Russland: Atomkraftgegner bei Angriff auf Protestcamp getötet

Bürgerinitiativen schockiert

Bei einem Angriff auf ein Camp von Atomkraftgegnern im russischen Sibirien ist ein Umweltaktivist getötet worden. Bei dem Vorfall in der Nacht zu Samstag vor der Atomanlage in Angarsk seien ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden, sagte ein

Russische Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf Vertreter des Innenministeriums, etwa 15 Angreifer seien mit Schlagstöcken bewaffnet in das Zeltlager eingedrungen.

Sechs Verdächtige wurden demnach festgenommen. Laut einem Augenzeugen handelte es sich bei den Angreifern um vermummte rechtsextreme Skinheads.

Augenzeugenberichten zufolge wurde das Lager um etwa 05.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) von knapp 15 Unbekannten überfallen. Noch schlaftrunkene Menschen wurden brutal niedergeschlagen. Die Unbekannten versuchten sogar, einige Zelte in Brand zu setzen. Einigen Lagerbewohnern gelang es, in die nächstliegende Siedlung zu entkommen, wo sie Polizei und Erste Hilfe alarmierten.

"Acht Menschen wurden verletzt und einer ist gestorben." Die Angreifer seien kahlrasiert gewesen, hätten Tarnkleidung getragen und ihre Gesichter vermummt. Dem Augenzeugen zufolge waren sie mit Baseballschlägern, Eisenstangen, Hämmern und einer Axt bewaffnet. Die Schläger hätten Parolen wie "Gegen Anti-Faschisten" gerufen und den Atomkraftgegnern gedroht: "Das nächste Mal töten wir Euch."

Das Protest-Camp war von der russischen Gruppe Autonome Aktion veranstaltet worden. Die Gruppe hatte vor dem Zwischenfall auf ihrer Website berichtet, das Lager sei von der Polizei angegriffen worden.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem Radiosender Moskauer Echo, 13 Verdächtige seien identifiziert worden. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete unter Berufung auf einen Ministeriumsmitarbeiter, sechs Verdächtige seien bislang festgenommen und befragt worden. Weder die Festgenommenen, noch die weiterhin gesuchten Verdächtigen hatten demnach Verbindungen zu extremistischen Organisationen.

In Angarsk soll eine neue Urananreicherungsanlage entstehen. Russland will anscheinend Staaten, die Atomkraft entwickeln wollen, die Nutzung der Anlage anbieten. Umweltschützer warnen vor dem dadurch entstehenden radioaktiven Müll.

Trauer um ermordeten russischen Atomkraftgegner

Anti-Atomkraft-Initiativen in Deutschland sind schockiert über die Ermordung eines jungen russischen Atomkraftgegners. Die russische Umweltorganisation Ecodefense vermutet, dass es sich bei den Angreifern um Mitglieder faschistischer Organisationen gehandelt hat. In einer ersten Stellungnahme fragt Ecodefense: ‘Wenn die Polizei die Sicherheit der Bevölkerung nicht garantieren kann, wie kann dann die Sicherheit der Urananreicherungsanlage und des nuklearen Materials garantiert werden?’

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V., der seit Jahren den Widerstand gegen Uranmülltransporte von der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau in russische Atomzentren unterstützt, fordert von den zuständigen russischen Behörden die Aufklärung aller Hintergründe des Überfalls und die Bestrafung der Täter.

Die Mitglieder des Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, der eng mit der russischen Umweltorganisation Ecodefense zusammen arbeitet, sind entsetzt: ‘Gerade die Münsterländer Anti-Atomkraft-Bewegung hat gute Kontakte zu den russischen Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegnern. Aktive des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen waren bereits zu gemeinsamen Protesten in Russland. Außerdem haben russische Freundinnen und Freunde mit uns vor den Urananreicherungsanlagen in Gronau und Almelo (NL) demonstriert. Unser Mitgefühl gilt jetzt den Verletzten und ganz besonders den Angehörigen des Ermordeten. Sein Tod erschüttert, darf uns aber nicht lähmen. Der Widerstand gegen die Urananreicherung muss weiter gehen, in Deutschland, in Russland und auch anderswo!’

Rosatom: Russland wird keinen Atommüll aus dem Ausland einführen

Die russische Atombehörde Rosatom wird keinen Atommüll nach Russland einführen, versicherte die Behörde am Samstag den Ökologen, die bei Angarsk gegen die Verarbeitung von radioaktiven Abfällen im Chemiekombinat Angarsk protestieren.

"Rosatom hat Atommüll nie nach Russland eingeführt, führt nicht ein und wird auch nie einführen", sagte Rosatom-Sprecher Sergej Nowikow in Moskau. "In diesem Sinne sind Forderungen der Ökologen schon längst erfüllt. Obwohl eine normativrechtliche Basis und entsprechende Beschlüsse der Staatsduma vorhanden sind, hat Russland bewusst die politische Entscheidung getroffen, sich nicht an Projekten zur Verarbeitung und Lagerung verbrauchter Brennelemente ausländischer Produktion (auf dem Territorium Russlands) zu beteiligen."

Zu vorhandenen Verträgen über die Nachanreicherung von Uranhexafluorid ausländischer Herkunft im Chemiekombinat Angarsk sagte Nowikow, dieser Stoff gehöre nach internationaler Klassifizierung nicht zu nuklearen Abfällen. "Aber auch in diesem Bereich wurde beschlossen, die internationale Verpflichtung Russlands einzuhalten, die 2008/2009 abläuft, sie nicht zu verlängern und keine neuen ähnlichen Verträge mehr abzuschließen", sagte der Rosatom-Sprecher.

Verträge über die Nachanreicherung von Uranhexafluorid ausländischen Ursprungs waren vor knapp zehn Jahren unterzeichnet worden. Damals war die russische Atombranche auf die Auslastung ihrer Kapazitäten angewiesen.

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Quelle: www.russland.ru



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