Bild: © Rafał Dzed /pixabay.com

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Wasservögel überwintern immer seltener in Österreich

3.1.2016
BirdLife veröffentlicht Ergebnisse einer Langzeitstudie zu 45 Jahren Winterwasservogel-Monitoring in Österreich

Wien – Immer weniger Stockenten, Reiherenten oder Blässhühner finden sich im Winter an den österreichischen Gewässern ein. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich präsentiert heute die Ergebnisse einer 45 Jahre andauernden, österreichweiten Langzeitstudie über die Wasservogelbestände im Winter. Seit den 1970er Jahren werden alljährlich an Gewässern wie dem Rheindelta, am österreichischen Ufer des Bodensees, dem Inn, aber auch an Traun- und Attersee, den meisten Kärntner Seen und entlang der Donau und der Mur Wasservögel gezählt. Ziel der Studie ist es, die Hotspots für die nordischen Wintergäste an den österreichischen Gewässern zu bestimmen. Gleichzeitig wird auch deren Bestandsentwicklung dokumentiert. Die österreichischen Zahlen liefern damit auch wichtige Teil-Ergebnisse zur europaweit angelegten Winterwasservogelzählung, die in allen Ländern und jedes Jahr Mitte Januar von vielen engagierten und gut vorbereiteten Freiwilligen durchgeführt wird.

„Aktuell sprechen wir von etwa 131.000 Wasservögeln, die hierzulande überwintern. Dass sind an die hundert unterschiedliche Vogelarten wie verschiedene Enten, Schwäne, Möwen, Lappentaucher, Seetaucher, Reiher und Rallen“, so Norbert Teufelbauer, Projektleiter des Winter-Wasservogel Monitorings bei BirdLife Österreich. Von 1970 bis Ende der 1980er Jahre stiegen die Bestände stetig an und erreichten bei knapp 200.000 überwinternden Wasservögeln ihr Maximum. Seither ist der Trend abfallend. Ziel der Studie war es primär, die umfangreiche Datensammlung aufzubereiten und diese Langzeitentwicklung zu dokumentieren. Trotzdem haben die Experten einige mögliche Erklärungen parat.

Nahrungsverknappung und Klimawandel: Wasservögel bleiben im Norden

„Studien belegen, dass die Konzentration an Pflanzennährstoffen in

unseren Gewässern seit vielen Jahren abnimmt. Das ist eine Folge des verbesserten Gewässerschutzes, und natürlich begrüßenswert. Weniger Nährstoffe heißt aber auch, dass viele pflanzenfressende Wasservögel weniger Futter vorfinden“, erklärt Teufelbauer. Ein anderes Phänomen ist die Populationsentwicklung der Dreikantmuschel. Diese – mit einem anderen Namen treffend als Wandermuschel bezeichnet – wurde vom Schwarzen Meer ausgehend mit der Donauschifffahrt eingeschleppt und findet sich heute in fast allen Gewässern. „Auch die Dreikantmuschel ist eine beliebte Nahrungsgrundlage bei einigen überwinternden Wasservogelarten, zum Beispiel für die Reiherente oder das Blässhuhn. Wir nehmen an, dass die Bestände dieses Neozoons seit längerer Zeit abnehmen und somit eine weitere wichtige Nahrungsgrundlage zurückgeht.“, so Teufelbauer. Ein dritter wesentlicher Grund ist der Klimawandel.

Erwin Nemeth, Wissenschaftler bei BirdLife, erklärt: „Die bei uns überwinternden Wasservögel kommen aus dem Norden Europas, zum Teil sogar aus der Arktis, da die Gewässer dort im Winter normalerweise komplett zufrieren. Wenn dies aber durch die immer wärmer werdenden Winter nicht mehr der Fall ist, finden Arten wie Schellente oder Tafelente vor Ort ausreichend Futter und Lebensraum. Beispielsweise fror die nördliche Ostsee in letzter Zeit nur mehr teilweise zu und Arten, die normalerweise nach Mitteleuropa fliegen würden, können weiter im Norden überwintern. Wir in Österreich nehmen das als Bestandsrückgänge wahr, obwohl es sich eigentlich nur um Verlagerungen handelt.“

Citizen Science: ohne Freiwillige kein großangelegtes Monitoring von Vogelbeständen möglich

Die Grundidee der Winterwasservogelzählung ist es, die Bestände der Wasservögel, die in teilweise völlig unzugänglichen Gebieten der Arktis brüten, in ihren leichter begehbaren Winterquartieren – den heimischen Gewässern – zu erfassen. Die Zählung ist ohne einige hundert Freiwillige nicht zu bewältigen. Mit großem Einsatz – mitten im Januar, sonntags, bei eisigem Wind und Wetter – verbringen sie viele Stunden im Freien, um die Wasservögel zu zählen. Wasservögel sind für Hobby-Beobachter eine faszinierende Vogelgruppe und auch für Einsteiger gut geeignet: Sie sind generell groß, oft sehr bunt und leicht zu beobachten. „Auch ein Freizeit-Ornithologe kann Abschnitte einer Wasservogelzählung recht schnell erfassen, da die Vogelarten optisch leicht bestimmt werden können. Trotzdem sind Wind und Wetter eine Herausforderung. Wir sind allen Zählerinnen und Zählern sehr dankbar für den großen Beitrag, den sie zur Erforschung unserer Vogelwelt leisten“, so Teufelbauer von BirdLife.

Artikel teilen: GastautorIn: Mag. Bettina Klöpzig für oekonews.
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