Solarkraftwerk auf Lawinenverbauungen
4.2.2012Testanlage in der Bündner Gemeinde St. Antönien auf bestehenden Lawinenverbauungen realisiert
St. Antönien- Bereits vor rund eineinhalb Jahren hat die Bündner Gemeinde St. Antönien an der Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit für das innovative Photovoltaik-
Projekt bewilligt. Da der technische Anspruch an ein Solarkraftwerk auf Lawinenverbauungen besonders hoch ist, wurde in einem ersten Schritt eine Testinstallation als Forschungs- und Pilotanlage gebaut.
Bestätigt sich die Praxistauglichkeit und entsprechen alle Messungen der relevanten
Daten den Erwartungen, wird heuer mit der ersten Bauetappe begonnen. Bereits 2013 könnte ein Teil des Solarkraftwerks realisiert werden und der erste Solarstrom von den Lawinenverbauungen oberhalb von St. Antönien ins Netz fliessen. «Lawinenverbauungen sind für photovoltaische Solarkraftwerke der perfekte Standort. Natürlich sind die extremen klimatischen Bedingungen für die Ingenieure eine grosse Herausforderung », erklärt Roland Frei, Geschäftsführer und Mitinhaber der Solar-Ingenieurfirma energiebüro ag in Zürich die «knifflige» Aufgabe.
Im Endausbau kann das Solarkraftwerk an den bestehenden Lawinenverbauungen in St.
Antönien eine Leistung von 3.5 Megawatt erreichen und rund 4’500 Megawattstunden
elektrische Energie pro Jahr liefern. Damit können rund 1’200 Haushaltungen mit Strom
versorgt werden, was dem grössten Teil des Prättigaus entspricht.
Vorreiter-Projekt für den gesamten Alpenraum
Dieses Solarkraftwerk-Projekt, das finanziell von der Gemeinde St. Antönien, energiebüro
ag und den neu gewonnenen Kooperationspartnern Repower AG sowie sol-E Suisse AG
(Tochtergesellschaft der BKW Energie AG) getragen wird, ist für den gesamten Alpenraum
wegweisend. Die Sonnen-Einstrahlung auf dieser Höhe, wo kaum Nebel herrscht, ist
ähnlich hoch wie etwa in Süditalien. Dank der Kälte ist der Solarertrag aber viel höher, der
Schnee sorgt im Winter für zusätzliche Reflexion.
«Wir sind stolz, das wir aufwändige Verhandlungen abschliessen konnten und unser
Projekt in der nächsten Runde ist», sagt Heinz Rieder, Gemeindepräsident von St.
Antönien. «Wir leisten einen ökologischen Beitrag und werten unsere Region und unser
Image stark auf. Dank der Nutzung bestehender Infrastrukturen kommt es ausserdem zu
keinem zusätzlichen Eingriff in die Landschaft.»
Die Einspeisung des Solarstroms in das öffentliche Stromnetz ist bei der bestehenden
Trafostation St. Antönien-Aschüel vorgesehen. Alle Stromleitungen von und zu den
Transformatoren des Solarkraftwerks sowie vom Solarkraftwerk zur Trafostation werden
unterirdisch geführt. Die Leitungen sind somit nicht durch Lawinen oder Tiere gefährdet
und ändern das Landschaftsbild nicht.
Quelle: energiebüro ag
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