Bild: © Wachstum im Wandel

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Verteilungsgerechtigkeit, Ernährungssicherheit und Energiewende

29.2.2016
Umweltbundesamt auf Konferenz „Wachstum im Wandel“

Wien - Das Umweltbundesamt zeigte auf der dritten internationalen Konferenz „Wachstum im Wandel“ vom 22. bis 24. Februar in Wien starke Präsenz und widmete sich den Themen Verteilungsgerechtigkeit, Ernährungssicherheit und Energiewende.

Verteilungs.Un.Gerechtigkeit

Mit dem Zusammenhang zwischen Umweltpolitik und Verteilungswirkungen befasste sich Umweltbundesamt-Geschäftsführer Georg Rebernig in einer von Umweltbundesamt und WU Wien gestalteten Session. Er betonte eingangs: „Umweltpolitische Maßnahmen sind dann erfolgreich, wenn auch sozio-ökonomische Aspekte berücksichtigt werden“. Es sei alternativlos, bei Umweltthemen auch die Verteilungseffekte zu analysieren und zusätzlich die Auswirkungen von Maßnahmen auf Wettbewerbsfähigkeit, Standort und den öffentlichen Haushalt zu untersuchen.

Rebernig erläuterte den Zusammenhang zwischen Umweltbelastung und Einkommen auf nationaler und globaler Ebene und erinnerte daran, dass die ärmsten Länder der Welt ökonomisch am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. „Die Transformation kann nur gelingen, wenn wir langfristig und global denken. Um die Umweltbelastung zu bewerten, müssen wir auch die Umweltauswirkungen unseres Wirtschaftens in anderen Ländern heranziehen, etwa in Form des ökologischen Fußabdrucks“, so der Umweltbundesamt-Geschäftsführer. Dieser berücksichtigt jene Umwelteffekte, die durch die KonsumentInnen eines Landes versursacht werden, entlang der gesamten Wertschöpfungskette, d.h. auch durch Importe. Die konsumbasierten Emissionen Österreichs sind um 50% höher als die rein produktionsbedingten, mehr als ein Drittel entsteht außerhalb der EU.

„Eine Umweltpolitik, die auf eine Verringerung der Umweltbelastung abzielt, hat jedenfalls positive Verteilungseffekte“, so der Umweltbundesamt-Geschäftsführer. Die Reduktion von Luftschadstoffen und Klimaschutz sind Maßnahmen, von denen einkommensschwache Gruppen überproportional profitieren. Andere Verteilungseffekte können sich allerdings hinsichtlich der Kosten umweltpolitischer Maßnahmen ergeben, so Rebernig, der auf den möglicherweise regressiven Effekt von Umweltsteuern und der Förderung erneuerbarer Energien verwies. Durch progressive Besteuerung von Einkommen und auch Vermögen sowie durch Transferleistungen könne dem entgegengewirkt werden.

Am Ende seines Vortrags widmete sich Rebernig den Verteilungswirkungen der Green Economy. „Es wird von der Ausgestaltung der Green Economy abhängen, welche Verteilungseffekten sie haben wird. Sie setzt Wachstumsimpulse, fördert nachhaltige Produktions- und Konsumgewohnheiten und reduziert die Umweltbelastungen. Dadurch wird Gestaltungsraum auch im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit geschaffen.“

...und wovon ernähren wir uns morgen?

Um Verteilungsfragen ging es auch in der von Umweltbundesamt und BOKU Wien gestalteten Session. Karl Kienzl, stellv. Geschäftsführer im Umweltbundesamt erinnerte daran, dass zwei Drittel der in der EU konsumierten Güter von außerhalb der EU kommen. „Alleine durch den Import von Lebensmitteln verbrauchen wir jährlich eine Fläche von 25 Millionen Hektar. Eine EU-weite, staatenübergreifende strategische Flächenplanung ist daher essentiell“, betonte Kienzl. Angesprochen auf die Bedeutung unterschiedlicher Ernährungsformen erläuterte der stellv. Umweltbundesamt-Geschäftsführer, dass auch vegane Lebensmittel Fläche benötigen, die in Zukunft nicht mehr im bestehenden Ausmaß zur Verfügung stehen werde. Auch Bio-Lebensmittel seien kein Patentrezept für Nachhaltigkeit. „Bio-Erdbeeren, die mit dem Flugzeug werden, mögen vielleicht bio aber sicher nicht nachhaltig sein. Angesichts des fortschreitenden Flächenverbrauchs ist der ökologische Fußabdruck das entscheidende Kriterium“, betonte Kienzl.

Die Energiewende ist geschafft – ein Blick aus der Zukunft

Umweltbundesamt-Experte Jürgen Schneider nannte in seinem Vortrag die Zivilgesellschaft als das Rückgrat der Transformation. Die Bedeutung von Konsum als Statussymbol werde an Bedeutung verlieren, Teilen statt Besitzen hingegen immer wichtiger. Auch der private Sektor müsse wesentlich zur Energiewende beitragen, etwa durch Umstellung der Geschäftsmodelle hin zu Energiedienstleistern oder in der Sachgüterproduktion durch die Herstellung langlebiger, reparierbarer Produkte aus nachhaltig gewonnenen Rohstoffen.

Wachstum im Wandel

Wachstum im Wandel ist eine Initiative, die Menschen aus Institutionen, Organisationen und Unternehmen dazu einlädt, sich mit Fragen zu Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität auseinanderzusetzen. Vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft ins Leben gerufen, wird die Initiative von mehr als 20 Partnerorganisationen getragen, darunter das Umweltbundesamt.

Artikel teilen: GastautorIn: Sabine Enzinger für oekonews.
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