Atomkraft kosten. Island oder Costa Rica zeigen vor, wie rasch ein Umstieg im Strombereich möglich ist. Unzählige Städte und Regionen punkten bereits mit Wärmenetzen, die nur mit erneuerbaren Energiequellen betrieben werden. Fakt: Es ist machbar.

Wer nun meint, das ist bei der Mobilität ein großes Problem: Hier haben sich manche Länder ebenfalls bereits auf den Weg gemacht, in Europa ist Norwegen ein Beispiel, wie rasch der Umstieg hier gehen kann. Shenzen in China punktet nicht nur mit einer großen elektrischen Taxiflotte, sondern hat innerhalb von 6 Jahren sein gewaltiges Busnetz von 16.000 städitschen Bussen vollends auf elektrisch fahrend umgestellt, die weltweit größte Elektrobusflotte ist somit in der Green City Shenzen unterwegs.

Es sei nochmals darauf hingewiesen: "Wo ein Wille ist, ist ein Weg." .. Bei der Klimakonferenz COP24, wo es vor allem darum ging, die Ziele von Paris umzusetzen wurden die Fakten klar dargelegt: Handeln ist ein Muss.

Das Ergebnis hinkt jedoch noch hinterher.


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