Streit um das Wiederhochfahren zweier Reaktoren des AKW Oi in Japan
29.6.2012Reaktoren sollen im Juli wieder ans Netz gehen
Anfang Mai war in Japan kein einziges AKW mehr im Betrieb. Premierminister Yoshihiko Noda hat dann jedoch am 8. Juni das Wiederhochfahren zweier Reaktoren in Oi (Fukui, Westjapan) für notwendig erklärt. Die beiden Reaktoren sollen Anfang bis Mitte Juli wieder ans Netz gehen. Die Standortgemeinde Oi hat diesem Entscheid zugestimmt. Die Gemeinde ist wirtschaftlich sehr stark von der Atomindustrie abhängig. Der Stadtpräsident ist zugleich Inhaber eines Unternehmens, das von AKW-Betreibern grosse Aufträge erhält. Prämierminister Noda will mit dieser Entscheidung «das Leben der Bevölkerung schützen». Dies sei die grösste Verantwortung des Staates. Obwohl es nach seinen Worten keine absolute Sicherheit gibt, hat er Massnahmen angeordnet, die im Fall eines Erdbebens oder Tsunamis eine Kernschmelze verhindern sollen. Noda möchte die beiden AKW auch nach dem Sommer, also nach der Spitzenbedarfsperiode in Japan, weiterbetreiben. Die Sicherheitsmassnahmen sind bisher nur teilweise ausgeführt worden. Eine Wartezeit von mehreren Jahren wird in Kauf genommen. Für den Fall einer notwendigen Evakuation gibt es nur eine einzige Fluchtstrasse. Der Verdacht, der AKW-Komplex befinde sich auf einer aktiven geologischen Verwerfungslinie, wurde bis jetzt nicht widerlegt. Die Metropolen Kyoto und Osaka befinden sich innerhalb der 100 Kilometer Zone. In ganz Japan gibt es laufend Demonstrationen der Bevölkerung gegen das Wiederhochfahren der AKW und zahlreiche Petitionen werden eingereicht. Der Anlagebetreiber und Stromversorger Kansai-Electricity verfügt über das Strommonopol in der Metropolenregion und droht mit einer zeitweisen Stromabschaltung. Diese Ankündigung hat die Unternehmer der Region verunsichert, womit grosser politischer Druck aufgebaut werden konnte.
Quelle: Rede der Prämierminister Noda vom 8.6.
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http://www.kantei.go.jp/foreign/noda/statement/201206/08kaiken_e.html
Recherchiert von Kaori Takigawa
Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung SES
Die Schweizerische Energie-Stiftung SES setzt sich dafür ein, dass der Super-GAU in Fukushima nicht vergessen geht. Dank der japanischen Fachjournalistin Kaori Takigawa dürfen wir Ihnen Aktualitäten & Hintergründe aus Japan liefern.
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