Mit BIENE zu regionaler Wertschöpfung

14.10.2008
Der Verein BIENE (BIoEnergieNEtzwerk NÖ) rüstete vor kurzem einen Traktor und einen PKW auf Planzenölbetrieb um- regionale Wertschöpfung, Rohstoffe aus der Region und mehr

Bei einem zweitägigen Workshop im Ökodorf Eschenau wurden Anfang Oktober 2008 ein Traktor und ein PKW auf den Betrieb mit Pflanzenöl umgerüstet. Organisiert vom Verein BIENE (BIoEnergieNEtzwerk NÖ) hatten Interessierte – insgesamt 20 Personen - die Möglichkeit, die technischen Bedingungen für eine Umrüstung kennen zulernen und beim Umbau praktisch mitzuarbeiten.

Zunächst stand die Theorie am Programm, erläutert von Ing. Robert Hanke (technischer Konsulent): Das Fahren mit Pflanzenöl ist eine ökologisch sinnvolle Alternative für Dieselfahrer: bei der Verbrennung entsteht keine zusätzliche CO²-Belastung, Pflanzenöl ist biologisch abbaubar und ohne Gefahr lagerfähig. Da es aber „anders“ verbrennt als Diesel, sind die Motoren technisch anzupassen. Grundsätzlich gibt es zwei technisch ausgereifte Möglichkeiten: Beim 1-Tank-System wird sofort mit elektrisch erwärmten Pflanzenöl gestartet, die Glühphase beim Start ist intensiver und verlängert. Beim 2-Tank-System wird wie bisher gestartet und erst nach Erwärmen des Motorraumes auf Pflanzenölbetrieb umgeschaltet. Die technischen Voraussetzungen sind inzwischen ausgereift und erprobt.
Beim Workshop in Eschenau wurden beide Systeme eingesetzt, der Traktor erhielt das 2-Tank-System, der PKW das Eintanksystem. Die praktischen Umbauten fanden in der Werkstatt der Firma Gugler in Eschenau statt. Insgesamt 20 Personen nahmen am ersten Tag am Workshop teil.

Nachhaltige Entwicklung in der Region - regionale Wertschöpfung, Klima- und Bodenschutz

Obmann Franz Rybaczek erläuterte die Ziele des Vereins BIENE: es geht um nachhaltige Entwicklung in der Region. Alles, was BIENE möchte, gibt es bereits – neu ist nur die Kombination praktisch erprobter Elemente:

• Technische Möglichkeiten des Fahrens mit Pflanzenöl: Pflanzenöl soll einer breiteren Öffentlichkeit als Treibstoff zur Verfügung stehen, dazu braucht es verschiedene Voraussetzungen. Dazu werden in Gemeinden Potentialanalysen durchgeführt, für Gemeindefahrzeuge werden die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Pflanzenöl erhoben und daraus Umstellungsprojekte entwickelt.

• Regionale Entwicklung: das Pflanzenöl und die (Tank-)Infrastruktur erhöhen die regionale Wertschöpfung in der Landwirtschaft und im Gewerbe.

• Klima- und Bodenschutz

Partner von BIENE bei den Potentialanalysen sind:

• der Gemeindeverband für Umweltschutz im Bezirk Scheibbs, der vor einigen Tagen einen Radlader auf Pflanzenölbetrieb umgerüstet hat.

• die Gemeinden Purgstall, Maria Taferl, Mank, Obritzberg/Rust, Kirchberg an der Pielach, Hainfeld und Eschenau.

Reinhard Kerschner (GF Kerschner Umweltservice) erklärt: "Es war für Kerschner schon immer ein Thema, mit alternativen Treibstoffen zu fahren. Im Frühjahr wurde dann ein erstes Müllfahrzeug im 2-Tank-System auf Pflanzenölbetrieb umgerüstet. Die Umrüstung erfolgte auf ein in Deutschland in bereits über 7.000 Fahrzeugen erprobtes System."


Dieses Fahrzeug ist nun für die Abholung der Problemstoffe vor allem in den Bezirken Melk, Lilienfeld und Scheibbs unterwegs. Nach der ersten Erfahrungen ist inzwischen der Betrieb problemlos möglich und es konnten bereits mehr als 15 Tonnen CO² (bei 40.000 gefahrenen Kilometer) eingespart werden. Ziel ist es, noch weitere Fahrzeuge umzurüsten.

Bgm. Franz Wögerer meint: "Neben den Umweltvorteilen bringt der Pflanzenölbetrieb Vorteile beim Anbau und Verarbeitung von Ölfrüchten, sie tragen zu einer Erhöhung der regionalen Wertschöpfung bei. Auch wenn in Eschenau selbst kein Ackerbau stattfindet, sind die Transportwege für das Öl weitaus kürzer als beim Diesel, die Landwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe profitieren von Umstellungen. Das Potential für nachwachsende Rohstoffe in der Region ist vorhanden – ohne dass der Anbau von Lebensmitteln verdrängt wird – und kann sicher in kürzester Zeit die rund 300.000 Liter Diesel ersetzen, die BIENE durch Potentialanalysen und Umstellprojekte erzielen will und etwa 8.000 Tonnen CO² einsparen."

DI Dr. Erwin Szlezak (Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Landentwicklung, für Angelegenheiten des Bodenschutzes zuständig) sagt: "NÖ hat im Bereich Bodenschutz Vorbildwirkung, in Europa sind hier auch die meisten Bodenbündnisgemeinden – wir entwickeln gemeinsam mit diesen Gemeinden eine besondere Dynamik. Gemeinsam mit BIENE gibt es die Vision, dass die Rohstoffe in der Region erzeugt werden und dass die Gewinnung von Raps und Sonnenblume bodenschonender wird."

Weiters gibt es die Vision, dass Leindotter als Untersaat in der Lebensmittelproduktion zusätzlich für die Energiegewinnung zur Verfügung steht, dies soll in nächster Zeit getestet und untersucht werden.

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