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DER STANDARD-Kommentar: "Kein Zaudern beim Klimaschutz"

von David Krutzler - Nichts spricht gegen eine Welt, die auf umweltfreundliche Energie setzt.

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Klimaskeptiker am Stammtisch durch die dramatischen Ergebnisse des österreichischen Berichts zum Klimawandel, an dem mehr als 240 Wissenschafter drei Jahre lang gewerkt haben, sonderlich beeindrucken lassen. Eine Temperaturzunahme um zwei Grad Celsius seit 1880? Mögliche Antwort: Aber der Sommer 2014 war ja so kalt und verregnet. Eine Zunahme von extremen Wetterereignissen? Aber der Mai war ja so wie immer. Eine Ausbreitung von wärmeliebenden Unkräutern und Schädlingen in der Land- und Forstwirtschaft? Aber die Apfelernte wird doch richtig gut heuer. Und sowieso: Aus dem angekündigten Waldsterben in den 1980ern wegen des sauren Regens ist auch nichts geworden.

Vom Bericht soll sich nicht der Stammtisch prioritär angesprochen fühlen, sondern die Politik. Diese muss die Voraussetzungen für Klimaschutzmaßnahmen und deren Akzeptanz in der Bevölkerung schaffen. Der Tenor der Wissenschafter im Bericht ist nicht, wie eine Klimaschutzstrategie umzusetzen ist, sondern dass sie umzusetzen ist: weg von fossilen Energieträgern hin zu Energieeffizienz und emissionsarmen Technologien. Und das besser heute als morgen. Denn laut Wissenschaftern ist der Klimawandel Realität - in Österreich derzeit intensiver als anderswo.

Umweltminister Andrä Rupprechter akzeptiert diese Tatsache. "Der Klimawandel lässt sich nicht mehr verhindern", sagte er bei der Präsentation des Berichts. Dass das nicht reicht, mag er wohl wissen. Allein: Bloße Schlagworte, um die Auswirkungen von Temperaturanstiegen abzudämpfen, sind nicht genug. Er werde sich für eine klimafreundliche Verkehrsstrategie und für eine flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft einsetzen, kündigte Rupprechter an. Einsetzen ist von umsetzen aber noch so weit entfernt wie Österreich von der Fußball-WM-Teilnahme 2018.

Dass der Klimawandel nur durch weltweite Anstrengungen und eine internationale Strategie bekämpft werden kann, ist klar. Einflussreiche Vorreiter sind aber schwer zu finden: In Deutschland geht der Ausstieg aus dem Atomstrom und die Realisierung der Energiewende auch mit dem Ausbau von klimaschädlichen Kohlekraftwerken einher - übergangsweise, bis der Anteil an erneuerbaren Energieträgern hoch genug ist, verspricht Kanzlerin Angela Merkel. Seit 2010 ist der Anteil der viel zu billigen Kohle an der Stromerzeugung von 41,5 auf 45,5 Prozent gestiegen - auch kein wirksames Rezept für den Klimaschutz. In Australien, Supermacht im CO2-Ausstoß, wurde die Bergbausteuer von der Regierung des Klimaskeptikers Tony Abbott wieder abgeschafft - ebenso wie eine Kohlesteuer.

Ende Oktober könnte sich Brüssel auf eine EU-weite Senkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 einigen. Rupprechter muss sich dafür einsetzen, auch wenn Lobbygruppen mit der Abwanderung der energieintensiven Indus-trie und dem Verlust von Jobs und Wohlstand drohen.

Sollten die Stammtisch-Klimaskeptiker im unwahrscheinlichen Fall in 100 Jahren doch teils recht bekommen und nachweisen können, dass der Klimawandel nicht nur vom Menschen verursacht wurde: Was wäre falsch daran, in einer Welt zu leben, die auf umweltfreundliche Energie und Verkehrsmittel setzt und die umweltfreundliche Produkte effizient nutzt?

Rückfragehinweis: Der Standard



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OTS0228 2014-09-17/19:16



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