© pixabay / typographyimages - Die Natur beweist: Zellen bieten zahlreiche Vorteile. Autonome "Energiezellen" bieten eine stärkere Widerstandsfähigkeit gegenüber großflächigen Stromausfällen
© pixabay / typographyimages - Die Natur beweist: Zellen bieten zahlreiche Vorteile. Autonome "Energiezellen" bieten eine stärkere Widerstandsfähigkeit gegenüber großflächigen Stromausfällen

Autarkie. Pro und Kontra

Ein autarkes Haus ist der ideale (persönliche) Schutz vor Blackouts. Aber vernetzte autarke Systeme bieten eine ungeheuere Chance auf kommunaler Ebene. Wichtig ist, dass das Fördersystem optimiert wird

Im Vereinslokal von SOL mit Vorstand Herbert Floigl fand am 8. März eine spannende Diskussion zum Begriff "Autarkie" statt. Herbert Saurugg, dem Österreich ein aufkeimendes Bewusstsein der Problemaktik von großflächigen Stromausfällen verdankt, spricht statt von (Energie-)"Autarkie" lieber von vernetzten autonomen Energiezellen. Also Systemen, die im Bedarfsfall selbst ausreichend Energie bereitstellen können. Kleine Zellen bieten eine höhere Ausfallsicherheit im Gegensatz zum bisherigen zentralen Energiesystem. Peter Ott, selbst Besitzer eines netzparallelen (bilanziell) autarken Heims ergänzt, dass in der Vergangenheit solche dezentralen/regionalen Systeme in Form von kleinen Energieverbünden und sogenannten Stadtwerken vorherrschend waren.

Kommunale Energiezellen

Als ideale Struktur solcher Zellen sieht Ott eine Struktur auf Gemeinde-Ebene. In diesem Punkt herrschte Einigkeit, ebenso in der Tatsache, dass wir die Energieeffizienzpotentiale stärker nützen müssen.

Strombedarf wird - gerade durch Energieeffizienz - steigen

Jedem ist allerdings auch klar, dass der Strombedarf gerade aufgrund erhöhter Effizienz massiv steigen wird, da beispielsweise die Elektromobilität zwar insgesamt 2/3 Energie einspart - das "restliche" Drittel der noch notwendigen Energie muss jedoch elektrisch bereitgestellt werden. Auch der (durchaus sinnvolle) Umstieg auf Wärmepumpen wird den Strombedarf weiter erhöhen. Wichtig ist jedoch, dass durch diese Effizienz-Maßnahmen der Gesamt-Energiebedarf gesenkt wird. Wenn wir diese Energie so bereitstellen möchten, dass unsere Energieimporte verringert werden, die Umwelt geschont und die lokale Wirtschaft gestärkt werden soll, ist eine weitere Gemeinsamkeit gefunden: Der elektrische Bedarf wird dann aus 100% Erneuerbarer Energie kommen. Dies ist auch im aktuellen Regierungsprogramm bis 2030 (bilanziell) verankert.

Abgrenzung des "Autarkie-Begriffs"

Uneinigkeit herrschte in der Abgrenzung autarker Einheiten. Lukas Pawek und Franz Spreitz präferieren voll- oder teilautarke (netzparallele) Systeme, also konkret Häuser, die auch komplett netzunabhängig funtionsfähig sind. Im Buch 'Autarkie. Leben in Freiheit' beschreiben sie diesen Weg. Joe Gansch, ebenfalls im SOL-Vorstand, empfindet diese Systeme als wertvollen Beitrag zum persönlichen Schutz vor den Auswirkungen eines Blackouts. Gansch hält jedoch entgegen, dass der Ressourcenverbrauch im stromautarken Einfamilienhaus größer ist als im Vergleich zum (ohnehin zumeist vorhandenen) öffentlichen Stromnetz. Pawek hält dem entgegen, dass künftig Unmengen an ausgedienten E-Auto-Batterien anfallen werden. Diese bieten zwar zuwenig Kapazität für eine weitere Nutzung im E-Auto, jedoch noch ausreichend Energie um Häuser zu versorgen. Pawek sieht daher den Vorteil der schnellen Realisierbarkeit autarker Häuser als Antwort darauf, dass autarke Gemeinden rechtlich derzeit noch nicht möglich sind, auch wenn erste Projekte bereits Hoffnung geben. Bis es diese Möglichkeit gibt, hilft ein energieautarkes Haus mit, das Netz zu entlasten und zeigt auf, dass die Stromspeicherung und eine Vollversorgung mit Erneuerbarer Energie technisch möglich ist und Sinn ergibt. Auch kann bei Stromausfällen die Energie für eine (solidarische) netz-unabhängige Kommunikationsinfrastruktur auf Gemeindeebene bereitgestellt werden.

Förderungen intelligenter vergeben

Eine gemeinsame Forderung entstand jedenfalls aus der Diskussion: Die Speicherförderung sollte künftig verstärkt an "Insel- bzw. notstromversorgungsfähigkeit", also Systeme, die selbst ein (Haus-)Stromnetz aufbauen können, gebunden sein.



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Artikel Online geschalten von: / pawek /