© OEKONEWS/  Doris Holler-Bruckner- Chefredakteurin OEKONEWS
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Wir können die Welt bewegen

Es liegt nicht an Trump, sondern an uns- Yes, we can! Wir sind VIELE -Eine OEKONEWS-Ansichtssache von Doris Holler-Bruckner

Großer Aufruhr in den sozialen Medien, viel Papier im Blätterwald. Wie konnte Amerika nur Trump wählen? Macht es seine teilweise in unseren Augen unmöglichen Ankündigungen nun wahr? Was bedeutet das im Kampf gegen die Probleme, die die Welt heute hat? Ist es nun Schluss mit Entwicklungen in Bereich erneuerbare Energie in den USA? Was wird dort mit dem Elektroauto? Will er wirklich horrende Summen beim Klimaschutz einsparen?

In Windeseile wurde noch vor den Wahlen der Klimavertrag von den USA unterzeichnet. Nun startet in Marrakesch die Klimapolitik in eine neue Ära, die uns dazu bringen soll, die Treibhausgase bzw. CO2 drastisch zu reduzieren, bevor wir vollends im Chaos untergehen. Klimaschutz hat wahrscheinlich bei Trump keine Priorität, er hat z.B. angekündigt, dass er die Zahlungen der USA an Klimaprogramme der Vereinten Nationen einstellen möchte. Was noch verrückter ist, dass er meinte, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, an die er einfach nicht glaubt. Es gibt jedoch in den USA Bundesstaaten wie Kalifornien, die kaum ihre ambitionierten Programme einstellen werden und sogar in Texas, einem Bundesstaat, den man aus dem Bauch heraus nur der Ölindustrie zuordnen würde, boomt Windkraft wie noch nie. Sonnenstrom aus Photovoltaik ist bereits jetzt in südlichen Staaten, wie z.B. Kalifornien, einfach wirtschaftlicher als Strom aus Kohle oder anderen fossilen Energien. Selbst den Ausstieg aus Atomkraft hat Kalifornien bereits beschlossen, auch wenn es noch ein paar Jahre dauern wird, bis die beiden Atomkraftwerke vom Netz sind.

Trump sagte beispielsweise im Wahlkampf, dass Solarenergie sehr teuer ist. Es ist ihm ganz offensichtlich nicht bekannt, wie die Details dazu in manchen Bundesstaaten der USA heute aussehen. Genauso dürfte es mit Elektrofahrzeugen sein: Wenn Tesla mit seinem Model 3 auf den Markt kommt, und das ist aller Wahrscheinlichkeit während der Amtszeit von Trump, so wird er die bereits bestellten E-Autos auch als Präsident nicht aufhalten können. Speicherlösungen und Solarsysteme sind auf dem Vormarsch, ohne wenn und aber. Derzeit fahren zwar die meisten Elektrofahrzeuge, die heute in den USA verfügbar sind, durch Unterstützung von zwei Regelungen, das CARB-ZEV-Programm und den CAFE-Standards, die durch neue Gesetze unter Trump in den USA gefährdet sein könnten, aber andere Länder werden sich durch geänderte Regelungen in den USA nicht aufhalten lassen. China hat bereits klare Richtlinien vorgegeben, ähnlich läuft es in Indien und in Europa zeigen einzelne Staaten, wie Norwegen und die Niederlande, dass sie klare Wege gehen.

Nein, es ist kein Komet vom Himmel gefallen, auch wenn manche dies drastisch so hinstellen. Donald Trump sagt zwar klar, was er sich denkt, aber er wird möglicherweise manches revidieren müssen, weil ihm die Hintergründe dazu derzeit einfach noch nicht bekannt sind. Er will eine unabhängige USA- dieses Ziel wird er schwer ohne erneuerbare Energien erreichen können, da Fracking und Co. schon heute nicht mehr wirtschaftlich sind.

Es wird nicht einfacher mit einem US-Präsidenten Trump, aber eines fix: Wenn sich, so wie es sein Plan ist, die USA mehr abschottet, so hat Europa große Chancen, sich mehr zu profilieren. Es kann eigene Wege gehen, es braucht bei erneuerbaren Energien und bei E-Mobilität und anderen Umwelttechnologien nicht auf die USA zu warten. aber ich bin immer noch optimistisch genug, daran zu glauben, dass ein Wandel nicht aufzuhalten ist, auch wenn er vielleicht in Teilen der USA langsamer laufen wird.

Eines ist fix: Wir haben die Technologien und technisch ist der Wandel schon heute machbar und realistisch. Es geht schneller, als so manche das wollen: Selbst die internationale Energieagentur, die immer eher pessimistische Aussichten für die Erneuerbaren hat, musste ihre bisherigen Prognosen heuer stark revidieren. "Wir sind Zeugen einer Transformation der globalen Strommärkte, angeführt von erneuerbaren Energien", sagte der Exekutivdirektor der IEA, Fatih Birol bei der Präsentation der letzten Zahlen, nach denen Wind- und Solarausbau im Jahr 2015 weltweit klar vor Kohle lagen.

Es gibt in den nächsten Jahren viel zu tun, wir können den notwendigen Wandel schaffen. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, ganz konkret zu handeln. Yes, we can! Wir müssen nicht auf die Politik warten, die Macht der Gestaltung liegt bei jedem Einzelnen von uns.

WIR SIND VIELE. HABT MUT.

PS: Eine große Hoffnung liegt dabei in der Jugend: Eine positive Richtung zeigen die rund 50.000 Klimaschutzpostkarten an die UNO, die morgen in Marrakesch zur größten Klimabotschaftskarte der Erde zusammengefügt werden.


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