Bild: © BTN Biotechnologie Nordhausen GmbH /Biogasanlage mit Hydrolysefermenter

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Biogasbranche braucht klare Perspektiven

1.3.2016
Fachverband Biogas fordert verbindliche Regelungen im EEG - Ausbaupfad muss Platz für Neu- und Bestandsanlagen bieten - Bisherige Erfolge im Technologie-Export in Gefahr IWES-Studie belegt Bedeutung von Biogas

Freising - Der Präsident des Fachverband Biogas e.V., Horst Seide, forderte auf einer Pressekonferenz im Rahmen der 25. Jahrestagung des Verbandes in Nürnberg unverzügliche Regelungen für die künftige Biogasnutzung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2016. „Die bislang vom Bundeswirtschaftsministerium geplante Verordnungsermächtigung würde keine Klarheit bringen und wichtige Entscheidungen auf die lange Bank schieben“, mahnte der Präsident. „Aber die Weichen werden jetzt gestellt!“

Denn all jene Anlagenbetreiber, die bereits kurz nach dem In Kraft Treten des EEG im Jahr 2000 ans Netz gegangen sind und in wenigen Jahren aus der EEG-Vergütung fallen, müssen jetzt festlegen, wie und ob sie weiter machen. Aufgrund verschiedener Umweltauflagen stehen wichtige Investitionsentscheidungen an. „Investitionen werden die Betreiber aber nur dann tätigen, wenn sie eine Perspektive haben“, betonte Seide. Niemand werde fünf- bis sechsstellige Summen in die Hand nehmen, wenn nicht gesichert ist, dass sich diese Investition auch lohnt.

„Ohne ein klares Bekenntnis zur Biomassenutzung würde kurz- bis mittelfristig nicht nur der Anlagenneubau stagnieren, sondern darüber hinaus ein Anlagenrückbau einsetzen“, prophezeite Seide. Daher fordere der Fachverband Biogas mit dem EEG 2016 klare und realistische Anschlussregelungen für Bestandsanlagen. Diese müssten einen „fairen Wettbewerb“ zulassen – zwischen bestehenden und neuen Anlagen, zwischen den verschiedenen Einsatzstoffen, zwischen kleinen und großen Anlagen mit Ausnahmen für sehr kleine und solche mit besonderem ökologischen Wert.

Dreh- und Angelpunkt für die Zukunft von Biogas im Strommarkt ist der künftig geplante Zubau. Die derzeit von der Regierung ins Auge gefasste Deckelung auf 100 Megawatt brutto würde einen realen Bestandsabbau bedeuten, da die Anschlussvergütung für Bestandsanlagen einberechnet wird. Notwendig ist nach Auffassung des Fachverbandes aber ein moderater Zubau von 100 MW netto pro Jahr, also einen tatsächlichen Zubau neuer Biogasanlagen.

„Der Regierung muss es gelingen, die Biomasse im Bestand zu erhalten und eine Weiterentwicklung der Branche zu ermöglichen“, forderte auch der Vizepräsident des Fachverbandes Biogas, Hendrik Becker. „Nur wenn dies gelingt, können wir Arbeitsplätze bei den Firmen sichern und das Auslandsgeschäft stabilisieren. Andernfalls verlieren die deutschen Unternehmen Ihre gute Ausgangsposition im Export von Technologie.“

Als speicherbarer erneuerbarer Energieträger, der nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Kraftstoff liefert, spielt Biogas eine besondere Rolle im Mix der Erneuerbaren Energien. Welche Auswirkungen ein Rückbau dieses Energieträgers mit sich brächte simulierte das Fraunhofer IWES in einer Studie. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Energiesystem nicht nur auf die vielfältigen Leistungen des Systemdienstleisters Biogas verzichten, sondern zudem in größerem Umfang auf fossile, klimaschädliche Ressourcen zurückgreifen müsste. Wo doch deren Reduzierung im Licht der Klimabeschlüsse von Paris vordringliche Aufgabe ist.

Artikel teilen: GastautorIn: Andrea Horbelt für oekonews.
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