© Anna Rauchenberger/ Kotrbelec und Scheiber
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Wir müssen die Zukunft smart gestalten: Nachhaltigkeit und Energie im Mittelpunkt

4. qualityaustria Umwelt- und Energieforum zeigt Lösungen für umweltpolitische Zukunftsfragen

© Anna Rauchenberger/ Tschulik, Dick, Baumgartner, Hackenauer
© Anna Rauchenberger/ Tschulik, Dick, Baumgartner, Hackenauer
© Anna Rauchenberger/  Dick, Wiener, Schuster, Steinberger
© Anna Rauchenberger/ Dick, Wiener, Schuster, Steinberger

Im Mittelpunkt des qualityaustria Umwelt- und Energieforums in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft standen heuer innovative Energieprojekte und der Beitrag von Managementsystemen zur Nachhaltigkeit in Unternehmen. Rund 110 Vertreter aus der Wirtschaft kamen am Donnerstag, den 28. September in den Apothekertrakt des Schloss Schönbrunn, um über umweltpolitische Zukunftsfragen und Herausforderungen zu diskutieren.

Es ist Zeit für Veränderung

Zu Beginn des Umwelt- und Energieforums brachte Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria) auf den Punkt, wie sehr Leadership, Mut und Entschlossenheit, Know-how, Zielstrebigkeit und auch Konsequenz notwendig sind, um die Zukunft angesichts sich häufender Naturkatastrophen smart zu gestalten. Dick ist davon überzeugt, dass Managementsysteme wirksam zum Umweltschutz beitragen können: ‘Wenn alle Unternehmen ein Managementsystem hätten – weltweit sind mehr als 300.000 Organisationen nach ISO 14001 zertifiziert – könnten wir die Welt retten.’ Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung ‘Betrieblicher Umweltschutz und Technologie’ vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft ging auf die Notwendigkeit des Wandels in der Wirtschaft bzw. der Gesellschaft ein. ‘Wir müssen die Zukunft smart gestalten. Wenn wir das nicht tun, wird die Zukunft uns gestalten – und das vermutlich nicht nach unseren Vorstellungen’, so sein Appell. Managementsysteme seien Instrumente, mit denen positive Veränderungen erzielt werden könnten. Ziel sie, so Tschulik, dass sich Energieeinsparungen in der nationalen Klimabilanz niederschlagen.

Zusammenhänge einfach verstehen

Armin Baumgartner, Systembeauftragter für das Integrierte Managementsystem Qualität / Umwelt / Energie, VUM Verfahren Umwelt Management GmbH, zeigte auf, wie ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001:2015 helfen kann, den Kontext einer Organisation zu verstehen, um Chancen zu erkennen, Risiken zu beherrschen, die richtigen Maßnahmen zu setzen und dadurch letztendlich die Zukunft aktiv zu gestalten. Jede Organisation sei mit einer Vielzahl an unterschiedlich ausgeprägten Einflüssen konfrontiert, wie zum Beispiel durch Ereignisse am Markt, in der Makroökonomie oder im Umwelt- und Anlagenrecht. ‘Vor allem im Umwelt- und Technologiebereich ist es durch rasante Entwicklungen wie Digitalisierung, Klimawandel oder E-Mobilität erforderlich, das Handeln der Organisation permanent zu hinterfragen und gegebenenfalls zielgerichtet anzupassen’, so Baumgartner. Voraussetzung dafür sei, den Kontext der Organisation umfassend zu erkennen und die Wirkungen von externen und internen Einflüssen auch zu verstehen.

