© Nicolas Raymond /freepik.com
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Offener Brief an Umweltminister Andrä Rupprechter

zum Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen in Österreich

Wien

Sehr geehrter Herr Minister Rupprechter,

die unterzeichnenden Organisationen fordern Sie auf, Maßnahmen zur Sicherung von Mehrweggebinden in Österreich so rasch wie möglich umzusetzen. Dafür in Frage kommen das in Kooperation mit dem BMLFUW erarbeitete ÖkoBonus-Modell oder vergleichbare rechtlich verbindliche Maßnahmen mit konkreten und sanktionierbaren Zielen.

Wie Sie wissen, ist Abfallvermeidung oberster Grundsatz des österreichischen und europäischen Abfallrechts. Österreichs Entwicklung bei Getränkeverpackungen steht dazu jedoch in klarem Widerspruch. Der Einweganteil stieg in den letzten Jahren auf 70 Prozent, wobei nahezu ausschließlich in Einweg angebotene Getränke wie Wein, Spirituosen und Milch in diesem Wert nicht berücksichtigt sind.

Jährlich fallen in Österreich etwa vier Milliarden Dosen, Einwegplastikflaschen und andere Einwegverpackungen für Getränke als Abfall an. Einweg verbraucht dabei deutlich mehr Ressourcen und Energie als die gleiche Menge Flüssigkeit in Mehrweg-Gebinden. Dadurch belastet Einweg vor allem bei mittleren und kurzen Transporten die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei.

Der Einweganteil ist vor allem seit Einführung der PET-Einwegflasche und der Aufhebung der Getränkeverpackungs-Zielverordnung stark angestiegen. Seither setzt man in Österreich ausschließlich auf freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft. Der Einweganteil ist von 40 auf 70 Prozent gestiegen - ein Beleg dafür, dass die Freiwilligkeit nicht zu den gewünschten Erfolgen führt.

Das verbliebene Mehrwegangebot trägt überwiegend die Gastronomie. Im Einzelhandel fehlt hingegen zumeist die Wahlfreiheit der KonsumentInnen, sich für ökologisch vorteilhafte Mehrwegverpackungen zu entscheiden. Lediglich bei Bier und in geringem Maß bei Mineralwasser gibt es Mehrwegangebote im Handel. Bei allen anderen Getränkearten liegt der Mehrweganteil unter einem Prozent. Dadurch stehen österreichische Abfüller unter zunehmendem wirtschaftlichem Druck, ihrerseits auf Einweg umzustellen.

Zusammengefasst sind folgende negative Auswirkungen des Einweg-Anstiegs anzumerken:

Keine Wahlfreiheit für KonsumentInnen im Lebensmittelhandel Steigende Umweltbelastung, Abfallmengen und Ressourcenverbrauch durch Einweggetränkeverpackungen

Steigendes Littering-Problem (achtloses Wegwerfen) durch Getränkeverpackungen
Zunehmender wirtschaftlicher Druck auf österreichische Abfüller, die in Mehrweggebinden abfüllen

Gefährdung von regionalen Arbeitsplätzen im Mehrwegbereich

Dringender Handlungsbedarf

Angesichts obiger Argumente halten wir es für unverantwortlich, bei Mehrweg weiter auf die zahnlose freiwillige Selbstverpflichtung zu setzen. Wir schließen uns daher der Landesumweltreferentenkonferenz an, die bereits wiederholt nach "verbindlichen Rahmenbedingungen für den Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen inkl. konkreter und sanktionierbarer Ziele" verlangt hat.

Wir begrüßen zwar Bestrebungen der österreichischen Getränkewirtschaft zur Verringerung von klimawirksamen Emissionen sowie von Umweltschäden durch Einwegverpackungen. Diese stellen jedoch keinen Freibrief zur Produktion größerer Abfallmengen dar. Auch effektive Abfallverwertung kann konsequente Abfallvermeidung nicht ersetzen sondern nur ergänzen.

Um für die Zukunft ein Mehrweg-System in Österreich zu sichern, müssen gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden:

Verbindliche und sanktionierbare Regelungen zum Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen, insbesondere rechtliche Verankerung quantifizierbarer und messbarer
Ziele für Mehrweg

Deutlichere Kennzeichnung der Getränkegebinde, um den KonsumentInnen eine klare Unterscheidbarkeit zwischen Einweg- und Mehrweggebinden zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Thomas Alge
Geschäftsführer
ÖKOBÜRO - Allianz der Umweltbewegung

Im Namen von:
Österreichisches Ökologie Institut
Die Umweltberatung Wien
GLOBAL 2000
Greenpeace CEE


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