Bild: © IG Windkraft

Bild: © IG Windkraft

E-Control und APG: Kosten für Stabilisierung des Stromnetzes 2015 deutlich gesunken

30.1.2016
Kosten für Regelreserve im vergangenen Jahr bei 143 Millionen Euro - knapp 30 Prozent weniger als 2014

Die Kosten für die Stabilisierung des österreichischen Stromnetzes mit Hilfe von Regelenergie sind 2015 um fast 30 Prozent gesunken, 143 Millionen Euro mussten 2015 für die gesamte Regelreserve aufgewendet werden. 2014 waren es noch über 200 Millionen Euro. Die verschiedenen Maßnahmen, die von der Regulierungsbehörde E-Control und dem Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) gesetzt wurden, hätten deutliche Wirkung gezeigt, so Martin Graf, Vorstand der E-Control und APG-Vorstandsvorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer. "Die Anstrengungen in diesem Bereich haben sich gelohnt." So wurde durch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern Geld gespart, auch gibt es mittlerweile mehr Teilnehmer am Regelenergiemarkt - was den Wettbewerb deutlich erhöht hat. Auch die Rahmenbedingungen wurden verbessert. So hat die E-Control ein spezielles Netznutzungsentgelt geschaffen, dass Verbrauchsanlagen und Pumpspeicher bei der Bereitstellung von Regelreserve gleichgestellt.

Nationale Maßnahmen zur Belebung des Regelreservemarktes gesetzt

Zuletzt sind neue Anbieter am Regelenergiemarkt hinzugekommen und bestehende Anbieter sind in neuen Bereichen tätig geworden. Diese haben z.B. Anlagen, die von anderen Lieferanten versorgt werden, in ihren Pool aufgenommen oder Power2Heat-Anlagen, die z.B. Fernwärme erzeugen. Weitere neue Teilnehmer werden in den nächsten Monaten erwartet. "Es kommt langsam Bewegung hinein", sagt E-Control-Vorstand Graf, der sich durch neue Anbieter einen liquideren Markt und dadurch einen weiteren Beitrag zu niedrigeren Kosten für die Regelreserve erhofft. "Um den Wettbewerb zu erhöhen, wurde der Eintritt in den Regelreservemarkt durch gezielte Maßnahmen erleichtert", erläutert Graf. So können auch verstärkt Industriebetriebe mit geeigneten Verbrauchsanlagen bzw. eigenen Stromerzeugungsanlagen am Regelreservemarkt teilnehmen.

Kosten durch internationale Kooperationen eingedämmt

Um die Kosten für die Regelreserve einzudämmen, wurden auch auf internationaler Ebene zahlreiche Maßnahmen getroffen. Die Kosten der Beschaffung durch die APG sind durch internationale Kooperationen gesunken. Eine gemeinsame Beschaffung der Primärregelreserve mit der Schweiz wurde 2013 erfolgreich umgesetzt und im April 2015 auf die Übertragungsnetzbetreiber aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark ausgeweitet. Ein gegenseitiges Anrechnen beim Abruf von Sekundärregelenergie (Imbalance Netting) mit Slowenien wurde 2013 erfolgreich umgesetzt und seit Ende April 2014 ist eine ähnliche Regelung mit Deutschland und seinen Nachbarländern in Betrieb. "Damit wurden sehr große abgerufene Mengen an Sekundärregelenergie verhindert und die Kosten signifikant eingedämmt. An weiteren internationalen Kooperationsprojekten wird gearbeitet", so Baumgartner-Gabitzer.

Über Regelenergie

Ein zentraler Bestandteil einer sicheren Stromversorgung ist die Vorhaltung von Regelleistung, um kurzfristig reagieren zu können, etwa wenn plötzlich weniger Strom als geplant erzeugt wird, weil beispielsweise die geplante Stromerzeugung eines Windkraftwerkes durch Prognosefehler plötzlich geringer ist oder ein Kraftwerk ausfällt. Dann springen kurzfristig Kraftwerke ein, um zusätzlichen Strom zu erzeugen oder Verbraucher verringern ihren Bezug. Regelenergie ist auch nötig, wenn plötzlich die Stromnachfrage sinkt, z.B. weil die Nachfrage der Verbraucher zu hoch eingeschätzt wurde oder ein großer Stromabnehmer, wie etwa ein Industriebetriebe wegen Anlagenproblemen ausfällt. Dann fahren Kraftwerke ihre Produktion zurück oder es werden Anlagen eingeschaltet, um überschüssigen Strom zu verbrauchen und wieder ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herstellen.

Quelle: E-Control

Artikel teilen:
Artikel Online geschalten von: / holler /

Artikel senden Artikel drucken