© Hans Braxmeier / pixabay.com
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Greenpeace-Marktcheck: REWE punktet mit weniger Pestiziden beim Markttest

Weitere Maßnahmen für Pestizid-Reduktion am Feld bei allen Supermärkten erforderlich

Wien – Das heimische Obst und Gemüse stapelt sich derzeit in den Supermarktregalen. Anlässlich des Saisonstarts hat der Greenpeace-Marktcheck untersucht, welche Maßnahmen der österreichische Lebensmittelhandel setzt, um chemisch-synthetische Pestizide wie beispielsweise die gefährlichsten Bienenkiller in den Produkten aber auch am Feld zu reduzieren. Das Ergebnis: Während die Supermärkte der REWE-Gruppe die ersten Plätze belegen, müssen andere Lebensmittelketten ihre Anstrengungen im Bereich Pestizidreduktion deutlich erhöhen.

‘Pestizide gehören nicht auf das Feld und schon gar nicht auf unsere Teller’, betont Nunu Kaller, Konsumentensprecherin von Greenpeace in Österreich, ‘Einige Supermarktketten haben sich eine Produktion mit deutlich weniger Pestiziden als Ziel gesetzt und das merkt man auch an den Marktcheck-Ergebnissen.’ Die REWE-Gruppe, mit der Handelsfirma Merkur als Testsieger (Note ‘Sehr gut’), zeichnete sich durch ein umfassendes
Pestizidreduktionsprogramm in Österreich aus. Mit einem Respektabstand folgt Hofer, der beim Bienenschutz stark punkten konnte. Greenpeace musste bei dem Marktcheck jedoch auch zahlreiche schlechte Noten vergeben. Vor allem Spar, Lidl (beide ‘Genügend’), MPreis und Unimarkt (beide ‘Nicht genügend”) müssen sich verstärkt dem Thema Pestizide widmen. Die Bestnote ‘Ausgezeichnet’ liegt bei keinem Supermarkt in Reichweite.

Beim Test gab es zehn verschiedene Kriterien, darunter die Reduktion von Pestiziden am Feld, eigene Rückstandsuntersuchungen, der Anteil an Bio-Produkten und Bienenschutzmaßnahmen. Auch wurde bewertet, ob es konkrete Verbesserungspläne für die Zukunft gibt.

Neben dem seit vielen Jahren bei REWE gemeinsam mit GLOBAL 2000 umgesetzten Pestizidreduktionsprogramm, waren vor allem die aktuellen Bemühungen zur Reduktion des Pestizideinsatzes am Feld für die gute Note ausschlaggebend. ‘Wir erkennen auch an, dass REWE zahlreiche Pilotprojekte hat, die gemeinsam mit der österreichischen Landwirtschaft durchgeführt werden’, sagt Kaller. ‘Trotzdem darf REWE sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern muss den begonnenen Weg konsequent weitergehen. Gerade auf den Feldern, Plantagen und Gärten ist noch viel zu tun.’

Hofer verdankt die Gesamtnote ‘Befriedigend’ vor allem seinem umfassenden Bienenschutz-Programm. Das Unternehmen wird ab 2017 für seine gesamte österreichische Obst- und Gemüse-Produktion auf die acht gefährlichsten Bienenkiller, nämlich Chlorpyrifos, Clothianidin, Cypermethrin, Deltamethrin, Fipronil, Imidacloprid, Sulfoxaflor und Thiamethoxam, verzichten. Kurzfristige Ausnahmen werden nur dort erlaubt sein, wo ansonsten andere giftige Pestizide eingesetzt werden müssten. ‘Damit wurde Hofer zum Vorreiter beim Bienenschutz in Österreich’, begrüßt Kaller diese Entscheidung. Neben Hofer konnte auch REWE zahlreiche Bienenprojekte vorweisen, etwa den Vertrieb von Bienenhotels und Bienensamen. Zudem unterstützt die Supermarktkette auch Wildbienenprojekte im Rahmen der Initiative ‘Blühendes Österreich’.

REWE, Hofer, Spar und Lidl beauftragen insgesamt jährlich mehrere tausend Pestizidanalysen. ‘Analysen allein reichen jedoch nicht aus’, erklärt Kaller, ‘Der Handel muss gemeinsam mit der Landwirtschaft den tatsächlichen Pestizideinsatz am Feld reduzieren. Ob das Pestizid im Produkt später nachweisbar ist oder nicht, ist hier nebensächlich.’ Dazu braucht es umfassende Pestizidprogramme, die von externen, unabhängigen Expertenteams unterstützt werden. Hier sind vor allem Maßnahmenpakete, die zu einer Reduktion der Pestizide sowohl in den Produkten als auch auf den Feldern führen, ausschlaggebend. Greenpeace fordert dabei von den Supermärkten eine enge, konstruktive Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und anerkannten Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen zu Greenpeace-Marktcheck und dem Pestizid-Check:
Unter dem Titel ‘Nachhaltigkeit im Test’ nimmt der Greenpeace-Marktcheck regelmäßig das Sortiment des österreichischen Einzelhandels unter die Lupe. Jeweils zu Monatsanfang wird im Hinblick auf die Erfüllung von nachhaltigen Kriterien ein Ranking der größten Supermarktketten in Österreich veröffentlicht. Alle Informationen zum Pestizid-Check finden Sie unter: greenpeace.at/nachhaltigkeit-im-test



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