Bild: © oekonews- W.Pucher  / Spannende "Klartext" Veranstaltung zum Thema Klimawandel

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Bild: © oekonews- W.Pucher  / LK-Präsident Schultes präsentierte die Bereiche mit besonders hohem CO2-Ausstoß

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Bild: © oekonews- W.Pucher  / Josef Plank ist überzeugt: Österreich muss sein gesamtes Energiesystem umbauen

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Bild: © oekonews- W.Pucher  / Dr. Weinberger  wies auf die Dürreschäden hin

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Bild: © oekonews- W.Pucher  / Klimaforscher Formayer zeigte die dramatischen Veränderungen auf- Anpassungen sind notwendig!

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Schluss mit heißer Luft: Gemeinsam die Klimawandel-Bremse ziehen

22.1.2016
Bauern treten mit geschlossenen CO2-Kreisläufen gegen Erderwärmung an

"Die Weltklimakonferenz in Paris hat klare Zeichen gesetzt: Wer die Klimakatastrophe vermeiden will, muss die Welt der fossilen Rohstoffe Schritt um Schritt verlassen und den Kohlenstoffkreislauf wieder schließen. Das gilt für alle und jeden einzelnen. Unseren Bauern kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu. Sie ernähren die Bevölkerung, was in Paris auch gesondert hervorgehoben worden ist, und wirtschaften dabei in kurzen geschlossenen Kreisläufen mit der Sonne als Motor und einer immer besseren CO2-Bilanz. Die Land- und Forstwirtschaft sowie mit ihr alle Menschen, die ihre Produkte zum Leben brauchen, sind jedoch vom Klimawandel negativ betroffen. Deshalb treten die Bauern aktiv dagegen an." So LK Österreich-Präsident Hermann Schultes heute im Rahmen der "Klartext"-Veranstaltung zum Thema "Klimawandel - Schluss mit heißer Luft" in Wien. Die Landwirtschaft kann in Zusammenarbeit mit Forschung und Landtechnik die Beschleunigung des Klimawandels dämpfen. Jedoch werden die Bemühungen nur dann Erfolg haben, wenn auch die übrigen Bereiche, vom Verkehr und der Bauwirtschaft über die Industrie bis hin zu den Haushalten, von offene auf geschlossene CO2-Kreisläufe umstellen, ist der LK-Präsident überzeugt.

Bei der Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 sei ein für alle Staaten rechtlich bindendes Abkommen vereinbart worden, mit dem Ziel, die durchschnittliche globale Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf möglichst weit unter 2°C zu beschränken. Die Bundesregierung müsse jetzt einen Etappenplan erstellen, um die entsprechenden Maßnahmen für Österreich aufzulisten, damit diese Schritt für Schritt umgesetzt werden können, so Schultes. Die Sozialpartner würden dazu ebenfalls ein Papier vorlegen, die Landwirtschaftskammer werde sich hier intensiv einbringen.

Klimaexperte Prof. Dr. Herbert Formayer von der BOKU zeigte auf, dass Klimawandel nicht nur andere Länder, sondern auch Österreich stark betrifft. Die Temperaturerhöhung im Alpenraum liegt bereits jetzt wesentlich höher als das globale Mittel. Bis 2050 ist unter günstigen Voraussetzungen ein weiterer Anstieg um mindestens 2°C zu erwarten, im schlimmsten Fall könnte die mittlere Temperatur sagr um 6°C ansteigen. Das heißt, dass es zu schwerwiegenden Veränderungen der jahreszeitlichen Abläufe kommen wird. Was sich natürlich auf die Ernten in der Landwirtschaft auswirken wird.

