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Realer Spritverbrauch von Österreichs Autoflotte sinkt viel zu langsam

Hoher Spritverbrauch schadet der Umwelt und belastet Geldbörse der Autofahrer

Wien - In den vergangenen Jahren ist der reale Spritverbrauch von Österreichs Autoflotte nur geringfügig gesunken. Während die Diesel-Pkw von Österreichs Haushalten im Jahr 2005 pro 100 Kilometer 6,9 Liter verbrauchten, waren es im Vorjahr mit 6,5 Liter nur marginal weniger. Der SUV-Boom verhindert einen stärkeren Rückgang des Spritverbrauchs. Damit wird auch das Erreichen der Klimaziele massiv erschwert. Der VCÖ fordert niedrigere Grenzwerte auf EU-Ebene und in Österreich stärkere Anreize, damit der reale Spritverbrauch ein wichtigeres Kriterium beim Autokauf wird.

"Der Spritverbrauch der heimischen Autoflotte sinkt nur im Schneckentempo. Das ist schlecht für die Geldbörse der Autofahrer und belastet massiv die Umwelt", so VCÖ-Experte Markus Gansterer. Im Vorjahr verbrauchten die Diesel-Pkw von Österreichs Haushalten laut Berechnung des VCÖ rund 6,5 Liter pro 100 Kilometer. In den Jahren 2015 und 2013 waren es laut Daten der Statistik Austria jeweils 6,6 Liter, im Jahr 2007 lag der Durchschnittsverbrauch bei 6,8 Liter und im Jahr 2005 bei 6,9 Liter. Etwas stärker ist der Rückgang bei den Benzin-Pkw, deren realer Spritverbrauch im Schnitt von 7,9 Liter im Jahr 2005 auf 7,1 Liter im Vorjahr zurückgegangen ist.

Der kaum sinkende reale Spritverbrauch hat mehrere Gründe, stellt der VCÖ fest. In den vergangenen zehn Jahren wurden Neuwagen auf den Testzyklus im Labor hin optimiert, nicht jedoch auf einen niedrigen Spritverbrauch beim Fahren auf der Straße. Damit ist der Verbrauch der Neuwagen nur auf dem Papier stark gesunken, die Abweichung des realen Verbrauchs von den Herstellerangaben ist laut Umweltbundesamt auf fast 40 Prozent gestiegen. Technische Fortschritte bei den Motoren werden durch schwerere und PS-stärkere Autos wieder zunichte gemacht. Allein seit dem Jahr 2011 hat sich in Österreich die Zahl der neuzugelassenen Pkw mit mehr als 105 kW (143 PS) auf 109.661 im Vorjahr verdoppelt.

"Auch der SUV-Boom verhindert eine stärkere Reduktion des realen Spritverbrauchs", nennt VCÖ-Experte Gansterer einen weiteren Grund. Laut deutschem Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer verbrauchen SUV im Schnitt um ein Viertel mehr Sprit als vergleichbare herkömmliche Modelle, das betrifft auch die Kompakt-SUV. Seit dem Jahr 2010 wurden in Österreich rund 536.000 SUV neu zugelassen, im Jahr 2017 mit 95.840 mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2010.

Wie sehr eine Verringerung des Spritverbrauchs sowohl die Umwelt als auch die Geldbörse der Autofahrer schonen würde, zeigt das folgende Beispiel. Im Schnitt fahren die Haushalte mit einem Diesel-Pkw rund 13.000 Kilometer pro Jahr. Verbraucht der Wagen statt 6,5 nur 4 Liter Sprit pro 100 Kilometer, dann sinkt der Jahresverbrauch um rund 325 Liter auf 520 Liter. Die Spritkosten sinken dann um 360 Euro pro Jahr, die CO2-Emissionen würden um rund 860 Kilogramm pro Jahr zurückgehen, verdeutlicht der VCÖ.

Der VCÖ fordert daher niedrigere CO2-Grenzwerte für Neuwagen auf der EU-Ebene. Je niedriger der CO2-Ausstoß, desto niedriger der Spritverbrauch. Je mehr CO2 die Neuwagen hingegen ausstoßen, umso mehr zusätzliche Klimaschutz-Maßnahmen müssen die Mitgliedsstaaten und damit auch Österreich umsetzen. Zudem sind verstärkte Anreize in Österreich nötig, damit beim Autokauf stärker auf den realen Spritverbrauch geachtet wird. Der Spritverbrauch wurde zuletzt aufgrund der gesunkenen Spritpreise weniger beachtet: Heute kostet ein Liter Diesel um 31 Cent weniger als im Herbst 2012 und ein Liter Benzin um 33 Cent weniger.

Auch Kurzstrecken sind Spritfresser. Auf den ersten zwei Kilometer verbraucht ein Auto deutlich mehr als im Schnitt. In Österreich ist jede fünfte Autofahrt kürzer als zweieinhalb Kilometer, 40 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 5 Kilometer, macht der VCÖ aufmerksam. Mit der Reichweite von E-Autos könnten übrigens bereits heute fast alle Autofahrten zurückgelegt werden: 95 Prozent der Fahrten der heimischen Autofahrer sind kürzer als 50 Kilometer.



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