© artursfoto - pixabay.com
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Biodiversität durch neue Gentechnik in Gefahr

GLOBAL 2000 fordert gemeinsam mit anderen NGOs Moratorium von Gene Drive.

Wien/Sharm El Sheikh – Von 17. bis 29. November findet die 14. Vertragsparteienkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD COP 14) in Sharm El Sheikh, Ägypten, statt. Neben den zahlreichen Artenschutz-Themen muss heuer der Neuen Gentechnik besondere Relevanz beigemessen werden. Unter dem Schlagwort “Synthetic Biology” werden auch Techniken wie CRISPR zusammengefasst. Dazu gab es am 25. Juli diesen Jahres zumindest für die EU seitens des EuGH eine klare Entscheidung. CRISPR und andere neue gentechnische Methoden (und deren Produkte) sind als Gentechnik zu klassifizieren. ”Diese klare Klassifizierung sollte nicht auf die EU beschränkt bleiben. Auf der UN-Konferenz sollten sich die Vertragspartner einigen, dass diese klare Regelung für alle Partnerländer gilt“, betont Heidemarie Porstner, Gentechniksprecherin der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Der Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit stehen laut dem EuGH-Urteil im Vordergrund. Überdies hat das Vorsorgeprinzip zu gelten. Durch die Entscheidung gibt es eine klare Regulierung, Zulassungsverfahren, Risikobewertung und Kennzeichnung.

Die gentechnischen Veränderungen von Pflanzen können leicht auf verwandte – auch Wildarten – übertragen werden. Wie sich die gentechnische Veränderung dann bei den Pflanzen auswirkt, die potentiell auch Futterpflanzen für wichtige Bestäuber sein können, wurde bis dato bei weitem noch nicht ausreichend untersucht. Porstner: “Die Techniken sind alles andere als sicher. Ohne Regulierung als Gentechnik würde es niemals Bestrebungen geben, die potentiellen Auswirkungen auf die Umwelt und die Artenvielfalt zu überprüfen.“

Gene Drive – eine gentechnische „Kettenreaktion“

Besonderes Augenmerk muss einer Technik geschenkt werden, die dafür sorgt, dass sich gentechnische Veränderungen in Pflanzen und Tieren quasi von selbst reproduzieren, und zwar so, dass sie die Gesetze der Vererbungslehre aushebeln und binnen weniger Generationen in nahezu allen Nachkommen vertreten sind. Das kann zum Auslöschen bestimmter Arten führen, aber auch zur Weitergabe von Eigenschaften wie Herbizidtoleranz, damit das vermeintliche Unkraut wieder auf zum Beispiel Glyphosat reagiert. “Die Möglichkeit, dass sich diese modifizierten Gräser mit Nahrungspflanzen auskreuzen, muss dringend in Betracht gezogen werden. Das kann drastische Folgen für das ganze Ökosystem haben“, warnt Porstner.

Besondere Rolle Österreichs bei der CBD COP 14

Mit dem Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft kommt Österreich bei der CBD COP 14 eine besondere Rolle zu. Die gemeinsam erarbeitete EU-Position sieht zwar vor, dass in Punkto Neue Gentechnik (Genome Editing) das Vorsorgeprinzip zu gelten hat und dass es durch Gene Drive mögliche negative Auswirkungen auf die Biodiversität geben könnte. Das von zahlreichen NGOs und UnterstützerInnen weltweit georderte Moratorium für die so riskante Technologie „Gene Drive“ hat es aber nicht in das Papier geschafft. "Gerade unter dem Vorsitz Österreichs, einem Land, das eine so lange Gentechnik-Freie Tradition hat, sollte die EU dafür Sorge tragen, dass Gentechnik die Biodiversität nicht unwiederbringlich zerstört“, sagt Porstner. „In dieser heißen Phase der Diskussion um die Neue Gentechnik und Gene Drive wäre ein stärkeres Engagement der beiden zuständigen Ministerinnen, sowohl der Gesundheits- als auch die Landwirtschaftsministerin, ein starkes und dringend notwendiges Signal gewesen.“

In Österreich sind die Gentechnik-Agenden zwischen zwei Ministerien aufgeteilt, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Konsumentenschutz und dem Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.


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