Bild: © oekonews-Nina Holler / Laden von Elektroautos

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Elektromobilität: Wie läuft sie in Zukunft? Was meinen deutsche Experten?

19.2.2016
In Berlin wurde die "Vision Informations- und Kommunikationstechnologien für Elektromobilität"veröffentlicht- Deutsche Experten schätzen Marktdurchbruch ein

Berlin- Klimaschutz muss auch im Verkehrsbereich voran gehen, auch bei den einzelnen Fahrzeugen: Das heißt, ein weltweiter den Wandel in der Entwicklung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu Elektro- und Hybridfahrzeugen ist notwendig. Für die Autobauernation Deutschland, die lange Zeit auf Diesel als zentrale Zukunftstechnologie gesetzt hat, bedeutet der Durchbruch der Elektromobilität eine große wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderung. Wissenschaft, Industrie und Politik müssen dazu zusammenarbeiten. Als disruptive Innovation verändert die Elektromobilität gleich mehrere Branchen in ihren Strukturen und Wertschöpfungsketten. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) werden als Schlüssel zum Erfolg gesehen, da diese nicht nur neue Funktionalitäten im Fahrzeug selbst ermöglichen, sondern auch das Fahrzeug mit den Verkehrssystemen und der Energieinfrastruktur zu einem „smarten“ System verknüpfen.

Das nun vorliegende Papier zeigt eine Vision für die IKT für Elektromobilität mit einer sehr eingängigen Annahme: Alle geförderten Projekte der zweiten Phase des Technologieprogramms haben Markterfolg und sind im täglichen Leben und im Straßenbild etabliert. Diese Annahme wird in zehn verschiedenen Szenarien beschrieben, angefangen von elektrisch angetriebenen Leicht- und Schwerlastfahrzeugen, über die Integration der Elektromobilität in die Energienetze bis hin zu E-Carsharing und Mobilität ohne eigenes Automobil. In jedem dieser Szenarien sind Innovationen alltäglich geworden. Einige Innovationen können zeitnah umgesetzt werden, andere später, manche haben noch einen langen Weg bis zur Umsetzung. Die einzelnen Basis-Innovationen der beschriebenen Szenarien wurden im vorliegenden Papier in 8 Bereiche geclustert und von insgesamt 95 Experten bzgl. Ihres Marktdurchbruchs eingeschätzt.

Nach den hohen Erwartungen aus den Gründungsjahren der Nationalen Plattform Elektromobilität bezüglich Marktankündigungen und Stückzahlen zeigt diese Studie deutlich, dass die einzelnen Innovationen Hand in Hand umgesetzt werden müssen. Die Ergebnisse der Expertenumfrage zeigen deutlich, dass der Elektromobilität weiterhin großes Potenzial beigemessen wird. Die Verfügbarkeit, Qualität und Kosten der Batterie werden in den kommenden Jahren besser werden, erst dann wird die Reichweitenangst geheilt sein. Die Fragen der steuer- und energierechtlichen Behandlung des Ladens beim Arbeitgeber müssen ebenfalls geklärt sein, bevor der Kunde reine Elektrofahrzeuge beim Kauf in Betracht zieht. Die Ladeinfrastruktur wird sich nur langsam mit den steigenden Fahrzeugzahlen mit entwickeln. Die Elektromobilität hat die Chance, Teil der Energiewende zu werden. Ebenso werden die Fahrzeuge weiter vernetzt.

Die wichtigsten und überraschendsten Ergebnisse der Experteneinschätzung im Überblick:

Kundenakzeptanz: Die Reichweitenangst wird erst im Jahr 2020 ‚geheilt‘ sein, erst dann zieht der Kunde reine Elektrofahrzeuge in Betracht.