CO2-Reduktion als große gemeinsame Aufgabe

"Sowohl die Land- und Forstwirtschaft, aber auch die übrigen Bereiche können aktiv den Klimawandel bekämpfen", ist sich Schultes sicher. Mit Beispielen zeigte er auf, wie das möglich sei. Eine vierköpfige Familie kann durch einige Kurskorrekturen ihre CO2-Emissionen um 75% reduzieren. Das beginnt bei der Urlaubsplanung (Verzicht auf Langstreckenflüge, stattdessen Erholung in der Region), geht über den teilweisen Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder für Kurzstrecken aufs Fahrrad oder auf die Bewältigung kurzer Wege zu Fuß bis hin zum Umstieg von Heizöl auf Brennholz, Hackgut und Pellets. Der Einkauf regionaler Lebensmittel kann noch einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Tierproduktion in Österreich

Eine Vielzahl von Studien belegt, dass die Emissionen je Produktionseinheit in Österreich aufgrund einer nachhaltigen und effizienten Wirtschaftsweise im internationalen Vergleich besonders gering sind. So verursacht ein österreichischer Landwirt 14 kg Treibhausgas-Emissionen bei der Produktion von 1 kg Rindfleisch, der EU-Schnitt liegt bei 22 kg, in Brasilien liegt der Wert bei 80 kg CO2. Auch in der Milchproduktion ist die heimische Landwirtschaft mit 1 kg CO2 je Liter Milch besonders emissionsarm. Der EU-Durchschnitt liegt bei 1,5 kg CO2.

Ackerbau: Humusaufbau wichtig

Angestoßen durch das Umweltprogramm ÖPUL sind in Österreich in den letzten Jahren die Humus-Gehalte der Böden deutlich gestiegen. Humus ist gleichzeitig ein Wasser- wie auch ein Kohlenstoff-Speicher und dämpft so den Klimawandel. Bereits eine Steigerung des Humusgehaltes um 0,015% pro Jahr und ha Ackerfläche bewirkt die Speicherung von 1 Tonne CO2 pro ha und Jahr. Umgerechnet auf ganz Österreich speichert der zusätzlich aufgebaute Humus den CO2-Ausstoß von 450.000 Pkw, von denen jeder pro Jahr 15.000 Kilometer zurücklegt.

Forstwirtschaft - Wald bindet C02

In den Wäldern sind Österreichs CO2-Emissionen eines Jahres 35 Mal gebunden. 48% der Landesfläche sind Wald. Hier stehen rund 3,4 Mrd. Bäume. Im Holz der Bäume und im Waldboden sind insgesamt 800 Mio. t Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht rund 3 Mrd. t gebundenem CO2. Pro Sekunde entsteht ein Kubikmeter Holz, in dem 1 t CO2 gebunden ist.

Ein sorgsam bewirtschafteter Wald ist damit eines der wirksamsten Instrumente gegen den Klimawandel: Die Bäume entziehen beim Wachstum der Atmosphäre den Kohlenstoff. Wird Holz, also gebundenes CO2, in Wohn- und Wirtschaftsgebäuden oder in Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen verwendet, so wird CO2 auf lange Zeit, quasi wie in einem zweiten Wald gespeichert. Werden in einem Haus 90 m3 Massivholz verbaut, fallen vom Wald bis zur Baustelle mehr als 500 m3 Nebenprodukte an, aus denen Platten, Papier, Zellstoff und Energie hergestellt werden. Mit den Nebenprodukten könnte dieses Haus mehr als 70 Jahre beheizt werden. Im Vergleich mit einem sich selbst überlassenen Wald hält die vielfältige Verwendung von Holz damit eine mehrfache CO2-Menge im Kreislauf.

Wasser als wesentlicher Faktor

Die Folgen des Klimawandels werden einzelne Regionen in ihrer agrarischen Produktionskraft beeinträchtigen und anderen neue Möglichkeiten bieten. Heftige Niederschlagsereignisse brauchen darauf vorbereitete Böden und Arbeitsabläufe, die mithelfen, das Wasser im Boden versickern zu lassen. Von Dürre betroffene Regionen benötigen jetzt schon die Planung und Umsetzung überregionaler Wasserversorgungsmaßnahmen.

