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ARCHE NOAH : OFFENER BRIEF AN LANDWIRTSCHAFTSMINISTER ANDRÄ RUPPRECHTER

Bitte unterzeichnen !

Gemeinsam für die Vielfalt

buero.rupprechter@bmlfuw.gv.at , Tel: +43 (1) 711 00-606705

Sehr geehrter Herr Bundesminister Rupprechter!

Mit großer Bestürzung nehmen wir zur Kenntnis, dass Österreich in Brüssel Erleichterungen für die Vermarktung der Vielfalt von Gemüse, Getreide und Obst für die Bio-Landwirtschaft nicht unterstützt.

Das Europäische Parlament setzt sich seit 2015 dafür ein, dass im Bio-Sektor neben standardisierten Sorten auch Vielfalts-Saatgut vermarktet und genützt werden kann. Diese Öffnungen für die Vielfalt sind bitter nötig, denn das restriktive EU-Saatgutverkehrsrecht beschränkt die Vielfalt von Gemüse, Getreide und Obst. Nur standardisierte, einheitliche Pflanzen sind für den breiten Markt zugelassen. Die Vorschläge des Europäischen Parlaments würden innovative Erneuerungen für mehr Vielfalt bringen.

Konkret würden neue, zusätzliche Saatgut-Kategorien geschaffen: ‘biologisches Heterogenes Material’ und ‘biologisch gezüchtete Sorten’ sollen für alle Arten gelten.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum sich Österreich diesen Verbesserungen verschließt.

Es gibt mindestens vier sehr gute Gründe, den Vorschlag des EU-Parlaments zu unterstützen.

1. Innovation im Klimawandel

Durch den Klimawandel sind Pflanzen heutzutage zunehmend extremeren Wetterbedingungen ausgesetzt. Diese abiotischen Stressfaktoren können begünstigend auf die Entwicklung mancher Schädlinge und Krankheiten wirken. Die genetische Vielfalt innerhalb des Saatguts liefert eine systemische Antwort auf diese Herausforderungen: durch die Vielfalt steigt die Resilienz einer Population und die Chance auf einen sicheren Ertrag. Zudem erlaubt die Vielfalt, dass sich Pflanzen über Generationen hinweg ‘im Dialog’ mit ihrer Umwelt entwickeln, und so mit den lokalen Umwelt- und Klimaherausforderungen wachsen. Die neuen Saatgut-Kategorien würden den Grundstein für eine vielfältige, innovative und moderne Pflanzenzüchtung, die fit für den Klimawandel ist, legen.

2. Biodiversität befördern

Österreich ist derzeit kein Biodiversitäts-Meister – im Gegenteil. Die international vereinbarten Aichi-Ziele zum Biodiversitätserhalt und auch die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 werden von Österreich weit verfehlt. Dass die Kulturpflanzen-Vielfalt durch restriktive Gesetze weitgehend von der breiteren Nutzung ausgeschlossen ist, verschlimmert die Lage weiter. So gehen immer mehr natürliche, wertvolle Eigenschaften verloren. Genbanken sind nur ein Teil der Lösung – Vielfalt kann breitflächig nur dann bestehen bleiben, wenn sie auch breitflächig und nachhaltig genutzt wird. Die neuen Saatgut-Kategorien leisten das: sie würden den Verkauf von Vielfaltssaatgut für den Bio-Sektor legalisieren, und so durch Anbau, Nutzung und Konsum die Biodiversität befördern.

3. Lokale Züchtung statt Saatgutmonopole

Die Saatgutindustrie hat sich auf uniforme und standardisierte Sorten spezialisiert. Das ermöglicht ihr, geistige Eigentumsrechte wie Sortenschutz oder Patente an diesen Pflanzen durchzusetzen. So hat es die Industrie geschafft, in vielen Saatgutsektoren den Markt zu monopolisieren. Weltweit beherrschen nur acht Konzerne 75% des Saatgutmarktes. Die neuen Vielfalts-Kategorien für Saatgut könnten die Macht der Großkonzerne zumindest im Bio-Sektor eindämmen, denn die sind nicht sortenschutzfähig. Es würden sich neue Chancen für bäuerliche Betriebe ergeben, sich pflanzenzüchterisch zu betätigen.

4. Österreich als Bio-Land stärken

Österreich gehört in Europa zu den führenden Bio-Nationen. Das restriktive EU-Saatgutverkehrsrecht erschwert aber die Arbeit all jener, die standortangepasstes Saatgut für den Bio-Sektor bereitstellen wollen. Bio-Landwirt*innen müssen in vielen Fällen (z.B. bei Sonnenblumen, oder Raps) zur Gänze mit konventionellem Saatgut arbeiten, weil einfach kein biologisches Saatgut am Markt verfügbar ist – die Uniformitätsbestimmungen machen es unmöglich. Mit den neuen Saatgut-Kategorien könnten diese Lücken im Saatgut-Angebot geschlossen werden. Es würden neue Chancen für österreichische Saatgutbetriebe entstehen. Und der Bio-Sektor könnte endlich seinen Wunsch erfüllen – biologisch vom Samenkorn bis zum Endprodukt.

Erst 2014 haben über eine halbe Million Menschen die österreichische Petition ‘Freiheit für die Vielfalt’ von ARCHE NOAH und GLOBAL 2000 unterstützt. Sie, Herr Bundesminister, haben diese Petition damals persönlich an EU-Kommissar Tonio Borg überreicht.

Wir erinnern Sie nun an Ihr Bekenntnis zur Vielfalt und appellieren: Bitte ändern Sie Ihren Kurs und unterstützen im Rat die Vorschläge des EU-Parlaments! Bitte überzeugen Sie auch Ihre Amtskollegen, dass nur Vielfalt den Weg zu stabilen Erträgen und einer nachhaltigen Zukunft weisen kann.

Petition : Arche Noah www.arche-noah.at


Artikel Online geschalten von: / hackenberg /