© Hartmut910 pixelio.de
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GLOBAL 2000 Bier-Test beweist: Glyphosat dringt in alle Lebensbereiche vor

4 von 9 getesteten österreichischen Bieren mit Glyphosat belastet

Wien – Glyphosat ist der weltweit meist eingesetzte Pestizidwirkstoff und dessen Rückstände lassen sich leider in etlichen Lebensmitteln nachweisen. Vergangenes Jahr untersuchte das Umweltinstitut München Rückstände des Unkrautvernichters in den beliebtesten deutschen Bieren und die führende österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 untersuchte neun beliebte österreichische Biermarken: In rund der Hälfte der österreichischen Biere wurden Spuren von Glyphosat gefunden, wenngleich die Belastungen um ein Vielfaches niedriger waren als bei den deutschen Bieren.

Der neuerliche Test 2017

Nun wurde erneut getestet, um festzustellen, ob sich etwas geändert hatte. Getestet wurden in Österreich die gleichen Biermarken wie vor einem Jahr: Ottakringer Helles, Puntigamer (das bierige Bier 5,1%), Wieselburger Gold, Zipfer Märzen, Stiegl Goldbräu, Mohren Pfiff, Hirter Privat Pils, Gösser Märzen und Zwettler Original.

Am höchsten belastet waren 2017 die Biersorten "Ottakringer Helles" und "Mohren Pfiff". Eine höhere Belastung als im letzten Jahr haben wir bei den Biermarken "Wieselburger Gold" und "Zipfer Märzen" festgestellt. Eine geringere Belastung als im letzten Jahr weist "Stiegel Goldbräu" auf.

4 von 9 getesteten österreichischen Bieren mit Glyphosat belastet

Wie schon im letzten Jahr wurden in vier der neun getesteten Biere geringe Belastungen mit Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze gefunden. Die Werte lagen zwischen 4 und 7 Mikrogramm pro Liter [µg/l]. Die Nachweisgrenze lag bei 2 µg/l. Für Bier als verarbeitetes Produkt gibt es keinen eigenen Grenzwert, der vorsorgliche Grenzwert für Trinkwasser liegt allerdings bei 0,1 μg/l und damit deutlich unterhalb der Nachweisgrenze des von uns beauftragten Labors.

Die in diesem Jahr gefundenen Glyphosat-Rückstände entsprechen weitgehend den Werten vom Vorjahr. Diese lagen damals im direkten Vergleich mit den Belastungen der deutschen Biere deutlich niedriger. Inzwischen haben sich die deutschen Biere allerdings auffallend verbessert und weisen 2017 Belastungen in einer vergleichbaren Größenordnung auf (0,2-5,1 µg/l) wie die österreichischen Biere. Die Analysemethode war allerdings 10x empfindlicher und so ist es keiner deutschen Brauerei bisher gelungen, Glyphosat völlig aus dem Bier zu verbannen.

Wie gefährlich ist Glyphosat?

Glyphosat wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC der WHO als wahrscheinlich krebserregend bei Menschen und als DNA-schädigend (genotoxisch) eingestuft. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die europäischen Behörden EFSA und ECHA halten Glyphosat dagegen für ‘wahrscheinlich nicht krebserregend’. Die Einschätzung des BfR und der europäischen Behörden wird wegen Mängeln in der Arbeitsweise von zahlreichen WissenschaftlerInnen und zivilgesellschaftlichen Organisationen allerdings heftig kritisiert.

In Verruf geraten ist die Bewertung von Glyphosat außerdem durch interne E-Mails von Monsanto, die durch ein Gerichtsverfahren in den USA öffentlich wurden. Diese sogenannten ‘Monsanto Papers’ legen den Versdacht nahe, dass das Unternehmen wissenschaftliche Studien manipuliert hat, um so auf die behördliche Einstufung des Stoffs Einfluss zu nehmen.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen steht Glyphosat auch wegen seiner negativen Folgen für die Umwelt in der Kritik. Weitgehend unumstritten ist, dass Glyphosat giftig für Wasserorganismen ist und einen negativen Einfluss auf die Artenvielfalt hat. Durch den hohen Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft gehen Insekten und Vögeln Nahrungsquellen und Lebensräume verloren. Das Mittel ist mitverantwortlich für das große Insekten- und Vogelsterben der letzten Jahrzehnte.

Wie sind die gefundenen Werte einzuordnen?

In absoluten Zahlen sind die gefundenen Rückstandsmengen im Bier klein. Doch bei krebserregenden und DNA-schädigenden Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. Daher können auch ‘sehr niedrige Dosierungen eines krebserzeugenden Stoffes ihre schädigende Wirkung entfalten – wobei die Wahrscheinlichkeit der Wirkung natürlich mit der Höhe der Dosierung zunimmt’, wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR, auf seiner Website richtigerweise feststellt.

Aussagen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), man müsse 1.000 Liter Bier pro Tag trinken , um eine potentiell schädliche Menge Glyphosat aufzunehmen, sind grob verharmlosend. Das gilt auch für die Behauptung des BfR-Präsidenten, Glyphosat sei nicht gefährlicher als Kochsalz – eine Behauptung, die dem Glyphosat-Hersteller Monsanto in den USA gerichtlich verboten wurde.

Glyphosat im Bier macht darüber hinaus nur einen kleinen Teil der Belastung der KonsumentInnen mit Rückständen des Unkrautvernichters aus. Der Wirkstoff wurde auch in Getreideprodukten wie Brot, Hülsenfrüchten, Wein und vielen anderen Lebensmitteln sowie Gesundheitsprodukten aus Baumwolle wie Verbandsmaterial und Tampons gefunden. GLOBAL 2000 fand bei einer Untersuchung von Teeproben Rückstände von Glyphosat.
Infolgedessen gibt es eine dauerhafte Belastung der KonsumentInnen mit dem gesundheitsschädlichen Mittel. So wurde es bei einer großangelegten Untersuchung im Urin von über 99% von 2.000 freiwilligen Testpersonen aus Deutschland gefunden. Nur ein Verbot des Mittels schützt effektiv vor diesen Rückständen.

Noch in diesem Jahr entscheidet die EU über die Wiederzulassung von Glyphosat. Österreich muss in Brüssel gegen diese Zulassung stimmen, um die BürgerInnen vor dieser Belastung zu schützen.

Der GLOBAL 200 Bier Test 2017 als PDF zum Download

Der Bier-Test des Umweltinstitut München


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