Umweltleistung verbessern

Aus einer aktuellen WU-Studie, die Wolfgang Hackenauer, Produktexperte Umwelt und Energie, qualityaustria Netzwerkpartner, vorstellte, geht hervor, dass in das globale Wirtschaftssystem jede Sekunde Rohstoffe eingespeist werden, die etwa einer Menge von 100 Lastwagen entsprechen würden. Der jährliche Rohstoffverbrauch in Europa betrage 20 bis 30 Tonnen pro Kopf und sei damit zehnmal so hoch wie in Afrika oder Asien. Daran anschließend skizzierte er in seinem Vortrag einen Lösungsansatz, um eine nachhaltige Verbesserung der Ressourceneffizienz entlang der Wertschöpfungskette zu realisieren. Ein Umweltmanagementsystem trage dazu bei, Chancen und Risiken im Kontext der Organisation zu erkennen sowie darauf effektiv und effizient zu reagieren. ‘Die beabsichtigten Ergebnisse eines Umweltmanagementsystems sind die Verbesserung der Umweltleistung in Hinblick auf Energieeffizienz, Materialeffizienz, Abfallintensität, Wasserverbrauch, Flächennutzung oder Emissionen, sowie das Erfüllen von rechtlichen Verpflichtungen und das Erreichen von Umweltzielen’, erklärte Hackenauer. Umweltleistung bedeute das Erzielen konkreter, messbarer Ergebnisse. Zertifizierte Unternehmen würden einen positiven Einfluss auf ihr Umfeld ausüben, indem sie ihre Leistung steigern und gleichzeitig die ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedingungen der interessierten Parteien verbessern.

Erneuerbare Energiequellen gehören dazu

Welchen Mehrwert ein Energiemanagementsystem in einem Baukonzern liefert, zeigten Martin Kotrbelec und Maria Stauffer von der Stabstelle IQM Managementsystem Österreich, TPA Gesellschaft für Qualitätssicherung und Innovation GmbH. Sie stellten auch Energieeffizienz-Projekte der Strabag SE vor. Vorteile sind nach Stauffer unter anderem die Kostenentlastung, der Wissenszuwachs im Unternehmen sowie die Ressourcenschonung. Gelebte Energiepolitik führt außerdem zu einer positiven Außendarstellung. Aktuelle Energieprojekte der Strabag SE fokussieren sich nach Kotrbelec auf die Bereiche Mobilität, Baustellen und Produktionsstätten. Es sei ein ‘Fuel Tracker’ eingeführt worden, um den Energieverbrauch von PKWs und LKWs verfolgen zu können. Im Rahmen der Produktion würden alternative Energiequellen wie Photovoltaikanlagen oder Windkraft eingebunden werden. Zum Schluss des Vortrags resümierte Kotrbelec: ‘Im Energiemanagement muss man über den Tellerrand schauen. Jede Brachfläche kann genutzt werden, jede neue Technologie sollte geprüft werden und jedes Dach kann Energie bringen. Ressourcenschonung ist auch Energiemanagement!’

Erfahrungen aus der Praxis

Mit praktischen Erfahrungen, wie man von der Wesentlichkeitsanalyse zum validierten Nachhaltigkeitsbericht gelangt, leitete Christian Schuster (Senior Sustainability Expert, Lenzing Aktiengesellschaft) die Programmpunkte des Nachmittags ein. ‘Die Nachhaltigkeitsstrategie muss eng mit der Unternehmensstrategie verknüpft sein. Auch eine klare Unterstützung durch das Management ist entscheidend’, erläuterte Schuster. Darüber hinaus sollten alle relevanten Funktionen rechtzeitig miteinbezogen werden, da die Zeitplanung kritisch sei. Zunächst gelte es, die Anforderungen zu definieren, einen Berichtsstandard auszuwählen, eine Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen und deren Ergebnisse in die Struktur des Inhalts sowie in Indikatoren zu übersetzen. Darauf folge die Datensammlung, bei der zudem Datenlücken zu identifizieren seien, und die Präsentation der Daten. Bei der Erstellung des Nachberichts sei im Sinne der Verständlichkeit eine möglichst einfache Sprache zu wählen, da die im Nachhaltigkeitsbereich verwendeten Fachbegriffe nicht geläufig seien. Im letzten Schritt gelte es, den Nachhaltigkeitsbericht validieren zu lassen.

