Bild: © GPH -Dr. Demacsek (GF GPH), GenDir. Mag. Url (Raiffeisen Bausparkasse), Dr. Czerny (Donau-Universität Krems), LAbg. Mag.  Chorherr (Die Grünen), SR DI Dr. Pöhn (MA 39) und BauDir HR DI  Morwitzer (Amt d. NÖ Landesreg.).

Bild: © GPH -Dr. Demacsek (GF GPH), GenDir. Mag. Url (Raiffeisen Bausparkasse), Dr. Czerny (Donau-Universität Krems), LAbg. Mag. Chorherr (Die Grünen), SR DI Dr. Pöhn (MA 39) und BauDir HR DI Morwitzer (Amt d. NÖ Landesreg.).

Fachveranstaltung: "Auf Kurs in Richtung 2020"

26.4.2012
Hochkarätige Experten lieferten eine aktuelle Standortbestimmung Österreichs im Kontext zu den ambitionierten Klima-Zielen der Europäischen Union.

Wien - Mehr als 100 Teilnehmer aus den Bereichen Baustoffindustrie, Planung und Architektur, Immobilien- und Hausverwaltung, Wohnbauträger und Energieberatung folgten am 18.4. der Einladung zur Fachveranstaltung "Auf Kurs in Richtung 2020" in den Rudolf Sallinger-Saal der WKO in Wien, zu der die GPH Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum, Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, ZIB Zentralverband Industrieller Bauproduktehersteller und der Fachverband Steine-Keramik geladen hatten.

Dr. Margarete Czerny (Donau-Universität Krems), LAbg. Mag. Christoph Chorherr (Die Grünen), GenDir. Mag. Manfred Url (Raiffeisen Bausparkasse), BauDir HR DI Peter Morwitzer (Amt der NÖ Landesregierung) und SR DI Dr. Christian Pöhn (Magistratsabteilung 39) beleuchteten in ihren Vorträgen eindrucksvoll den Status Quo Österreichs hinsichtlich der Einsparungsziele bei den Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich und lieferten Denkanstöße für eine Kurskorrektur.

So ist Christoph Chorherr davon überzeugt, "dass wir politisch auf allen Ebenen - auch in Wien - weit davon entfernt sind, mit den momentanen Sanierungsraten in den Bereich zu kommen, der seitens EU kurz-, mittel- und langfristig gefordert wird. Die Sanierung braucht Fördermittel und Fördermittel werden immer knapper." Chorherr glaubt, "dass das mit Förderung alleine nicht geht. Ohne Ordnungspolitik wird es nicht möglich sein die Sanierungsrate zu erhöhen."

Margarete Czerny unterstrich in ihren Ausführungen, "dass zur Erreichung der Kioto-Ziele die gesetzten Maßnahmen zu kurz greifen. Österreich muss Emissionszertifikate zukaufen, seit 2008 bis heute insgesamt in der Höhe von rund 530 Millionen Euro. Derzeit werden ca. 89 Millionen Tonnen CO2 emittiert, um 20 Millionen Tonnen mehr als im Kiotoprotokoll vereinbart. Wenn nicht massiv gegengesteuert wird, steigt der Zukauf von Verschmutzungsrechten in einem hohen Maße weiter." Der Zukauf der Emissionsrechte sei nicht nur nicht inlandwirksam sondern leiste auch keinen Beitrag zur heimischen Konjunkturbelebung. "Statt der hohen Strafzahlungen", so Czerny, "wäre eine Forcierung der Anreize und Ausweitung der Sanierungsförderungen zur Investitionsankurbelung im thermisch-energetischen Bereich sinnvoller," und regt dabei den Aufbau von Landeswohnbaufonds nach dem Salzburger Modell an. "Auch steuerliche Anreizsysteme könnten zur Förderung der thermischen Sanierung zweckmäßig sein." Zudem plädiert die Wohnbau-Expertin für die Einführung einer "Mindestrücklage für thermische Sanierung" um für künftige Sanierungsmaßnahmen Kapital für Sanierungsinvestitionen des Gebäudebestandes zur Reduktion von CO2-Emissionen anzusparen. "Nicht Einschränkung der Investitionstätigkeit sondern Verbesserung der Rahmenbedingungen für thermische Sanierungstätigkeit ist ein Gebot der Stunde," so Czerny abschließend.

Manfred Url plädierte dafür, dass es einer Förderquote von 30 % bedürfe, um einen echten Anreiz zur Sanierungs-Ankurbelung zu setzen. "Derzeit", so Url, "wird mit dem Sanierungsscheck ein Zuschuss von max. 20 % der förderungsfähigen Kosten gewährt. Betrachtet man allerdings die tatsächlichen Investitionskosten, liegt die Förderung lediglich bei ca. 10 %. Die Bausparkassen sind ein wichtiger Financier des Neubaus und der thermischen Sanierung. Auch nach Kürzung der Bausparförderung muss daher das Finanzierungsniveau gehalten werden. Der Neubau und die thermische Sanierung brauchen zusätzliche Impulse durch die öffentliche Hand."

Peter Morwitzer gab einen Überblick über den Ist-Zustand bei der Sanierung von Wohnungen und Eigenheimen in Niederösterreich. "Dabei ist es im Bereich der Eigenheimsanierung in Niederösterreich zu einer Senkung der durchschnittlichen Energiekennzahl infolge der Förderungsmaßnahmen von 250 auf 80 kWh/m2a gekommen. Seit 2004 kam es im Jahresschnitt zur Förderung von 9.750 Eigenheimen," so Morwitzer. Bei der Wohnungssanierung reduzierte sich die durchschnittliche Energiekennzahl infolge von Sanierungsmaßnahmen von 113 auf 37 kWh/m2a. Im Jahr 2011 wurden in Niederösterreich 3.713 Wohnungen thermisch saniert. Morwitzer präsentierte aber auch zwei gelungene großflächige Generalsanierungs-Projekte: "die Landesberufsschule Langenlois und die Hauptschule Langenzersdorf, die mit einem Einsparungspotenzial von 75 % 2011 den "Green Building Award" erhielt."

"Kostenoptimale Anforderungen an den Wärmeschutz", so lautete der Vortrag von Christian Pöhn, der diese zum Schluss der Fachveranstaltung auch eindrucksvoll in eine mathematische Formel zu verpacken wusste. Zuvor erläuterte der Leiter des Bauphysiklabors der MA 39 wortgewaltig wohin die Reise geht - Stichwort Gesamtenergieeffizienz. Und konnte dabei nicht umhin ein paar Gedanken zum Thema "Gründerzeithaus" anzubringen: "Überall dort, wo ein Wiener sagt, man sollte mit der Gründerzeit etwas machen, muss man sofort in Deckung gehen, weil man macht offensichtlich das Stadtbild kaputt." Pöhn ist der Überzeugung, dass man über Maßnahmen nachdenken muss. "Wenn man bei einem Gründerzeithaus all jene Bereiche angreift, die man problemlos angreifen kann (oberste Geschoßdecke, Kellerdecke, Hoffassade), und das Lüften einer kontrollierten Wohnraumlüftung überlässt, dann können wir den Zielwert zwar nicht ganz erreichen, weil wir zugunsten des Stadtbildes die Fassade nicht saniert haben, aber das ist ein sehr vernünftiger Kompromiss, über den es nachzudenken gilt."

Artikel teilen: GastautorIn: GPH für oekonews.
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