© Thomas Meinert pixelio.de
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Den Wert der Natur erkennen

Das Bundesamt für Naturschutz befürwortet Zahlungssysteme für Ökosystemleistungen und das Engagement von Unternehmen

München - Natur hat ihren Wert, aber nur selten zahlt jemand für ihre Nutzung. Weil Ökosystemleistungen wie frisches Wasser, saubere Luft, Bestäubung, Klimaregulierung oder Küstenschutz bei Unternehmen keine Kosten verursachen, kümmert sie der Verbrauch dieser Leistungen wenig. Dabei sind Gesellschaft und Wirtschaft gleichermaßen von den Folgen zerstörter Ökosysteme betroffen. Um Unternehmen für den Wert des ‘Naturkapitals’ zu sensibilisieren veranstaltet das Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf der großen Rio+20 Folgekonferenz SusCon (27. bis 28. November) eine Themensession, in der ein besonderer Finanzierungsmechanismus zur Erhaltung der Leistungen der Natur diskutiert werden soll: Payments for ecosystem services (PES).

Die Natur bindet Kohlenstoffdioxid und liefert saubere Luft sowie Erholungsoasen für gestresste Großstädter. Allein Insekten leisten jährlich einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 110 Milliarden Euro an Bestäubungsdiensten. Dies ist eine von vielen Erkenntnissen zum ökonomischen Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft, die die TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) zusammengetragen hat. Unternehmen und Verbraucher verwenden das reichhaltige Angebot an Naturkapital allerdings häufig nicht auf nachhaltige Weise. Noch fehlt es an Verständnis und Anreizen, damit Unternehmen in den Erhalt von Ökosystemen investieren.

Nach Ansicht des BfN engagieren sich bisher zu wenige Unternehmen, die auf Ökosystemleistungen angewiesen sind, aktiv, vor allem weil der Zusammenhang zwischen der Erhaltung von Ökosystemleistungen und dem Marktprodukt der Unternehmen häufig noch nicht erkannt wird. Dabei ist in vielen Fällen eine vielfältige, gesunde Natur Grundlage unternehmerischer Existenz. Firmen sind genau wie Verbraucher auf Wasser, Holz, Boden oder andere natürliche Rohstoffe angewiesen.

Daher befürwortet das BfN, dass Unternehmen wie Verbraucher für die Nutzung von Ökosystemleistungen, wie beispielsweise Kohlenstoffbindung, Wasserreinigung oder die Bereitstellung von nachhaltig produzierter Nahrung finanziell aufkommen, wenn dies Kosten verursacht. Die Zahlungen für Ökosystemleistungen (PES) sollten direkt in den Erhalt der Ökosysteme zurückfließen, um eine dauerhafte Erhaltung des Naturkapitals zu sichern.

PES sollen freiwillig und für eine eindeutig definierte Ökosystemleistung, die mindestens ein ‚Käufer‘ nachfragt und die mindestens ein ‚Verkäufer‘ anbietet, geleistet werden. Dabei muss der Verkäufer die Erbringung der Ökosystemleistung dauerhaft sicherstellen, wie das BfN in einem SusCon-Papier erklärt. Das BfN ist der Meinung, dass es Potenzial für weitere PES-Projekte gibt, auch solche, die nicht nur auf Kohlenstoffbindung und Wasserreinigung ausgerichtet sind, sondern auch den Schutz der biologischen Vielfalt zum Ziel haben. Es befürwortet, dass sich Unternehmen für dieses Thema öffnen und dabei eigene Ideen einbringen.

In der Themensession ‘Payments for ecosystem services – A way for companies to ensure nature’s services as a foundation of their business’ erarbeitet das BfN daher gemeinsam mit Experten, Unternehmens- und NGO-Vertretern, wie Biodiversitätsschutz stärker in Zahlungsmodelle für Ökosystemleistungen integriert werden kann.

Leitfragen sind:

* Welches Spektrum an PES besteht und wie können sie Zusatznutzen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt erbringen?
* ie werden PES für Unternehmen attraktiv?
* Welche Erfolgsfaktoren bereits etablierter PES-Projekte bestehen und wie lassen sie sich übertragen?
* Welche Art von Partnerschaften, etwa zwischen NGOs und Unternehmen, sind notwendig, um PES zu einer dauerhaften Finanzierungsquelle für den Naturschutz zu machen?

Mehr Infos unter www.suscon.net


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