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Kritische Anfrage an CERN-Mitgliedsstaaten und CERN Council betreffend LHC-Sicherheit

Mehrere Experten orten erhebliche Mängel im Sicherheitsreport zum Urknallexperiment

Internationale Kritiker der für demnächst geplanten Hochenergieversuche am Teilchenbeschleuniger LHC des CERN in Genf haben sich mit einer Anfrage an die Wissenschaftsminister der CERN-Mitgliedsstaaten und an die Delegierten zum obersten Gremium des CERN gewandt, dem CERN-Council.

In der Anfrage werden zahlreiche unabhängige Wissenschaftler und Studien zitiert, welche die von CERN getätigten Sicherheitsgutachten als unzureichend beschreiben. Insbesondere wird kritisiert, dass der offizielle Sicherheitsbericht, auf den sich auch die CERN Mitgliedsstaaten stützen, nicht von neutraler Seite erstellt wurde. Hierbei wird u.a. auf Studien und Zitate von Wissenschaftlern der Universitäten Oxford, Griffith und North Dakota verwiesen. Es handelt sich dabei um angesehene Wissenschaftler aus den Bereichen Risikoforschung, Philosophie, internationales Recht und Physik.

Um die geplanten Versuche sicherer zu gestalten, bräuchte es neben einer neutralen und multidisziplinären Risikoevaluierung auch weitere astrophysikalische Experimente, damit gängige Sicherheitsargumente der Betreiber empirisch besser abgesichert werden können. Dies betrifft etwa die angebliche Vergleichbarkeit der Experimente mit natürlichen Teilchenkollisionen.

Selbst wenn man von der Vergleichbarkeit mit natürlichen Ereignissen ausginge, heißt es in dem Text, dann würde der LHC in seiner gesamten Laufzeit so viele hochenergetische Teilchenkollisionen auf engstem Raum produzieren, wie sie in der gesamten Erdatmosphäre größenordnungsmäßig in etwa 100.000 Jahren stattfinden. Die Natur betreibe – zumindest in Erdnähe – keine LHC-Experimente. Deshalb sei auch keine direkte Vergleichbarkeit gegeben.

In der Anfrage heißt es weiter, dass mehrere existentielle Risikoszenarien gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden können. Unter den derzeitigen Bedingungen sprechen sich die Kritiker gegen einen Betrieb des LHC aus, vor allem auf bislang unerreichtem Energieniveau.

Auch unter stark verbesserten sicherheitsrelevanten Voraussetzungen sei von einer sprunghaften Erhöhung der Kollisionsenergien generell abzusehen. Vielmehr wären vor jeder schrittweisen Energieerhöhung die angefallenen Resultate genau zu analysieren.

Ungeachtet dessen beabsichtigen CERN und die verantwortlichen Mitgliedsstaaten offenbar auch die zuletzt erwähnte relativ leicht machbare Sicherheitsmaßnahme zu unterlassen, zumal eben die ersten Kollisionen bei 3,5 TeV pro Strahl, also dem Dreifachen bisheriger Rekorde, für 30. März angekündigt wurden.

Laut mittelfristigem Fahrplan soll der LHC dann für 18 – 24 Monate auf diesem Energieniveau operieren und im diesjährigen Herbst schwere Blei-Ionen zwecks Erzeugung umso exotischerer Materieformen kollidieren, um im Jahre 2012 vorübergehend stillgelegt und um Milliarden SFR zum Betrieb mit noch einmal doppelt so hohen Energien aufgerüstet zu werden. Als ob hierbei für eine externe und multidisziplinäre Risikoprüfung keine Mittel mehr übrig blieben.

Die Hochenergieexperimente an subatomaren Beschleunigeranlagen und das Spiel mit dem Urknall bleiben somit bis auf weiteres, wie es ein in der untenstehenden Kommunikation zitierter Autor auf den Punkt brachte, ’a hole in Earth’s defenses’.

Die konzise kritische Anfrage betreffend Sicherheit des LHC an die Wissenschaftsminister der CERN Mitgliedsstaaten und den CERN Council, mit Hyperlinks zu den hierin zitierten Studien:

Lhc-concern.info/wp-content/uploads/2010/03/request-to-cern-council-and-member-states-on-lhc-risks_lhc-kritik-et-al_march-17-2010.pdf

Weitere Infos und ein den LHC-Risikodiskurs zusammenfassendes kritisches Papier mit zahlreichen wissenschaftlichen Quellenverweisen bei "LHC-Kritik":
www.LHC-concern.info

GastautorIn: Mag. Markus Goritschnig für oekonews.
Artikel Online geschalten von: / holler /