© Stefano Ferrario -pixabay.com / Photovoltaik am Dach
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Schweiz: Energiestrategie 2.0 - jetzt nachlegen!

Die Energiewende in der Schweiz erfordert weitere Massnahmen

Zürich – 20 ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten am 10.11. mit 230 Teilnehmenden an der SES-Fachtagung «Energiestrategie 2.0 – jetzt nachlegen!» über die Zukunft der Schweizerischen Energiepolitik. Die vielfältigen Beiträge zeigen: Nach dem richtungsweisenden Ja zur Energiestrategie 2050 gilt es, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Mit dem ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie ist es noch nicht getan. Die Politik ist aufgefordert, weitere Rahmenbedingungen und Massnahmen im Sinne der Energiewende einzuleiten.

Transformation verlangt aktive Politik

Die Schweizer Energiepolitik befindet sich in einer Umbruchphase. Marco Steinberg, Strategieexperte aus Helsinki, forderte an der SES-Fachtagung Politik und Verwaltung auf, bestehende Regime zu hinterfragen und offen und mutig die Transformation zu unterstützen, damit diese nicht auf halber Strecke stecken bleibe. Bei der Frage, wie weit diese Unterstützung gehen sollte, waren sich ETH-Professor für Energiepolitik Tobias Schmidt und Patrick Dümmler von Avenir Suisse uneins: Liberale Prinzipien sind nicht immer zum Vorteil der Energieversorgung.

Beim Strommarkt steckt der Teufel im Detail

Ein dominierendes Thema der Veranstaltung war die Strommarktöffnung: Jasmin Staiblin, Alpiq-CEO, zeigte die Probleme, die durch die Verstrickungen zwischen im offenen Markt und im Monopol absetzenden Energieunternehmen entstehen. Susan Boos, Chefredaktorin der Wochenzeitung WOZ, und der ehemalige SP-Nationalrat Dr. Rudolf Rechsteiner zeigten im Streitgespräch, dass bei der Liberalisierung nicht nur das Ob, sondern mehr noch das Wie im Vordergrund steht. Dr. Gustav Resch, Energieökonom an der TU Wien, legte in einer Aussenperspektive dar, wie ein in Europa integrierter Strommarkt dem Zubau erneuerbarer Energien dient. ETH-Professorin Gabriela Hug erläuterte die wichtige Rolle der Netze.

Begrenzter Einfluss auf die VerbraucherInnen
Tanja Gaudian von den Elektrizitätswerken Schönau leitete zu den BürgerInnen über und wies auf deren möglichen Einfluss auf die Verteilnetzbetreiber hin. Corinne Ruesch Schweizer, Forscherin am NFP 71, zeigte mit neuesten Studienresultaten allerdings auf, dass StimmbürgerInnen nicht gleich Konsumierende sind. Bruno Oberle, ehemaliger Bafu-Direktor und heute Professor für Grüne Wirtschaft an der Universität Lausanne, gab zu bedenken, dass das Potenzial von Anreizen für eben diese Konsumierenden beschränkt sei und umgedacht werden solle. Wie weit der Preis dazu taugt, das Verhalten der Verbrauchenden anzuleiten, diskutierten Sara Stalder von der Stiftung Konsumentenschutz und Silas Hobi von umverkehR am Beispiel der Mobilität.

Energiestrategie 2050: Fortsetzung folgt
Das abschliessende Podium mit Energieexperten aus fünf Parteien zeigte: Die Arbeit geht in Bern nicht aus – aber auch die Bereitschaft, weitere wichtige Pflöcke einzuschlagen, war bis weit in die politische Mitte spürbar. SES-Präsident und Nationalrat Beat Jans schloss die Veranstaltung mit dem Appell, gemeinsam ein Ziel festzulegen und dann Massnahmen zu ergreifen. «Wir müssen nachlegen, das erste Massnahmenpaket reicht nicht.» ist das Fazit von Jans.


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