Bild: © Christian Körtke- pixabay.com / Windräder

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2016 könnte ein Jahr der Energiewende werden

7.2.2016
2015 war das Jahr, in dem die anhaltende globale Energiewende, also weg von der Atomkraft und den fossilen Kraftstoffen in Richtung einer Energieversorgung, die auf erneuerbaren Energiequellen basiert, zunehmend öffentliche Beachtung fand.

So sollte 2016 dann eigentlich das Jahr werden, in dem dieser Wandel noch deutlicher sichtbar wird und signifikant voranschreitet.

Zwei wichtige Schritte in diese Richtung wurden vergangenen Dezember gesetzt. Sie stellen sicher, dass dieses Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit einen echten Meilenstein in diesem Prozess bedeuten wird.

Der erste Schritt war natürlich das internationale COP21 Klimaschutzabkommen, das trotz seiner Mängel den Prozess der Energiewende beschleunigen wird. Der zweite Schritt, zumindest in den Vereinigten Staaten, war: eine fünfjährige Verlängerung (die letztendlich auslaufen wird) von Steuervorteilen für den Einsatz von Technologien zur Nutzung von Potentialen der Sonnen- und Windenergie. Beide zusammen werden es ermöglichen, dass im Jahr 2016 und in den Folgejahren die Entwicklung von atom- und kohlendioxidfreien Energiesystemen große Sprünge machen wird.

Was in diesem Zusammenhang als dritter Punkt noch wichtig ist: Präsident Obamas „Clean Power Plan“, der zwar nur für die Vereinigten Staaten gilt, aber auch Möglichkeiten aufzeigt, das COP21 Abkommen zu verwirklichen.

Mir allein müssen Sie das freilich nicht glauben: es gibt eine Reihe von Experten, die zu demselben Schluss gelangt sind – und die dabei sind, Ideen zu entwickeln, wie man die Energiewende noch schneller vorantreiben kann.

Blicken wir einmal zurück ins Jahr 2009, in die Zeit der schon beinahe vergessenen ersten Tage der Obama-Administration. E+EPublishing schrieb folgendes: „Wären Sie ein Zeitreisender aus dem Jahr 2009, dann würden Sie die Welt der Energie 2016 (1) nicht wiedererkennen“. In diesem Artikel steckt viel Wahrheit. Es hat sich seither aber auch einiges verändert, was in diesem Artikel nicht zur Sprache kommt. Zum Beispiel schreibt der Autor des Artikels so nebenbei, dass die Preise für Sonnen- und Windenergie im Lauf der letzten sieben Jahre drastisch gesunken seien. Er erwähnt jedoch nicht, dass dies bei den Kosten für die Atomenergie nicht der Fall gewesen war. Ganz im Gegenteil: die Preise sind sogar bei den bereits abbezahlten Reaktoren soweit angestiegen, dass sie auf einigen Märkten wirtschaftlich mit erneuerbaren Energiequellen nicht mehr mithalten können. Und diese Kluft zwischen beiden Bereichen vergrößert sich zusehends.

Auch das World Future Council (WFC) nimmt Bezug auf diese Tatsache. Es fasst alle möglichen Entwicklungen und zukünftigen Möglichkeiten für ein aufregend-vielfältiges Energiesystem zusammen – das so ganz anders ist als das Modell aus dem 20. Jahrhundert, welches die Vertreter des Dinosaurier-Zeitalters weiterhin beibehalten wollen.

Zitat: „Fossile Brennstoffe und Atomenergie erweisen sich nun zwangsweise als Auslaufmodelle. Nicht nur, weil sie schädlich für die Umwelt und das Klima sind, sondern weil sie – was noch wichtiger ist – keine finanziell tragbare Option für das 21. Jahrhundert bieten“(2).

WFC schätzt in hohem Maße Deutschlands beständige und zunehmend erfolgreiche Energiewende. Ein erst kürzlich veröffentlichter Bericht der deutschen Expertenkommission Agora Energiewende belegt, dass dieser reale Erfolg – wenn auch nicht immer öffentlichen anerkannt – sich zu einem Vorbild für die gesamte Welt entwickelt (3).

In der Zwischenzeit beschäftigt sich Utility Dive mit den Auswirkungen, die die Verlängerung der Steuervorteile für erneuerbare Energien auf die rapide wachsenden, sauberen Energietechnologien haben wird: Utility Dive sieht eine noch raschere Entwicklung dieser eingesetzten Ressourcen vorher, als wir sie bisher erlebt haben (4).

