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Kippen des Rauchverbots ein schwerer Fehler mit weitreichenden Konsequenzen!

Der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) zeigt sich ob des „Aus“ für das Rauchverbot in der Gastronomie entsetzt.

Wien - Das Kippen der bereits 2015 beschlossenen Novelle wird nachweislich Menschenleben und viel Geld kosten.

Drei Punkte werden von den Experten besonders hervorgehoben: Der fehlende ArbeitnehmerInnen-Schutz, die Vernachlässigung der Gefahren des Passivrauchens und der bewusste Verzicht auf eine rasche Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen bei Aktiv- wie Passivrauchern, die durch ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie gegeben wären.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Schenk, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP): „Dass alle Warnungen der Wissenschaft in den Wind geschlagen wurden, ist, vor allem aus Sicht der Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, zutiefst zu bedauern. Die Arbeitnehmerinnen und -nehmer in der Gastronomie sind weiterhin schutzlos dem Passivrauch ausgesetzt. Und Passivrauchbelastung allein kann nachweislich zu Lungenkrebs und COPD führen. Tagtäglich erleben wir als Ärzte Patienten mit schweren tabakbedingten Lungenkrankheiten. Sie leiden schwer an den Folgen des Tabakkonsums und bereuen ihr früheres Rauchen zutiefst.

Wir wissen heute ganz eindeutig: Rauchverbote führen zu einem Rückgang des Rauchens sowohl in der Gesamtbevölkerung als auch im kritischen Jugendalter. Durch Rauchverbote beginnen weniger Menschen zu rauchen und mehr Menschen geben ihre Sucht auf. Dadurch entstehen weniger Lungenkrebs- und COPD-Neuerkrankungen sowie Herz-Kreislauferkrankungen. Insbesondere auf Kinder hat diese Maßnahme günstige Auswirkungen: So kommt es beispielsweise zu weniger Krankenhausaufnahmen wegen kindlichem Asthma. Rauchverbote bewirken aber auch einen besseren Schutz des ungeborenen Kindes vor den negativen Auswirkungen des Aktiv- & Passivrauchens der Mutter. All dies hat man nun leichtfertig aufgegeben.“

„Und man verzichtet ganz bewusst auf die sogenannten ‚Quick-wins‘“, so ÖGP-Generalsekretär Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht: „Denn Daten aus Irland und Italien zeigen eindeutig, dass es durch ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie bei Aktiv- wie bei Passivrauchern zu einer raschen Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen bis hin zum Herzinfarkt kommt.“

Abgesehen vom menschlichen Leid überwiegt auch ökonomisch der Benefit des Rauchverbots bei weitem eine mögliche Reduktion der Einnahmen durch die entfallene Tabaksteuer: weniger Krankenstandstage, weniger Invalidität, längere Berufszeiten, weniger Kosten für das Gesundheitssystem.

Peter Schenk: „Die Fakten liegen doch klar auf dem Tisch: Rauchen gefährdet die Gesundheit der Menschen in vielerlei Hinsicht: Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) wird zu ca. 90% durch Rauchen bedingt, ebenso Lungenkrebs. Bei einem Drittel aller Krebserkrankungen ist das Rauchen kausal mitverantwortlich. Mehr als 10.000 Menschen sterben jedes Jahr in Österreich als Folge des Rauchens. Raucher erleiden signifikant häufiger einen Herzinfarkt, Schlaganfall und Verschluss der Beinarterien. Auch Passivrauchen, dem vor allem die Mitarbeiter in der Gastronomie ausgesetzt sind, erhöht das Risiko, an COPD oder Lungenkrebs zu erkranken. Und Menschen, die in der Gastronomie arbeiten und selbst rauchen, sind durch das Passivrauchen einer zusätzlichen Exposition ausgesetzt!“

Auch das von den Gastronomen oft angeführte Argument, dass ein Rauchverbot den Lokalbesitzern wirtschaftlich schadet, ist laut Experten nicht schlagkräftig. Bernd Lamprecht: „In den Ländern, in den denen ein Rauchverbot bereits eingeführt wurde, wie z.B. Italien und Irland, kam es zu keinen wirtschaftlichen Einbußen. Auch im benachbarten Bayern, das sich 2010 in einem Volksentscheid mehrheitlich für ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie ausgesprochen hat, war man selbst beim Oktoberfest in München und diversen Brauchtumsveranstaltungen überrascht, wie bereitwillig das Rauchverbot in den Festzelten eingehalten wurde. Der befürchtete Besucherschwund ist ausgeblieben.“

Und Lamprecht weiter: „Die Sorge, dass die kleinen Gastronomiebetriebe unter dem ausnahmslosen Rauchverbot leiden würden, hat sich ebenfalls nicht bewahrheitet. Weder in Bayern noch in Nordrhein-Westfalen, in dem 2013 ebenfalls ein umfassendes Rauchverbot in Gastronomiebetrieben eingeführt wurde, hat das Verbot die wirtschaftliche Lage der Gastronomen beeinträchtigt.“

Auch wenn ein generelles Rauchverbot bis 18 Jahre sehr zu begrüßen sei, und auch die – von der ÖGP schon lange gestellte – Forderung nach einem Rauchverbot im Auto, wenn Minderjährige mitfahren, umgesetzt wird, und wenn sich Kinder und Jugendliche in Zukunft nicht mehr im Raucherbereich von Lokalen aufhalten dürfen, sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Gastronomie in den Raucherbereichen nach wie vor ungeschützt dem Passivrauch ausgesetzt.

Mit dem Kippen des generellen Rauchverbotes in der Gastronomie verzichte man ganz bewusst auf die erwartbaren vielfältigen, positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in Österreich, so die Experten unisono. Das Kippen des generellen Rauchverbotes in der Gastronomie ist aus Sicht der Lungenfachärzte ein schwerer Fehler mit weitreichenden Konsequenzen.


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