© David Mark - pixabay.com
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OÖNachrichten-Leitartikel: "Der russische Bär und sein Gashahn"

von Dietmar Mascher - Ausgabe vom 13. Jänner 2015

Linz (OTS) - Österreich wird heuer bis zum Ende des Winters genug Gas haben. Das ist die gute Nachricht. Es bleibt die einzige. Denn was die Russen derzeit im Rahmen ihrer Gaslieferungen nach Österreich machen, ist eine Machtdemonstration und alles andere als erfreulich. Die Russen liefern gegenwärtig deutlich weniger Gas als vereinbart. Sie liefern gerade so viel, dass die Österreicher keine Sorge haben müssen, plötzlich in kalten Wohnungen zu sitzen oder die Industrieproduktion drosseln zu müssen. Dazu kommt, dass die Gasspeicher im Herbst gut gefüllt wurden und zu 70 Prozent nach wie vor gefüllt sind. Wäre der Winter kälter als bisher, sähe die Situation vielleicht anders aus. Aber nur vielleicht.

Denn Herr Putin und die putin-affinen Manager bei der Gazprom wissen genau, wie viel Gas wohin geht. Österreich, das sich im Zugang zu den Sanktionen gegen Russland ohnehin ambivalent zeigt und auf keinen Fall weitere Verschärfungen anstrebt, wird sicher nicht das vorrangige Opfer einer Machtdemonstration sein.

Vielmehr zeigt sich, worum es Putin tatsächlich geht. Er will zeigen, dass er an den Reglern sitzt. Der russische Bär hat den Gashahn im Griff. Er will demonstrieren, dass er im Kampf gegen die Ukraine noch einige Asse im Ärmel hat.

Das ist an sich nichts Neues. Putin, der seine Landsleute auf eine längere Wirtschaftskrise mit schwacher Landeswährung und möglichen weiteren Sanktionen eingeschworen hat, hat aber auch nicht so viele Regler, die er bedienen kann. Die Devisen, die die großen Energiefirmen Gazprom und Rosneft einnehmen, würde man gerne haben. Dazu muss aber auch Ware den Besitzer wechseln.

Europa, das jährlich 400 Milliarden Euro für Energie zahlt - einen großen Teil davon nach Russland -, tut allerdings gut daran, sich von Russland im Energiebereich unabhängiger zu machen, wie es jüngst EU-Energiekommissar Maros Sefcovic wieder angekündigt hat. Allerdings sind die Europäer bei solchen Strategieänderungen ungefähr so hurtig wie ein Kreuzfahrtschiff, das kurz nach der Quelle der Donau eine Wende vollführen soll.

Dass umgekehrt die Russen danach trachten, ihren Einfluss in Europa zu erhöhen und ihnen dabei auch Teile der OMV zupasskämen, darf man freilich auch nicht übersehen. So gesehen bleibt die Gasfrage auch für Österreich weiterhin brisant.



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