Bodenschutz ist Klimaschutz

"Der Boden in der Hand der Bauern speichert Kohlenstoff. Daher muss mit dieser wertvollen Ressource besonders achtsam umgegangen werden. Der jetzige Bodenverbrauch mit rund 20 ha pro Tag ist nicht nur im Hinblick auf die künftige Ernährung Österreichs, sondern auch hinsichtlich des Klimaschutzes mehr als problematisch. Aktiver Bodenschutz ist effektiver Klimaschutz", stellte Schultes fest und forderte, dem rasanten Bodenverbrauch durch Versiegelung agrarischer Flächen endlich national und auf Länder-Ebene entgegenzuwirken.

Schutz für innovative Projekte

"Das billige Öl konterkariert alle unsere Bemühungen um erneuerbare Rohstoffe und Energie. Jetzt brauchen wir für unsere innovativen Projekte den entsprechenden Schutz, damit diese im Preiskrieg der Ölprinzen nicht verglühen", verlangte Schultes. "Eine effiziente, ressourcenschonende und wettbewerbsfähige Land- und Forstwirtschaft wirkt dem Klimawandel aktiv entgegen. Sie hat ihre Hausaufgaben gemacht und in den letzten zwei Jahrzehnten den Treibhausgas-Ausstoß deutlich gesenkt. Sie wird weiterhin beste Nahrungsmittel und wertvolle klimafreundliche Energie zur Verfügung stellen. Wenn nun Reduktionsverpflichtungen für einzelne Sektoren festgelegt werden sollen, muss diese Sonderrolle der Landwirtschaft anerkannt werden. So ist die Viehwirtschaft in weiten Teilen Österreichs die einzige Möglichkeit, Grünland sinnvoll zu nutzen und in Lebensmittel umzuwandeln. Unsere Bäuerinnen und Bauern sowie ihre Produkte, die jeder Mensch täglich braucht, dürfen daher nicht gefährdet werden. Für die Umsetzung der Pariser Klimaziele brauchen wir in der Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Österreich von unserer Bundesregierung einen verbindlichen Arbeitsplan mit erreichbaren Zielen", unterstrich der LK-Präsident.

Die Landwirtschaft ist das Klimaopfer Nummer eins in Österreich

Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Hagelversicherung zeigt auf, dass die Landwirtschaft das Klimaopfer Nummer eins ist. Der Job "Bauer" wird weiter schrumpfen, da er auf den Standort gebunden und zu rund 80 % vom Wetter abhängig ist. Alleine letztes Jahr gab es 175 Millionen Euro Dürreschäden in der Landwirtschaft in Österreich.
Gleichzeitig wird immer mehr Boden verbraucht: Pro Sekunde werden 2,5 m² landwirtschaftlicher Boden verbaut, bzw. versiegelt, d.h pro Tag 20 ha. Wenn wir so weiter tun, so gibt es in 200 Jahren keine Fläche mehr für die Landwirtschaft.

Eine vollkommene Energiewende ist notwendig

Josef Plank sagt bei seinem Eingangstatement: "Weltweit ist der CO² Ausstoß von Luftverkehr und der Containerschiffahrt von der Erfassung innerhalb der Blianzen ausgeschlossen, obwohl Containerschiffe soviel Stickoxyde wir alle KFZ`s der Welt verursachen.

"Österreich fehlt der Plan, wie wir CO² in allen Bereichen einsparen können. Ein Umstellen des Energiesystems fehlt. Beispielsweise kommt nur 1 % des Stromes aus Biogasanlagen, die ersten Verträge laufen nun nach 13 Jahren aus. Viele müssen dann aus Wirtschaftlichkeitsgründen aufhören und stehen vor dem finanziellen Ruin. In diese österreichweiten Anlagen wurden in Summe jedoch mehr als 800 MIO. investiert."

Eine Wende ist möglich

Einig waren sich die Experten, dass eine Wende möglich ist- jeder hat die Möglichkeit zu handeln.
Die Klimakonferenz in Paris setzte ein klares Zeichen, das heißt, dass wir fossile Rohstoffe verlassen müssen und den Kohlenstoffkreislauf wieder schließen müssen. Gerade die Landwirtschaft hat dazu einige Schlüssel in der Hand.

Artikel teilen: GastautorIn: W.J. Pucher für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /

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