© Luis Iranzo Navarro-Olivares/ pixabay.com  - Dürre
© Luis Iranzo Navarro-Olivares/ pixabay.com - Dürre

"Teurer Egoismus der reichen Länder"

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel von Alois Vahrner

Innsbruck (OTS) - Was haben Hunger in der Welt, Armut, der Klimawandel und Flüchtlingswellen miteinander zu tun? Leider sehr viel!

800 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, 1,2 Milliarden müssen pro Tag mit maximal 1 Euro ihr Leben fristen. Statt Bildungschancen gibt es in etlichen Entwicklungsländern bittere Armut und Kinderarbeit.

Nun ja, es gibt von internationalen Organisationen verkündete Ziele, die Zahl der Hungernden in den nächsten Jahren zu halbieren oder bis 2030 ganz zu beseitigen. Hehre Ziele, wie das aber gelingen soll, bleibt freilich oft unbeantwortet.
Das liegt an katastrophalen Rahmenbedingungen in oft korrupten und ineffizienten Systemen in Ländern, in denen sich manche Potentaten die Taschen vollscheffeln, ebenso wie an fehlender Hilfe der reichen Länder.

Die Entwicklungshilfe vieler Länder, leider auch jene Österreichs, liegt weit unter dem von der UNO ausgegebenen Ziel von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Österreich lag zuletzt bei beschämenden 0,27 Prozent, also gerade einmal etwas mehr als einem Drittel dieses Anteils.

Verschärft werden die Probleme durch die Bevölkerungsexplosion, die es ja fast ausschließlich in den armen Ländern gibt. Im Jahr 1800 bevölkerten eine Milliarde Menschen die Erde, 1927 dann zwei, 1960 drei, 1974 vier, 1987 fünf, 1999 sechs und 2011 sieben Milliarden. Bis 2050 werden 9,7 und bis 2100 sogar 11,2 Milliarden prognostiziert – und das bei begrenzten Ressourcen, die aber vor allem die reichere Minderheit (und dazu zählt auch Europa) über Gebühr ausschlachtet. Der Klimawandel durch den Treibhauseffekt ist eine Folge dieses Verhaltens. Die Zahl der Naturkatastrophen mit Überflutungen, Dürren und Stürmen wird zunehmen, am stärksten betroffen werden wieder die Ärmeren sein, aber auch die reicheren Länder – die Wetterturbulenzen nehmen überall zu, aber gerade Europa auch als Ziel von Flüchtlingswellen, wie es besonders Österreich sehr stark erlebt hat.

Österreich tut gut daran, und das auch im eigenen Interesse, beim Klimaschutz und der Entwicklungshilfe nicht lediglich Mitläufer zu sein, sondern in der vordersten Reihe zu marschieren. Es ist widersinnig, die Mittel für Hilfen vor Ort auf beschämend niedrigem Niveau zu belassen oder gar weiter zu kürzen, wie das passiert ist, und dann für die Bewältigung der Flüchtlingskrise in Österreich allein heuer 2 Milliarden Euro ausgeben zu müssen.

Quelle:

Tiroler Tageszeitung


Artikel Online geschalten von: / holler /