In den letzten Jahren haben die Fortschritte in der Energiespeicherung durchaus den einen oder anderen Durchbruch erlangt: die Fähigkeit, Elektrizität zu speichern, die von Sonne und Wind während der Spitzenzeiten erzeugt wird, nahm drastisch zu. Diese Energie kann dann später verwendet werden, wenn der Wind nachlässt und die Sonne untergeht. Diese technologischen Fortschritte werden die Spielregeln der Energieversorgung nachhaltig verändern und dazu führen, dass beide Technologien zunehmend noch stärker eingesetzt werden. Einige Mitarbeiter von RenewableEnergyWorld.com denken sogar weiter (5). Sie sehen in der Zukunft schon ein weltweit vernetztes System erneuerbarer Energieträger voraus, das Elektronen dorthin schicken kann, wo sie gerade benötigt werden, an jeden beliebigen Ort der Erde. Natürlich gibt es viele Stolpersteine auf dem Weg dorthin – vor allem politische – aber die Idee an sich ist einer Überlegung wert.

Das COP21 Abkommen und der Clean Power Plan haben zwar ihre Mängel und wurden deshalb auch kritisiert. Ihre Ziele seien zu wenig ambitioniert und würden nicht ausreichen. Diese Kritik trifft zu, zumindest was die derzeit anvisierten Ziele betrifft. Aber weder das eine noch das andere Abkommen ist in Stein gemeißelt – ganz im Gegenteil betrachten beide ihre Ziele nur als einen ersten Schritt. Dieser vorzügliche Artikel (6)weist auf folgendes hin: wenn ein Betriebsleiter in unserer Jetztzeit Entscheidungen trifft, die in der Zukunft seine Firma und die Stromversorgung der nächsten 30-40 Jahren beeinflussen, dann muss er – falls er intelligent genug ist – Pläne entwickeln, die beiden Abkommen Genüge tun, nicht nur für die nahe Zukunft. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach bewegen sich die Ziele dieser Abkommen selbst weiter, und zwar immer weiter weg von schmutziger Energie und in Richtung erneuerbarer Energien. In anderen Worten: das endgültige Verschwinden der Kohledioxid basierten Energiestruktur liegt in nicht allzu weiter Ferne.

Das wird natürlich nicht ohne Konflikte abgehen, wie wir immer wieder betonten. Eine Zukunft mit erneuerbaren Energien stellt definitionsgemäß eine existentielle Bedrohung für die Interessen der Atom- und Treibstoffindustrie dar. Diese Industrien werden sich nicht von alleine verabschieden – siehe folgenden Artikel: „Can We Move Forward To The Future Of Electro Energetic Power?“ (Ist eine Zukunft mit Elektro-Energie möglich?) (7)

Und doch weist dieser Artikel auf folgendes hin: die Welt fängt an, ungeduldig zu werden mit Leuten, die das Klimaproblem leugnen und denen, die sich einem sauberen Energiesystem in den Weg stellen. Mit ein klein wenig Glück wird dieses Jahr das letzte sein, in dem bei den KandidatInnen für das US-Präsidentenamt noch Leugner des Klimawandels dabei sind.

Wenn dies der Fall sein sollte, dann wird 2016 wirklich ein Jahr der Wende und großer Veränderungen werden – und damit den Voraussagen entsprechen.

Mehr dazu:

1) http://www.eenews.net/stories/1060030537

2) http://www.power-to-the-people.net/2016/01/people-power-participation-the-new-dna-of-future-energy-markets/

3) http://ieefa.org/in-germany-an-energy-market-transition-without-massive-economic-disruption/

4) http://www.utilitydive.com/news/ders-in-2016-what-experts-expect-for-a-booming-sector/411141/

5) http://www.renewableenergyworld.com/articles/2015/12/the-vision-of-a-globally-interconnected-renewable-energy-system.html

6) http://www.utilitydive.com/news/after-paris-utilities-look-to-deeper-decarbonization/411023/

7) http://cleantechnica.com/2016/01/13/can-we-move-forward-to-the-future-of-electric-power/


Übersetzung aus dem Nuclear Monitor Nr. 817
Autor: Michael Mariotte – Vorsitzender des Nuclear Information+Resources Service (NIRS)
Michael Mariotte schreibt auch für www.safeenergy.org regelmäßig


Übersetzung+Bearbeitung aus dem Englischen:
Ina Conneally, Bernhard Riepl, www.sonneundfreiheit.eu

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