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Laut Studie 80 Todesfälle in Österreich durch Abgasmanipulationen

VCÖ: Hersteller sollen pro verkauftem Schmutz-Diesel 2.500 Euro in Öffi-Fonds einzahlen

Wien - Vor zwei Jahren wurde der VW-Dieselskandal aufgedeckt. Die Gesundheitsschäden durch überhöhte Stickoxid-Emissionen beim Fahren auf der Straße sind enorm. Eine heute veröffentlichte internationale Studie zeigt, dass allein die Abgasmanipulationen in Europa rund 5.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verursachen, in Österreich sind es laut Studie 80 Todesfälle pro Jahr. Österreich hat einen deutlich höheren Dieselanteil als der EU-Schnitt. Innerhalb Österreichs ist der Diesel-Pkw Anteil in Tirol am höchsten.

"Wenn Diesel-Fahrzeuge beim Fahren auf der Straße im Vergleich zum Abgasgrenzwert ein Vielfaches an gesundheitsschädlichen Stickoxiden ausstoßen, dann bezahlt die Bevölkerung dafür mit ihrer Gesundheit. Die heute präsentierten Studienergebnisse müssen endlich zu umfassenden Konsequenzen in der EU und auch in Österreich führen", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Die Manipulationen und Tricksereien bei den Dieselmotoren führen allein in Österreich zu 80 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr, in Europa zu rund 5.000 vorzeitigen Todesfällen.

Der VCÖ weist darauf hin, dass Österreich aufgrund des sehr hohen Diesel-Pkw-Anteils von den Folgen des Dieselskandals besonders stark betroffen ist. Pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner gibt es in Österreich bereits 311 Diesel-Pkw, macht der VCÖ aufmerksam. Das sind mehr als doppelt so viele wie in der Schweiz, wo auf 1.000 Personen 146 Diesel-Pkw kommen und deutlich mehr als in Deutschland mit 180 Diesel-Pkw pro 1.000 Einwohner. Österreichweit haben 57 Prozent der Pkw einen Dieselmotor. Den höchsten Dieselanteil hat Tirol mit 59,4 Prozent, gefolgt vom Burgenland mit 58,7 Prozent, Kärnten 58,6 Prozent, Salzburg 58,4 Prozent und Oberösterreich 58,3 Prozent.

Messungen des Umweltbundesamts in Deutschland haben gezeigt, dass die neuen EURO6-Diesel-Pkw statt höchstens 80 Milligramm Stickoxide wie der Grenzwert für den Labortest vorschreibt beim Fahren auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen und damit sechsmal so viel. Noch schmutziger sind die EURO5-Diesel-Pkw mit einem durchschnittlichen realen Ausstoß von 906 mg NOx pro Kilometer. Die EURO5 verschmutzen damit die Luft stärker als die älteren EURO4, die durchschnittlich 674 mg Stickoxide ausstoßen.

"Der Dieselboom hat Österreich dem Klimaziel keinen Meter näher gebracht, aber viele Menschen krank gemacht. Besonders Menschen, die an stark befahrenen Straßen wohnen, sind einer gesundheitsschädlichen Schadstoffbelastung ausgesetzt", macht VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Folgen des Dieselbooms aufmerksam. Seit dem Jahr 1990 hat sich die Zahl der Diesel-Pkw in Österreich auf 2,8 Millionen fast versiebenfacht. Allein seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Diesel-Autos um fast 1,3 Millionen gestiegen.

Besonders hoch ist der Dieselanteil bei SUV sowie Autos der Oberklasse. Eine VCÖ-Analyse der Neuzulassungen seit dem Jahr 2015 zeigt, dass 72 Prozent der SUV und Geländewagen mit Diesel fahren und sogar 91 Prozent der Pkw der Oberklasse, während nur 13 Prozent der Kleinwagen Diesel fahren.

Der VCÖ fordert, dass die Hersteller pro verkauftem Schmutz-Diesel-Pkw 2.500 Euro in einen Öffi-Fonds für zusätzliche Verbindungen vom Umland in die Städte einbezahlen. Zudem sind die betroffenen Fahrzeuge auf Kosten der Hersteller zurückzunehmen. Die Bundesbeschaffungsbehörde ist gefordert, bei Neuanschaffungen keine Diesel-Pkw zu nehmen. Zudem ist der tatsächliche Stickoxid-Ausstoß bei den öffentlichen Dienstwagen zu prüfen, die Fahrzeuge mit überhöhten NOx-Ausstoß an die Hersteller zurückzugeben. Auf EU-Ebene braucht es rasch eine unabhängige Prüfstelle für die Typisierung von Neuwagen. Die Steuerbegünstigung für Dieseltreibstoff ist rasch abzuschaffen. So wie in der Schweiz soll auch in Österreich Diesel gleich hoch besteuert werden wie Benzin.


Artikel Online geschalten von: / holler /