Nachhaltigkeit sichtbar machen

Danach sprach Agnes Steinberger (Produktexpertin Gesellschaftliche Verantwortung, qualityaustria Netzwerkpartnerin) über die strukturierte und systematische Einbindung von CSR-Anforderungen in eine Organisation. ‘Das Sprichwort ‚Tue Gutes und sprich darüber' gilt in unserer Zeit verstärkt auch im Bereich Nachhaltigkeit’, hob Steinberger hervor. Managementsysteme seien Werkzeuge, um sich als Unternehmen weiterzuentwickeln. Mit eccos²²® stehe ein Qualitätssiegel zur Verfügung, das auf internationalen Standards für den Nachweis nachhaltigen Wirtschaftens sowie der Bewertung der Innovations- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens durch unabhängige Dritte basiere. Es sei ein Ansatz, um Synergien zu nutzen und Komplexität zu reduzieren.

Kreislaufwirtschaft und das Internet der Dinge

Melanie Wiener (Postdoctoral Researcher, Institute for Integrated Quality Design IQD, Johannes Kepler Universität) gab Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten, die sich damit beschäftigen, inwiefern die digitale Vernetzung zur Förderung der Kreislaufwirtschaft beiträgt. Das Internet der Dinge werde bisherige Geschäftsmodelle durch die Intensivierung von Dienstleistung und Service revolutionieren. Für die Kreislaufwirtschaft bedeute die zunehmende Vernetzung von Produkten viele Innovationschancen und neue Möglichkeiten. Durch Services wie Sharing, Re-Use, Repair und Remanufacturing werde die Produktlebensdauer verlängert und somit der Ressourcenbedarf und die Abfallmenge reduziert. ‘Das erreicht man nur durch ein Umdenken in den Geschäftsmodellen. Das Internet der Dinge hilft, serviceorientierte Geschäftsmodelle zu forcieren, bei denen Kunden Zugang zu einer flexiblen Produktnutzung erhalten’, stellte Wiener fest. Bei dem Ansatz des ‘Performance contracting’ löse man sich vollständig vom Produktverkauf, zum Beispiel erhalte man als Konsument eine Waschmaschine vom Hersteller und bezahle nur für den Waschgang – die Waschmaschine selbst müsse nicht gekauft werden. Durch das servicebasierte Geschäftsmodell werde die Produktlebensdauer erhöht, weil es nicht mehr darum gehe, möglichst viel zu verkaufen, sondern die Produkte möglichst lange zu erhalten. Für Konsumenten habe das Modell den Vorteil, dass die Qualität der Produkte durch Fernüberwachung, -wartung und -identifikation erhöht werde. Das Internet der Dinge beinhalte jedoch auch herausfordernde Risiken wie permanente Überwachung durch die Sammlung von Daten, Hackerangriffe auf smarte Produkte und Erpressung, die noch zu bewältigen seien.

Managementsysteme als nachhaltige Werkzeuge

Am Ende des Forums widmete sich Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria) den Entwicklungen der Energiemanagementnorm ISO 50001 und der Umweltmanagementnorm ISO 14001. Ziel der energiespezifischen Norm ISO 50001 sei es, Systeme und Prozesse aufzubauen, die zur fortlaufenden Verbesserung der energiebezogenen Leistung beitragen. Dieser Nachweis sei für eine Re-Zertifizierung notwendig. Die ISO 14001 stehe nach Dick für eine nachhaltige und kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistungen entlang der Wertschöpfungskette. ‘Barrieren für die Umsetzung von Maßnahmen seien vor allem das fehlende Know-how, die fehlende Entschlossenheit und die teils geringe Bereitschaft von Unternehmen zur Selbstverpflichtung’, betonte Dick. Im Rahmen einer Studie der prolytics market research GmbH im Auftrag der VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH (veröffentlicht im Februar 2017) hätten jedoch 80 % der befragten Unternehmen angegeben, dass ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 einen Mehrwert leiste. Dick stellte fest: ‘Managementsysteme sind nachhaltige Werkzeuge, um die Zukunft smart zu gestalten.’


Artikel Online geschalten von: / holler /