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Österreichs Klimastrategie durch zu hohe CO2-Grenzwerte für Neuwagen gefährdet

Reale CO2-Emissionen der Neuwagen um rund 40 Prozent höher als Hersteller angeben

Wien - Die Ziele der Klimastrategie der Bundesregierung sind durch zu hohe reale CO2-Emissionen der Neuwagen gefährdet, macht der VCÖ aufmerksam. Die tatsächlichen CO2-Emissionen der Neuwagen sind bereits um rund 40 Prozent höher als die Herstellerangaben versprechen. Um die Ziele der Klimastrategie zu erreichen, sind auf EU-Ebene niedrige CO2-Grenzwerte für das Jahr 2025 und das Jahr 2030 nötig. Österreichs EU-Vorsitz im 2. Halbjahr ist eine Chance, die künftige CO2-Bilanz der Neuwagen massiv zu verbessern.

Die Neuwagen in der EU verursachen zu hohe klimaschädliche CO2-Emissionen, wie eine heute veröffentlichte Studie des europäischen Dachverbandes des VCÖ, "Transport & Environment", zeigt. Die realen CO2-Emissionen der in der EU neuzugelassenen Pkw sind bereits um 42 Prozent höher als am Papier steht. "Hohe CO2-Emissionen der Neuwagen bedeuten, dass die EU-Mitgliedsstaaten zusätzliche Maßnahmen umsetzen müssen, damit sie ihre Klimaziele erreichen. Auch die Ziele von Österreichs Klimastrategie sind dadurch gefährdet", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Damit Österreich sein Klimaziele erreicht, sind die CO2-Emissionen des Verkehrs bis zum Jahr 2030 um 7,2 Millionen Tonnen auf höchstens 15,7 Millionen Tonnen zu reduzieren. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, welche negativen Folgen zu hohe CO2-Emissionen der Neuwagen haben. Laut Herstellerangaben haben die im Jahr 2016 in Österreich neuzugelassenen Diesel-Pkw 123 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen. Die tatsächlichen CO2-Emissionen betrugen aber laut Umweltbundesamt 176 Gramm pro Kilometer, bei den Benzin-Pkw war die Abweichung mit 160 statt 122 Gramm etwas geringer.

Bei einer Fahrleistung von 13.000 Kilometer pro Pkw bedeutet das, dass die im Jahr 2016 neuzugelassenen Diesel- und Benzin-Pkw real 707.000 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, um 195.000 Tonnen mehr als die Herstellerangaben versprechen. Die zwischen 2014 und 2017 neuzugelassenen Pkw stoßen bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 13.000 Kilometer real um rund 700.000 Tonnen mehr CO2 pro Jahr aus als die Herstellerangaben versprechen, macht der VCÖ aufmerksam. Zum Vergleich: Durch die Verdoppelung des Radverkehrsanteils in Österreich wird eine jährliche Reduktion der CO2-Emissionen um 300.000 Tonnen erwartet.

Die Abweichung der realen CO2-Emissionen von den Herstellerangaben hat in den vergangenen Jahren leider stark zugenommen. Im Jahr 2000 waren die tatsächlichen CO2-Emissionen der Neuwagen laut Umweltbundesamt um nur 7 Prozent höher als die Herstellerangaben, im Jahr 2014 betrug die Differenz bereits 30 Prozent, im Jahr 2015 waren es 34 Prozent und im Jahr 2016 bereits 39 Prozent, berichtet der VCÖ.

Der VCÖ weist darauf hin, dass niedrige CO2-Emissionen der Neuwagen das Erreichen der Ziele der Klimastrategie erleichtern und hohe Kosten vermeiden. Je niedriger die realen CO2-Emissionen, umso niedriger auch der Spritverbrauch. Auf EU-Ebene wird in den kommenden Monaten der Grenzwert für das Jahr 2025 und das Jahr 2030 festgelegt. Der bereits beschlossene CO2-Grenzwert für das Jahr 2021 beträgt 95 Gramm. "Österreich hat mit dem EU-Vorsitz die große Chance, im Interesse der Umwelt und der Autofahrer einen niedrigen CO2-Grenzwert durchzubringen", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Für das Jahr 2025 ist ein CO2-Grenzwert von 70 Gramm CO2 pro Kilometer anzustreben, für das Jahr 2030 ein Grenzwert von 40 Gramm. Der VCÖ hat berechnet, was ein realer Ausstoß von 40 Gramm CO2 pro Kilometer für die in den Jahren 2014 bis 2017 in Österreich zugelassenen Neuwagen bedeuten würde: Der jährliche CO2-Ausstoß dieser Neuwagen wäre in Summe um 2,1 Millionen Tonnen niedriger.


VCÖ: Niedrige CO2-Emissionen der Neuwagen für Österreichs Klimastrategie zentral (Jährliche CO2-Emissionen der zwischen 2014 und 2017 neuzugelassenen Pkw (1,26 Millionen) bei durchschnittlicher Fahrleistung von 13.000 Kilometer)

Bei derzeit realem CO2-Ausstoß: 2,77 Millionen Tonnen pro Jahr

Annahme Ausstoß wie Herstellerangaben: 2,05 Millionen Tonen pro Jahr

Annahme realer Ausstoß von 95 Gramm/km: 1,56 Millionen Tonnen pro Jahr

Annahme realer Ausstoß von 70 Gramm/km: 1,15 Millionen Tonnen pro Jahr

Annahme realer Ausstoß von 40 Gramm/km: 0,66 Millionen Tonnen pro Jahr
Quelle: VCÖ 2018



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