©  PID- Houdek / ASCR geht in die Verlängerung
© PID- Houdek / ASCR geht in die Verlängerung

Energieforschung in Wien: ASCR geht in die Verlängerung!

Wiener Forschungskooperation zur urbanen Energiezukunft wird fortgeführt

Die ASCR führt seit 2013 eine der innovativsten und nachhaltigsten Energieeffizienz-Demonstrationskooperationen Europas durch. Ins Leben gerufen wurde die ASCR von Siemens, Wien Energie, Wiener Netze, der Wirtschaftsagentur Wien und der Seestädter Entwicklungsgesellschaft Wien 3420. Nun haben die Eigentümer die Fortsetzung der Zusammenarbeit beschlossen. Bis 2023 steht der ASCR 2.0 ein Budgetvolumen von 45 Millionen für die weitere Forschungsarbeit zu Verfügung. Am 11. Jänner 2018 wurden die neuen Schwerpunkte der Forschungsarbeit erstmals präsentiert.

Urbane Energiezukunft

Leitgedanke der ASCR ist es, die urbane Energieerzeugung, die Speicherung und den Energieverbrauch zu optimieren und so den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke erklärt die Wichtigkeit der ASCR für die Stadt Wien: "Wien ist eine stark wachsende Stadt, daher müssen wir schon heute an nachhaltigen Konzepten für die Energieversorgung von morgen arbeiten. Die Beteiligung der Wiener Stadtwerke an der ASCR ist also eine Investition in die Energiezukunft, die Versorgungssicherheit und Lebensqualität für alle Wienerinnen und Wiener garantieren muss. Ich erwarte mir von dieser Forschungskooperation natürlich, dass letztlich marktreife Produkte entstehen."

Die Forschungsgesellschaft sticht vor allem durch ihren integrativen Ansatz hervor. Nicht Einzelelemente, sondern die komplexen Zusammenhänge des Energiesystems werden anhand realer Daten beforscht. Siemens Österreich-Generaldirektor Wolfgang Hesoun ist von diesem Joint Venture überzeugt: "Siemens Österreich ist es immer wieder gelungen, wesentliche Kompetenzen und Leuchtturmprojekte in Österreich anzusiedeln. Möglich ist dies nur aufgrund der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und dem Interesse, intensiv in Forschung und Entwicklung - einem wesentlichen Standortfaktor - zu investieren. Gemeinsam ist es uns mittlerweile gelungen, Daten und Messwerte zu analysieren und so erste Erkenntnisse, die bereits in konkrete Projekte eingeflossen sind, zu gewinnen."

Einbindung von Endkunden

An der Energiezukunft geforscht wird im neuen Wiener Stadtteil aspern Seestadt. Daten aus dem Stromnetz, von verschiedenen Gebäuden, Wetterdaten und nicht zuletzt die Energiedaten der User machen es möglich, unter realen Bedingungen zu forschen. Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie sieht ein hohes Potential im Bereich der Energieforschung: "Die ASCR bietet uns die Möglichkeit, neue Angebote für unsere Kundinnen und Kunden zu testen. Wir gewinnen so wichtige Erkenntnisse für zukünftige Produkte." Auch die Wiener Netze nutzen die ASCR als Testfeld. Die entscheidende Frage lautet, wie der reibungslose Übergang von einem passiven Verteilernetz zu einem smarten Stromnetz der Zukunft gelingen kann. Thomas Maderbacher, Geschäftsführer der Wiener Netze: "Im Netzbereich steht immer die Versorgungssicherheit im Zentrum. Dezentrale Erzeugung stellt das Stromnetz vor große Herausforderungen. Die Forschungsarbeit der ASCR hilft uns dabei, für die Zukunft besser gerüstet zu sein."

ASCR 2.0 heißt Vertiefung und Ausweitung der Forschungsbereiche

Die erste Phase der ASCR war von 2013 bis Ende 2018 festgelegt. Nun ist klar, dass die Eigentümer die Kooperation in die nächste Phase tragen, die bis 2023 laufen wird. Die Vorbereitungen auf ASCR 2.0 sind in vollem Gange: Es werden neue Gebäude als Testbeds gesucht und neue Forschungsfragen definiert. Klar ist bereits, dass neben der Vertiefung der Forschung in den Bereichen Smart Building und Smart Grid die Digitalisierung des gesamten Energiesystems noch stärker in den Fokus rücken wird. Dazu gehören auch die sektorenübergreifende Energiesystemoptimierung und der Aufbau einer "Datendrehscheibe". Darüber hinaus will das ASCR-Team an neuen, datenbasierten Energiemarktmodellen arbeiten. Neu ist zudem die Einbindung der E-Mobilität als Herausforderung für die Stromnetze der Zukunft.

Die beiden Geschäftsführer der ASCR, Georg Pammer und Robert Grüneis, sehen die Verlängerung der Finanzierungszusagen durch die Eigentümer als Vertrauensbeweis für dieses Kooperationsmodell. Beide betonen: "Wir freuen uns darauf, die Forschungsarbeit mit dem engagierten Team der ASCR in den nächsten Jahren fortzuführen."

Über die ASCR

Die Forschungsgesellschaft ASCR wurde von Siemens AG Österreich (44,1%), Wien Energie GmbH (29,95 %), Wiener Netze GmbH (20%) und der Stadt Wien (Wirtschaftsagentur Wien 4,66%; Wien 3420 Holding GmbH, 1,29%) ins Leben gerufen. Ein Kooperationsmodell in dieser Größenordnung ist bis dato einmalig. Über 100 Personen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen sind an diesem Forschungsvorhaben direkt beteiligt.

Bis 2018 steht ein Budget von 38,5 Millionen Euro zur Verfügung. Im Dezember 2017 wurde von den Eigentümern eine Verlängerung der Kooperation bis 2023 und weitere 45 Millionen an Forschungsgeldern beschlossen.

Im Rahmen dieser Kooperation soll ein Teil der technischen Lösungen für die neue Energiewelt entwickelt werden, und zwar anhand der Daten realer Endkunden in einem neu errichteten Stadtteil. Dabei geht es um vorausschauende Gebäudeautomatisierungen und die Nutzung der Energie-Flexibilitäten der Gebäude u.a. am Energiemarkt. Die User werden proaktiv in die Entwicklungsarbeiten eingebunden. Ziel ist, entsprechende Produkte und Services zu gestalten und somit auch die Lebensqualität zu erhöhen. Weiters werden optimale Methoden der Erfassung des Netzzustandes und der Netzplanung entwickelt. Sämtliche Lösungen basieren auf einer übergreifenden IKT, für die die geeigneten Big-Data-Modelle entwickelt und erprobt werden.

Im Rahmen des Smart City Expo World Congress in Barcelona konnte sich die ASCR unter mehr als 250 Einreichungen aus 45 Ländern durchsetzen und einen von drei World Smart City Awards gewinnen. Die ASCR wurde als bestes Smart Project 2016 weltweit ausgezeichnet. Der Ansatz, alle Komponenten im Energiesystem - nämlich Gebäude, Netz, User und Informations- und Kommunikationstechnologien - miteinzubeziehen und so an einer effizienten und CO2-armen Energiezukunft zu arbeiten, überzeugte die internationale Jury.


Artikel Online geschaltet von: / Doris Holler /