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Die Hälfte des UNESCO Weltnaturerbes ist bedroht‏

Auch Stätten in Europa betroffen - WWF startet weltweite Kampagne

Wien – Knapp die Hälfte aller UNESCO-Welterbe-Stätten sind durch Öl- und Gasbohrungen, Bergbau und illegalen Holzeinschlag in ihrer Existenz bedroht. Dies hat ein neuer Bericht des WWF festgestellt, der heute veröffentlicht wurde. Der Bericht zeigt klar auf, wie das Welterbe zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und zum Naturschutz beiträgt, beschreibt aber auch die aktuellen Bedrohungen dieser für die ganze Welt wichtigen Plätze. Unter den bedrohten Stätten sind etwa das Barrier Riff in Belize oder der Virunga-Nationalpark in Afrika. Auch in der EU sind neun Stätten bedroht, darunter das Donaudelta, die Plitvicer Seen in Kroatien und die Lagune von Venedig. ‘Wir müssen diese Stätten schützen, denn sie schützen auch unser Leben’, mahnt der Generaldirektor des WWF International, Marco Lambertini. Mit diesem Bericht startet der WWF heute eine weltweite Kampagne zum Schutz des Weltnaturerbes.

Nach dem vorliegenden Bericht sind 114 von 229 Naturerbe-Stätten durch Konzessionen bedroht, die industrielle Aktivitäten erlauben. Zwei Drittel aller Stätten sind für die Wasserversorgung wichtig. Mehr als 90 Prozent der ausgewiesenen Weltnaturerbe-Stätten sichern Arbeitsplätze und tragen durch Tourismus, Naherholung und nachhaltigen Ressourcenabbau zu den Volkswirtschaften der Länder bei. ‘Die weltweiten Naturerbe-Stätten sollten den höchsten Schutzstatus haben und dennoch ist es oft sehr schwierig diese wichtigen Regionen der Erdoberfläche zu schützen’, warnt Lambertini. ‘Es handelt sich dabei um die kostbarsten und einzigartigsten Plätze der Welt. Wir müssen intensiv zusammenarbeiten um sie für die gesamte Menschheit zu retten.’

Auch in Europa sind neun Stätten des UNESCO-Weltnaturerbes bedroht, wie der Bericht zeigt. Unter den durch Öl- und Gaslizenzen, Bergbau, Abholzung, nicht nachhaltige Wassernutzung oder durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur betroffenen Orten sind etwa die Lagune von Venedig, das Donaudelta und die Plitvicer Seen in Kroatien. ‘All diese Naturschönheiten sind zwar heute noch durch die Europäische Natura 2000 - Gesetzgebung theoretisch geschützt. Aber diese muss auch respektiert und voll implementiert werden. Die Europäische Kommission darf nicht zulassen, dass dieses Erfolgsmodell zugunsten von kurzfristigen Profitinteressen abgeändert wird’, so WWF-Experte Christian Pichler.

Insgesamt bedeckt das Weltnaturerbe fast 2,8 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht etwa einem halben Prozent der Erdoberfläche. Elf Millionen Menschen hängen vom Überleben dieser Stätten direkt ab, denn sie sorgen für Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung, den Erhalt der Artenvielfalt und helfen den Klimawandel zu bekämpfen. Das Weltnaturerbe ist auch ein wichtiger Faktor um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, so der WWF, denn 90 Prozent all dieser Stätten garantieren Arbeitsplätze und haben Wirkungen, die weit über die Grenzen hinausreichen. Der WWF ruft die Regierungen der Welt sowie die Unternehmen auf, langfristige Schutzziele über die kurzfristigen Profitziele zu stellen. Statt dem Ausbau industrieller Aktivitäten braucht es nachhaltige Alternativen um das Weltnaturerbe zu schützen.

Ein aktuelles Beispiel für die massive Bedrohung ist das Barrier Riff in Belize, das durch Küstenbebauungen, Abholzung der Mangrovenwälder, Ölbohrungen und Einträge aus der Landwirtschaft gefährdet ist. Dadurch sind die Lebensgrundlagen von 190.000 Menschen - das ist die Hälfte der Landesbevölkerung - bedroht. Weitere Beispiele für Welterbe-Stätten in Gefahr liegen in Spanien (Doñana Nationalpark) und in Tansania.

Der WWF startet nun eine weltweite Kampagne zum Schutz des Weltnaturerbes. Dabei werden die Unternehmen aufgefordert alles zu unterlassen, was die Naturschutzgebiete gefährden könnte. Auch die Regierungen der Länder werden kontaktiert um industrielle Aktivitäten, die negative Auswirkungen auf die Stätten haben könnten, zu verhindern. Der WWF wird außerdem großes Augenmerk auf die Finanzströme legen, die in nicht nachhaltige Projekte in und um Welterbe-Stätten fließen.



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