© oekom verlag
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Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt

Urban Gardening macht eine andere Welt pflanzbar

‘Nomadisch grün’ mit den ‘Prinzessinnengärten’ in Berlin, gemeinsam in der Erde buddeln in den Münchner ‘Krautgärten’, Verkehrsinseln, die sich durch nächtliches Guerilla Gardening in Gemüsebeete verwandeln; ob Kiezgärten, Gemeinschaftsgärten oder interkulturelle Gärten – weltweit treiben urbane Gartenprojekte bunte Blüten, von New York bis Tokio, von Berlin bis Leipzig. Nicht nur Michelle Obama bewirtschaftet ihren Gemüsegarten im Weißen Haus; gerade junge, der Natur angeblich völlig entfremdete Großstädter wollen ihre Lebensmittel wieder selber säen und ernten, statt sie im nächsten Supermarkt zu kaufen. Urban Gardening ist in und die Gärten kehren in die Städte zurück. Der Sammelband ‘Urban Gardening’, herausgegeben von Christa Müller (geschäftsführende Gesellschafterin der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis und Leiterin der Stiftung Interkultur), der am 8. März im oekom verlag (ISBN 978-3-86581-244-5) erscheint, bietet erstmals einen umfassenden Überblick über Hintergründe und Auswüchse der neuen florierenden Gartenbewegung. Die Autorinnen und Autoren präsentieren verschiedene Gartenprojekte, Protagonisten und Aktivisten berichten über ihre Erfahrungen und Visionen, Experten untersuchen die gesellschaftspolitischen und sozialen Hintergründe eines neuen Trends – denn Urbane Landwirtschaft ist viel mehr als nur eine Modeerscheinung einiger LOHAS.

Die eigenen Lebensmittel mitten in der Stadt anbauen

Die eigenen Lebensmittel mitten in der Stadt anzubauen, städtische Brachflächen in Nutzgärten umzuwandeln, die mühsam herangezogene Ernte mit anderen zu teilen und gemeinsam zu verzehren – all das erscheint in Zeiten der zunehmenden Virtualisierung aller sozialen Kontakte eher ungewöhnlich. Doch die Diskussionen um die globale Ressourcenkrise, um die Skandale der industriell betriebenen Nahrungsmittelproduktion haben bei vielen Großstadtbewohnern zu einer ‘Rückkehr zur Natur’ der anderen Art geführt – eine neue Lust am Gärtnern, eine Sehnsucht nach dem Selbermachen ist zu beobachten. Längst geht sie über das Ziel der ersten New Yorker Community Gardens hinaus, die auch Menschen mit geringem Einkommen mit gesunden Lebensmitteln versorgen sollten, längst ist daraus eine weltweite Bewegung geworden, die auch in Deutschland an vielen Orten aufblüht: produktive Stadtlandschaften wie die ‘Essbare Stadt Kassel e.V.’, Berliner Bauern- und Gemeinschaftsdachgärten oder die Initiative Mundraub.org mit dem Motto ‘freies Obst für freie Bürger’. Mit ihr ist ein neues Urbanitätsverständnis verbunden, Menschen verschiedener Kulturen und sozialer Hintergründe finden im gemeinsamen Jäten und Graben zueinander, übernehmen wieder gemeinsam Verantwortung. Urbane Gärten werden zu Orten einer neuen Politik gegen die Ökonomisierung der Gesellschaft – und verbessern ganz nebenbei auch noch das Klima unserer Städte. ‘Urban Gardening’ spürt diesem Trend nach; Soziologen, Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Gartenaktivisten geben darin einen umfassenden Überblick über die Hintergründe, Ziele und Visionen einer florierenden Bewegung, in der die Menschen sich die Stadt als Lebensraum zurückerobern.
‘Die neuen Gärten stehen für Teilhabe und Partizipation in einer grünen und produktiven Stadt, für die Wiederaneignung von Kulturtechniken der Kooperation, für die Wertschätzung von Landwirtschaft und Ernährung, von den Grundlagen des Seins.’


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