Bild: © LHC Kritik

Bild: © LHC Kritik

Urknallmaschine LHC am CERN vor "Weltuntergang" abgestellt

20.12.2012
SHUTDOWN: NO BEAM

Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC des Kernforschungszentrums CERN in Genf geht heuer etwas früher als gewöhnlich in die Weihnachtspause. Vermutlich will sich CERN bezüglich diverser Weltuntergangsspekulationen um den 21. Dezember aus dem Spiel nehmen. Dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen Problematik und dem letztendlich unbekannten Risiko des Projekts. Manche Kritiker halten den LHC gegenwärtig für das größte von Menschenhand geschaffene Risiko für den Planeten Erde.

Am Large Hadron Collider werden Protonen und schwere Blei-Ionen bei annähernder Lichtgeschwindigkeit kollidiert, um "seltene Ereignisse" und Zustände von Materie wie "Sekundenbruchteile nach dem Urknall" künstlich zu erzeugen. Es handelt sich um ein nuklearphysikalisches Hochenergieexperiment noch nie dagewesenen Ausmaßes. Gefährlich sei das natürlich nicht - dies behauptet zumindest eine vom Betreiber selbst eingesetzte teilchenphysikalische Expertenrunde.


Am 17. Dezember lautete die LHC-Statusmeldung: "End of operation for 2012. See you again briefly for p-pb at 2013. High energy proton proton physics will be resumed in 2015. So long and thanks for all the fish!" Soll heißen: Der LHC ist abgestellt. 2013 werden noch kurz Protonen mit schweren Blei-Ionen kollidiert. Nach einer aufwendigen und sehr kostspieligen Reparatur soll der LHC ab 2015 mit viel höheren Energien als bisher betrieben werden. Der letzte Satz ist eine Anspielung auf die Science-Fiction Serie "Per Anhalter durch die Galaxis".


Auf der anderen Seite fühlt sich der Chaostheoretiker Otto Rössler nach wie vor unverstanden, sieht ein erhebliches Risiko durch die auch von CERN für möglich gehaltene Entstehung Schwarzer Löcher im Miniaturformat und appelliert mitunter verzweifelt an alle möglichen Stellen. Die Gruppe LHC-Kritik ( www.LHC-concern.info ) und Eric Penrose (Sohn des bekannten Mathematikers, Kosmologen und Hawing-Kollegen Sir Roger Penrose) haben mehrere detaillierte Zusammenfassungen der wissenschaftlichen Risikodiskussion erarbeitet. Eric Penrose widmete sich insbesondere dem "Strangelet"-Risiko . Vor kurzem auf das Risiko durch Teilchenbeschleuniger angesprochen zeigte sich Sir Roger Penrose durch die kritischen Arbeiten seines Sohnes zwar nicht unbedingt alarmiert, es sei aber alles andere als trivial, diese Fragen zu stellen, meinte er. Von einer absoluten Sicherheit könne nicht ausgegangen werden.

Der LHC erzeugt in 10 Jahren Laufzeit auf kleinstem Raum und unter extremen Bedingungen ebenso viele hochenergetische Teilchenkollisionen, wie sie sich durch kosmische Strahlen im Laufe von 400.000 Jahren – stets vereinzelt und unter natürlichen Bedingungen - in der gesamten Erdatmosphäre ereignen. Der Versuchsaufbau ist also keineswegs mit einem Nachstellen völlig natürlicher Ereignisse gleichzusetzen, sondern stellt vielmehr eine extreme künstliche Manipulation an den Grundbausteinen der Materie dar.

Eine multidisziplinäre und externe Risikoprüfung, wie etwa vom Risikoforscher und Ethiker Mark Leggett gefordert, oder eine Sonderumweltverträglichkeitsprüfung, wie vom bekannten Risikoforscher Wolfgang Kromp vorgeschlagen, ist nach wie vor ausständig. Weder CERN, noch die Mitgliedsstaaten, noch internationale Organisationen wie die UNO haben diesbezügliche Schritte bislang eingeleitet. Was in der kommerziellen Nutzung der Nuklearenergie mittlerweile zum Standard gehört, ist in der Forschung an gigantischen "Urknallmaschinen" immer noch nicht angekommen.


LHC-Kritik – Netzwerk für Sicherheit an experimentellen (sub)nuklearen Reaktoren.

Artikel teilen: GastautorIn: LHC-Kritik für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /

Artikel senden Artikel drucken