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Ungarisches AKW Paks II: Umweltverträglichkeitsstudie mangelhaft

Greenpeace fordert umfassende Aufklärung über Risiken und Gefahren des Atomkraftwerks

Heute kann die österreichische Bevölkerung im Rahmen einer öffentlichen Anhörung in Wien ihre Bedenken und Fragen zum Ausbau des ungarischen AKWs Paks II äußern - und davon gibt es aus der Sicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace genügend. Die Umweltverträglichkeitsstudie (UVS), durchgeführt vom ungarischen Staatsbetrieb MVM Paks II, sei lückenhaft und irreführend, kritisiert Greenpeace und fordert eine umfassende Aufklärung über die Risiken und Gefahren des geplanten Atomkraftwerks. Dieses Dokument ist Basis für den Antrag auf Umweltschutzgenehmigung für das neue AKW-Projekt. Ohne dieser Genehmigung ist der Bau des AKWs nicht möglich.

"Mit der derzeitigen Informationslage missachtet der ungarische Staatsbetrieb MVM Paks II die Aarhus-Konvention. Ohne umfassende Daten über Umweltauswirkungen kann die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert werden. Dadurch verhindert Ungarn, dass Bürgerinnen und Bürger offen ihre möglichen Bedenken äußern können," erklärt Jan Haverkamp, Atomexperte bei Greenpeace. Risiken wie schwere Atomunfälle werden aus der Studie ausgeklammert. Ebenso fehlen notwendige Informationen über Umweltauswirkungen nach Krieg oder Terroranschlägen sowie zur Notfallvorsorge bei einem möglichen AKW-Störfall. Dadurch bleibt die Frage offen, ob die betroffene Bevölkerung bei einem nuklearen Unfall ausreichend geschützt werden kann.

Nicht geklärt ist außerdem, wie sich der Uranabbau, die Erzaufbereitung, die Urananreicherung sowie die Kraftstoffproduktion auf die Umwelt auswirken, denn Analysen dazu fehlen. Auch über die Entsorgung radioaktiver Abfälle und abgebrannter Brennelemente sowie eine künftige Stilllegung bzw. den Rückbau des Kernkraftwerks gibt die Umweltverträglichkeitsstudie nur wenig Aufschluss. Die in dem Dokument offenbarten Pläne liefern keine soliden Fakten und Garantien bezüglich der Verarbeitung und Endlagerung von schwer radioaktiven Abfällen, einschließlich der damit verbundenen Finanzierung.

"Nur wenn alle relevanten Informationen vorhanden sind, kann das Projekt angemessen von den Österreicherinnen und Österreichern bewertet werden. Mit der heutigen Sachlage ist das jedoch nicht möglich", so Haverkamp abschließend. "Die österreichische Regierung muss daher dringend eine Überarbeitung der Umweltverträglichkeitsstudie einfordern."

Die Beurteilung der Umweltverträglichkeitsstudie durch Greenpeace finden Sie hier.



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Weitere Infos: Greenpeace Österreich

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