© Anschober
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ANSCHOBER: Niedergang der Atomenergie weltweit

Die Atomindustrie spricht von der Renaissance der Atomenergie - neue Studie belegt das Gegenteil

Eine neue Studie über die weltweite Entwicklung der Atomwirtschaft bestätigt den Optimismus von Umweltlandesrat Rudi Anschober - von einem Aufschwung der Atomindustrie kann keine Rede sein, ganz im Gegenteil: die nächsten Jahre werden eine spürbare Verringerung der Zahl der Reaktoren bringen.

1989 waren insgesamt 172 Kernreaktoren auf dem Gebiet der jetzigen 25 EU-Mitgliedsstaaten in Betrieb. Die Abschaltung des litauischen AKWs Ignalia1 im Dezember 2004 senkte diese Zahl gegen Ende 2004 auf 150, das sind 22 Einheiten oder 13% weniger als fünfzehn Jahre zu vor, heißt es in der von den Europäischen Grünen veröffentlichten Studie von Mycle Schneider und Antony Froggatt.

Oö. Umweltlandesrat Rudi Anschober sieht seinen Antiatom-Kurs von dem Bericht bestätigt: ‘Laut der vorliegenden Analyse befindet sich die Atomenergie eher in einer Abend- statt in einer Morgendämmerung, von einem Aufschwung der Kernenergie, den die Atomindustrie fälschlicherweise darzustellen versucht, gibt es keine Spur.’

Wichtige Weichenstellungen in den nächsten 1-2 Jahren

In den nächsten 1-2 Jahren wird sich die Zukunft der Atomenergie in Europa in wichtigen Punkten entscheiden. Vor allem die Finanzierbarkeit eines in mehreren Staaten andiskutierten Neubaus von Atomreaktoren ist völlig unklar und wird von der zukünftigen Energiepolitik der EU entscheidend abhängen. Den Schlüssel für die Zukunftsweichenstellungen sieht Anschober in der Entscheidung über den zukünftigen Euratomvertrag und über die Atomforschung der EU, die während der österreichischen EU-Präsidentschaft getroffen wird: ‘Die Bundesregierung muss die österreichische EU-Präsidentschaft für eine Revisionskonferenz für Euratom nützen, um die Reform von Euratom von einer reinen Atomfinanzierungsgesellschaft hin zu einer Finanzierungsgesellschaft für den Atomausstieg voranzutreiben und umsetzen zu können. Die Mehrheit der EU-Staaten verzichtet entweder auf Atom oder hat den Ausstieg bereits beschlossen’, so Anschober.

Während der österreichischen EU-Präsidentschaft wird auch über den nun vorliegenden Vorschlag der EU-Kommission entschieden, die Gelder für das EU-Atomforschungsprogramm mehr als zu verdoppeln. ‘Hier fordern wir von der Bundesregierung ein klares Nein zu diesem Plan’, betont der Umweltlandesrat.

Studie belegt: 280 neue AKWs wären in den nächsten 20 Jahren nötig

Die Ergebnisse der Studie belegen diesen Kurs: So müssten, um die Zahl von derzeit 440 Reaktoren weltweit zu erhalten, in den nächsten 20 Jahren 280 neue Atommeiler gebaut werden, heißt es in dem Bericht. Das Durchschnittsalter eines Atomreaktors beträgt derzeit laut Studie 21 Jahre. Das entspricht auch der aktuellen durchschnittlichen Lebensdauer bis zur Stilllegung. Angesichts planmäßiger Stilllegungen alter Reaktoren müssten bis 2015 weltweit 73 Atomreaktoren neu geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. Weitere 200 Reaktoren müssten in den darauf folgenden zehn Jahren ans Netz gehen. ‘Das ist unmöglich angesichts der langen Planungszeiten für derartige Projekte’, betont Anschober.

‘Interessant ist auch die Tatsache, dass laut Studie sechs Staaten – USA, Frankreich, Japan, Deutschland, Russland und Südkorea – drei viertel der Atomenergie weltweit produzieren. Und Frankreich produziert 45% der Nuklearenergie in der EU. Dennoch investieren die Industriestaaten einen Großteil ihrer energiebezogenen Forschungsausgaben in den Nuklearbereich. So werden 34 Prozent für die konventionelle Nuklearforschung ausgegeben, fünf Prozent für die Entwicklung von Brutreaktoren und elf Prozent für die Kernfusion’ so Anschober. ‘Ein mir völlig unverständlicher Kurs.’

‘Im scharfen Kontrast zu mehrfachen Berichten einer möglichen nuklearen ‘Wiederbelebung’ zeigen die Erkenntnisse aus der Studie das Gegenteil. Österreich muss deshalb die EU-Präsidentschaft für die Reform von Euratom nützen und bereits jetzt im Vorfeld um Unterstützung unter den Mitgliedsstaaten werben. Denn die nächsten 30 Jahre werden einen Investitionsboom in die Energiewirtschaft mit jährlich zweistelligen Milliardensummen bringen und in dieser Investitionsphase wird die langfristige Grundsatzentscheidung fallen, ob dieses Jahrhundert das der atomaren oder das der erneuerbaren Energieträger wird’, so Anschober abschließend. "Österreich muss diese Phase der Weichenstellung offensiv mit beeinflussen - durch das Vorbild im eigenen Land und durch eine offensive Antreiberrolle beim internationalen Atomausstieg. Dazu braucht es vor allem eine offensive Rolle bei den Entscheidungen der nächsten Monate in Brüssel."



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Diese Meldung wurde von der OÖ Stop Temelin Vereinigung zur Verfügung gestellt.

Artikel Online geschalten von: / litschauer /