Ladeinfrastruktur: Ebenfalls erst im Jahr 2020 ist das Roaming flächendeckend in Deutschland gelöst, zwei Jahre später in Europa. Eine Echtzeit-PoI-Datenbank wird 2019 vorhanden sein, dann ist es ebenfalls möglich Ladepunkte zu Reservieren und Blockieren. Eine ausreichende Ladeinfrastruktur für Normalladen wird bis 2019 vorhanden sein, für Schnellladung 2022. Auch mit der aktuellen Diskussion um die deutsche Ladesäulenverordnung wird es keine schnelle Lösung für einen einheitlichen Stecker (CCS/CHAdeMO) geben (2023).

Energie/Smart Grid: Die Elektromobilität kann Teil der Energiewende sein, allerdings erst wenn eine signifikante Anzahl von Fahrzeugen vorhanden ist. Dies wird nicht vor dem Jahr 2024 erwartet. Die Energiepreise bleiben in den nächsten 5 Jahren niedrig.

Batterien: Die Zyklenfestigkeit, Verfügbarkeit und Qualität ist für PKW-Anwendungen ab dem Jahr 2020 kein begrenzender Faktor mehr. Preisparität bei der Anschaffung von Fahrzeugen wird schon für das Jahr 2022 erwartet. 2025 werden Post-Li-Ionen Technologien den Durchbruch haben. Eine Zellproduktion ist in Deutschland nicht vor 2024 konkurrenzfähig.

Daten/Vernetzung: Die Vernetzung von Fahrzeugen wird weiter voranschreiten. Der Eigentum von Fahrzeugdaten wird 2020 geklärt sein, dann kann auch auf diese Daten per standardisierte Schnittstelle zugegriffen werden. Kooperative Entscheidungen zw. Fahrzeugen und auch mit der Infrastruktur werden 2023 möglich, eine ausreichende Anzahl von Fahrzeugen wird es 2025 geben.

Markt: Der Mehrpreis von reinen Batteriefahrzeugen ist 2022 nicht mehr ausschlaggebend, dann wird es in allen Fahrzeugklassen Modelle geben. Die Zielmarke von einer Millionen Fahrzeugen wird 2024 erreicht, die zweite Millionen erfolgt dann 2,5 Jahre später. Mit einer Kaufprämie von 5000 € wird das Millionenziel 2021 erreicht (2,5 Jahre früher). Einen Markt für stationäre Batterien gibt es ab 2020.

Regulierung: Die Lösung der steuer- und eichrechtlichen Fragestellungen des Ladens beim Arbeitgeber wird nach Einschätzung der Experten erst 2019 erfolgen.

Fahrzeugtechnologie: Die Fahrerassistenzsysteme werden weiter Einzug in das Fahrzeug halten. Bedingt automatisiertes Fahren wird im Jahr 2020 auf den Straßen sein, hochautomatisiertes Fahren im Jahr 2023, das vollautomatisierte Fahren 2026. Dafür notwendig ist eine hochgenaue Lokalisierung der Fahrzeuge, die im Jahr 2020 etabliert sein wird. Batteriewechselsysteme werden erst später für LKW und Busse in Frage kommen (2023).

Insgesamt schätzen die Experten die Elektromobilität positiv ein, wenn auch sehr zurückhaltend. Es wird nicht mit einem zeitnahen Durchbruch gerechnet. Dieser erfolgt laut Experteneinschätzung erst in den Jahren 2020 bis 2022. Grundlegende Hemmnisse, wie z. B. die Preis, Zyklenfestigkeit und Qualität der Batterie werden dann komplett überwunden sein, die Reichweitenangst ist dann ebenfalls kein Thema mehr. Es werden reine Elektrofahrzeuge in allen Klassen angeboten, zudem wird ausreichend Ladeinfrastruktur vorhanden sein. Ohne weitere Kaufanreize wird erst dann der echte Markthochlauf beginnen, die Marke von einer Millionen E-Fahrzeugen wird nach Einschätzung der Experten 2024 erreicht. Durchaus positiv wird auch der Trend zur weiteren Vernetzung von Fahrzeugen eingeschätzt.

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