Ausstellung zur Atommuell-Problematik: "Morsleben - Geschichte eines umstrittenen Atomprojekts"
25.5.2012Das frühere Atommüll-Endlager der DDR im Brennpunkt
Magdeburg/Doebeln - Vom 1. bis 30. Juni ist die Ausstellung "Morsleben -
Geschichte eines umstrittenen Atomprojekts" im Café Courage, Bahnhofstr. 56, in Doebeln zu sehen. Thema ist das fruehere zentrale Atommuell-Endlager der DDR, das an der innerdeutschen Grenze im heutigen Sachsen-Anhalt lag. Die Ausstellung behandelt Ost- und Westgeschichte in Hinblick auf die Atomanlage, Sicherheitsprobleme, den Einsatz der Stasi, Einlagerungen und andere Themen.
Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Jede Woche befasst sich ein Themenabend mit anderen Aspekten der ungeloesten Atommuellproblematik. Dazu sind Referent*innen aus verschiedenen Teilen der BRD eingeladen. "Morsleben - Geschichte eines umstrittenen Atomprojekts" wurde mit Unterstuetzung u.a. von der sachsen-anhaltinischen Landeszentrale fuer politische Bildung und der frueheren Landesbeauftragten fuer die Stasi-Unterlagen Sachsen-Anhalts von Greenkids e.V. produziert. Seit der ersten Praesentation im Jahr 2004 haben sich etwa 30.000 ein Bild von der prekaeren Lage und umstrittenen Vergangenheit der Anlage verschafft. In Doebeln wird
jetzt eine ueberarbeitete und aktualisierte Ausstellung gezeigt.
"Morsleben ist Paradebeispiel fuer die gescheiterte Entsorgung von Atommuell", sagt Falk Beyer von Greenkids e.V. "Die grundsaetzlichen Sicherheitsprobleme sind auch in anderen Atommuelllagern nicht viel anders als in Morsleben, obwohl akute Einsturzgefahr und das Eindringen von Wasser an mehr als 20 Punkten ein herausragend katastrophales Ausmass darstellen. Mit der Ausstellung wollen wir
die Unloesbarkeit des Atommuellproblems verdeutlichen und Buerger*innen dazu aufrufen, kritisch gegen die Plaene der Bundesregierung aufzutreten, die den Muell in der 'Tropfsteinhoehle' fuer alle Ewigkeiten belassen will."
Aktuelle Brisanz erhaelt die Ausstellung auch durch die Debatte um das Endlagersuchgesetz der Bundesregierung. In diesem Rahmen werden auch moegliche zukuenftige Standorte in anderen Bundeslaendern eroertert. Die Ausstellung und das Begleitprogramm zeigen einige Probleme und Herausforderungen auf, die auch mit dem neuen Atommuelllager wieder
anstehen.
Im Atommuelllager Morsleben befinden sich ueber 36.000 m³ sogenannten niedrig- und mittelradioaktiven Atommuells sowie mehr als 6.000 Strahlenquellen, die zum Teil als hochradioaktiv betrachtet werden. Der groesste Teil davon wurde innerhalb von nur vier Jahren von der BRD in Morsleben eingelagert. Das "Tafelsilber der deutschen Einheit", wie Morsleben polemisch bezeichnet wurde, rettete damit die westlichen Atomreaktoren vor der Verstopfung. Deren Zwischenlager waren Anfang der 1990er Jahre ueberfuellt und eine Loesung war nicht in Sicht. Die radioaktiven Abfaelle wurden in Faessern gestapelt, in Bohrloechern versenkt, lose verkippt und fluessig versprueht.
Greenkids e.V. arbeitet seit 2003 intensiv am Thema Morsleben und hat neben der Ausstellung und mehreren Fachpublikationen auch die groesste unabhaengige Sammlung von Dokumenten zur Geschichte der Atomanlage im "Morsleben-Archiv" zusammen getragen. Diese Arbeiten erfolgen im Kontext des Forschungsprojekts zur Geschichte Morslebens, das bei Greenkids e.V. angesiedelt ist.
Ueber den bisherigen Ausstellungsfahrplan informiert die Internetseite greenkids.de/morsleben . Dort sind auch Publikationen mit tiefergehenden Informationen zur Geschichte des Atommuelllagers in Morsleben und zu Sicherheitsaspekten zu finden.
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