© Harald Frey
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Bau des Lobau-Tunnels versus Ziel einer menschengerechten Stadt

Vortrags- und Diskussionsreihe der Gruppe "bewusst.nachhaltig", Agenda 21 Plus Wien Alsergrund - Mitschnitt vom 03.04.2018 für Radio Orange

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Harmonie und menschengerechte Stadt

Ausgehend von Begriffen wie Harmonie und Planungsgrundsätzen für eine menschengerechte Stadt spannte der Referent Dr. DI Harald Frey von der TU Wien, IVV den Bogen zu den Planungen des Lobau-Tunnels. Im Laufe der letzten Jahrzehnte fand eine Planung von der vom Menschen geprägten Stadt hin zur Pkw geprägten Stadt statt. Der Fokus wurde auf schnelle Verkehrsadern nicht aber auf dichte Netze gelegt, die den Funktionalitäten einer Stadt entsprechen.

Lobau-Tunnel nicht zweckmäßig - Aufgabe der Politik über negative Auswirkungen zu sprechen

Zur Aufgabe der TU Wien, IVV zählte u.a. eine detaillierte und exakte Prüfung der Auswirkungen der Lobauautobahn auf die Stadt Wien unter dem Blickpunkt veränderter Rahmenbedingungen (Zunahme der Bevölkerung, Rückgang der Pkw, Verschiebung des Modal Splits zugunsten der umweltfreundlichen und effizienten Verkehrsträger, ...). Das Szenario B + (2030) - Tunnel kommt nicht und die erfolgreiche Implementierung von Maßnahmen eines Aktionsplans sind am wirksamsten im Sinn der Zielerreichung. Dieses Szenario beinhaltet folgende Maßnahmen: flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Wien mit neuem Zonenmodell, Definition eines ÖV-Maßnahmenpakets über STEP 2025 hinaus, Kooperationsvereinbarungen Stadt/Bezirke zur Umsetzung, Weiterführung von Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Jedenfalls ist der Bau des Lobau-Tunnels ohne Vorbedingungen und begleitende Maßnahmen kontraproduktiv im Sinne klima-, wirtschafts- und verkehrspolitischen Zielsetzungen.

Es gibt daneben zahlreiche Gründe, warum Knoflacher und Frey den Expertenbericht nicht unterschrieben haben. Dazu zählt z.B. die Aussage des Expertenberichts, dass der Lobau-Tunnel eine Voraussetzung für eine kompakte, am ÖV und an Zentren orienentierter, geordneter Siedlungsstruktur ist, .... Ziele wie eine kompakte Stadtentwicklung mit attraktiven Grün- und Freiräumen sind nach Meinung des Expertenberichts nur mit dem Lobau-Tunnel möglich und gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass mögliche negative raumstrukturelle Konsequenzem durch deine S1 durch geeignete Instrumente verhindert werden müssen oder z.B., dass ohne Lobau-Tunnel Maßnahmen für den ÖV unterbleiben müssten.

Diskussion

In der Diskussion machte Frey auf einen seiner Vorschläge aufmerksam, der im Prozess nicht erwidert wurde: offener Diskussionprozess mit Sammlung von Argumenten pro und contra Lobau-Tunnel. Nicht vergessen werden darf, so ein Zuhörer, dass die hochverschuldete ASFINAG bereits vor einigen Jahren in Gratiszeitungen Werbung schaltete, die über die angebliche Notwendigkeit des Tunnels informierte. Gefährlich sei u.a. auch, dass das BMVIT eine Doppelrolle habe (Auftraggeber für Straßen und Genehmigungsbehörde), so ein Dritter. Jedenfalls müssen die Inhalte aus der Studie leicht verständlich für die Bevölkerung aufgearbeitet werden.


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