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Temelinausbau: Ein schlechter Jackpot?

30.12.2013
Jakub Siska: Für das neue Temelín werden wir zuschießen müssen

Der Bau von zwei neuen Reaktoren in Temelín ist zwar noch nicht in Sichtweite, dafür steigt aber der Preis, den die Steuerzahler dafür zahlen müssten, wie die Jackpotsummen im Casino. Vor einigen Monaten noch sprachen die tschechischen Politiker davon, dass die Elektrizität aus Temelín konkurrenzfähig sein müsse und dass eine staatliche Subvention nicht in Frage käme.

Der Konzern ČEZ hingegen machte als Investor darauf aufmerksam, dass bei den derzeitigen Preisen für den sogenannten Kraftstrom in Europa die (geplante) 200 bis 300 Milliarden tschechische Kronen teure Investition nicht ohne staatliche Garantien auskommen werde, wobei die Grenze der Rentabilität bei einem Verkaufspreis von etwa 75 Euro pro MWh gegeben sein soll. Wie das wirklich ist, zeigte sich kürzlich in Großbritannien.

Die dortige Regierung schloss mit dem französischen Konzern EDF einen Vertrag, laut dem für den Strom aus dem geplanten Atomkraftwerk in Hinkley Point ein Verkaufspreis pro MWh von etwa 100 Euro garantiert werden soll – inflationsgesichert und das 35 Jahre lang! Gegenwärtig liegt der Marktpreis für Kraftstrom bei ungefähr der Hälfte. Wie die Zeitung Hospodářské noviny herausgefunden hat, war dieses britische Modell auch für das tschechische Industrie- und Handelsministerium Inspiration, wo man für die neuen Temelínblöcke eine ähnliche Preisgarantie vorbereitet. Die Differenz, um welche die aktuellen Marktpreise für Strom niedriger sind als die garantierten 100 Euro, würde der Staat dem Konzern ČEZ vergüten müssen. Das könnten bei vollem Leistungsumfang theoretisch bis zu 35 Milliarden Kronen jährlich sein.

Die britischen Ökonomen schütteln über diese Entscheidung ihrer Regierung den Kopf. Das Wirtschaftsanalyseinstitut Liberum Capital zum Beispiel bewertet sie als schlicht unvorteilhaft. Die Regierung in London hingegen setzte sich zum Ziel, bis zum Jahre 2050 alle CO² produzierenden Energiequellen außer Betrieb zu nehmen, womit dann neben den erneuerbaren Quellen nur mehr Atomkraft übrig bleiben würde. Als Inselstaat ist Großbritannien darüber hinaus auch stark von den heimischen Energiequellen abhängig.

Tschechien gehört hingegen zu den größten Stromausfuhrländern Europas. Letztes Jahr betrug der Saldo zwischen Ausfuhr und Einfuhr etwa ein Fünftel. Absolut gesehen wird ungefähr das Eineinhalbfache der Produktion der beiden bestehenden Temelínblöcke exportiert. Auch nach der geplanten Abstellung einiger Kohlekraftwerke würde noch kein Strommangel drohen, wie zum Beispiel eine Studie der Firma Candole Partners aufzeigt. Problematisch ist auch die Prognose des für die Zukunft vorausgesagten Wachstums der Nachfrage nach Elektrizität.

In Europa nimmt dank der Entwicklungen im Bereich der Solartechnik auch für Kleinabnehmer, welche den selbst hergestellten Strom zunehmend auch speichern können, der Trend zur Energieautarkie rasch zu. Eine neue Strömung, die von der Statistik noch gar nicht wirklich und systematisch erfasst werden konnte. In Deutschland schätzt man, dass die Selbstversorgung bei Strom derzeit bereits etwa 10 % erreicht und jährlich um mehrere Prozent zunehmen wird. Das führt einerseits zu einem weiteren Absinken des Kraftstrompreises (an der Börse), wie andererseits auch zum fortgesetzten Trend eines zunehmend höheren Anteils der Erneuerbaren Energiequellen (am gesamten Energiemix). Es ist also gut möglich, dass auch die aktuell diskutierten (garantierten) 100 Euro pro MWh für einen rentablen Betrieb in Temelín nicht ausreichen werden.

Artikel teilen: GastautorIn: Jakub Siska Übersetzung: Bernhard Riepl für oekonews.
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