MANIFEST: Zum Klima handeln – statt Klimahandel
29.3.2007Das Jahrhundert-Ethos
Die Kapitalverbrechen des 20. Jahrhunderts sind uns bewusst - Flächenbombardements gegen unschuldige Zivilbevölkerungen von Hiroshima bis Dresden, Ethnozide in mehreren Kontinenten – allen voran die für immer unfassbare Massentötung von Millionen absolut unschuldiger Menschen im Holocaust.
Angesichts solcher Verbrechen wird selbst angepasstes Mitläufertum vor dem Urteil der Geschichte zur Mitschuld. Wir glaubten zu wissen: So etwas kann und darf nie mehr geschehen.
Und dennoch – der Gedanke mag schockieren – beteiligen wir uns alle an einem schleichenden Kapitalverbrechen, das im 21. Jahrhundert zur Massenvernichtung schuldloser Menschen führt, durch das globale Gastreibhaus einer mit CO2 und CH4 überladenen Atmosphäre. Während die Weltkriegsgenerationen geltend machten, sie hätten zu ihrer Zeit von Hitlers Gaskammern nichts gewusst, sind heute die medialen Alarmrufe zur globalen Klimagas-Kammer nicht mehr zu überhören – ebenso wie die Massenopfer von New Orleans bis Bangladesch und Sahelzone – vermehrt durch Millionen verzweifelter Umwelt- und Klimaflüchtlinge, welche den Tod riskieren um ihren von Hunger- und Naturkatastrophen heimgesuchten Herkunftsländern nach Europa zu entfliehen. Das vermeintlich gelobte Land, aber begegnet ihnen zunehmend feindlich - ein Europa, das sich angesichts abschmelzender Gletscher, alpiner Hangrutschungen durch Permafrost Schmelzen und immer extremer wechselnder Flutkatastrophen und Dürreperioden selbst in Ausnahmezuständen wieder findet. Wie lange noch vermag es die Schäden durch sein Geld mit Kaufkraft und Katastrophenfonds auszugleichen?
Österreich ist (trotz einiger lobenswerter Mustergemeinden) auf Bundesebene vom Umwelt-Musterland zu einem Schlusslicht der EU Klimapolitik abgesunken, hat das Kyoto Ziel der CO2 Reduktion mittlerweile um 30% verfehlt, was im Wahlkampf eine erschütternd geringe bis keine Rolle spielte. Selbst Amerikas George Bush denkt mittlerweile um, nachdem er sich den Vorwurf gefallen lassen musste, das Massenvernichtungsmittel, nach dem er mit Flächenbombardements vergeblich gesucht habe, im eigenen Land reichlicher zu produzieren als es irgendwo sonst entstünde: CO2.
In dieser Zeit neue Stadtautobahnen über oder unter die Donau zu planen und auch im übrigen Energieverbrauch keine wirksamen Schritte – etwa gegen unsinnige Stromverschwendung - zu setzen, kommt einer Beihilfe zu fahrlässiger Massentötung gleich. Die Schädigung Dritter „billigend in Kauf zu nehmen“ entspricht dem strafbaren Tatbestand des „Dolus eventualis“, des zwar nicht beabsichtigten aber bewusst riskierten Leides der Mitwelt. Verkehrspolitik ist viel mehr als Straßenbau, Energiepolitik ist viel mehr als Kraftwerksbau, Stromverkauf und Absicherung von Energieimporten. Erneuerbare Quellen verstärkt einzusetzen ist wichtig, wird aber durch das Österreichische Ökostromgesetz eher behindert. Beim gegenwärtigen Verschwendungsniveau jedoch vermochten alle in den letzten Jahrzehnten gebauten Windräder und Solarstromanlagen zusammen nicht einmal die Stromzuwächse zweier Jahre abzufangen.
Und die letzten Alpenbäche kann man nicht mit derselben Fortschrittseuphorie aufstauen oder “beileiten“ wie die ersten Alpentäler nach dem 2. Weltkrieg, als dies noch Sinn machte. Wasserkraft gilt als erneuerbar. Die Landschaft ist es nicht! Nur Umstieg auf intelligentere Nutzung dient Umwelt, Arbeitsmarkt und Devisenbilanz. Dies wird aber nicht erfolgen so lange man selbst dümmste Stromverschwendung widerspruchslos mit Kilowattstunden füttert. Vernünftige Begrenzung tut not. „Not macht erfinderisch“ – wenn diese alte Weisheit stimmt, dann stimmt auch ihr Umkehrschluss: „Überfluss macht dumm“.
Der Unterschied von Humanität und Brutalität liegt in dem Zeitraum, der uns zum Ergreifen der nötigsten Maßnahmen bleibt. Handeln wir jetzt, besteht noch die Chance des friedlichen Überganges mit geringem Komfortverzicht, begleitet von Innovationsschüben, deren Wirtschaft und Umwelt gleichermaßen bedürfen. Versäumen wir diese Chance, werden spätestens unsere Kinder leben müssen wie im Krieg. Im Unterschied zu den genannten Kapitalverbrechen des 20. Jahrhunderts wird das globale Kapitalverbrechen der „Unterlassungstäter“des 21. Jhdts. nicht - nach einigen Generationen tiefsten Schmerzes – letztendlich zur Geschichte, sondern wirkt dieser 3. Weltkrieg – der gegen die Biosphäre – in bisher ungeahnter Weise verheerend in die Zukunft.
Österreich allein wird die Biosphäre nicht retten, aber ein „ökosoziales Großprojekt der 10.000 kleinen Schritte“ wäre Vorbild und Impulsgeber für Umweltbewegte ganz Europas, wie auch Österreichs Anti-Atomenergie und Anti-Gentechnik Haltung beweist, als beispielhafte Verweigerung gegen zwei Technologien, die mehr Probleme schaffen als sie lösen könnten.
Die Zeit ist reif endlich zu verstehen, dass der allgemein anerkannten Deklaration von Menschenrechten eine ebensolche der Menschenpflichten gegenüber unseren Lebensgrundlagen auf diesem grenzbelasteten Planeten folgen muss.
Dieses Manifest will Bewusstsein und Bereitschaft bei den Österreichern wecken- Verständnis für entschlossene Politik und Gesetzgebung – auf die wir erst noch warten.
Initiatoren:
Dr. Fritz BINDER-Krieglstein, Jurist, Politik Berater EnergiewendeUniv. Prof. Dr. Bernd LÖTSCH; Umweltwissenschaftler, Lehrbeauftr.d.Univ.Wien f. Humanökologie, Nationalparkplaner, Mitgl. Forum Österr. Wissenschaftler f. Umwelt , Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, Konr. Lorenz Staatspreis f. Umwelt 1998
Erstunterzeichner:
Univ. Prof. DI. Dr. Hans P. AUBAUER, Physiker Univ. Wien, Mitgl. Forum Österr. Wissenschaftler f. Umwelt, Konr. Lorenz Staatspreis f. Umwelt 1987Prof. Arik BRAUER, em. Meisterschulleiter Akademie. d. Bildenden Künste, Maler,Sänger u. Dichter, Konr. Lorenz Staatspreis f. Umwelt 1984
Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Hermann KNOFLACHER , em. Vorst.d. Institut f. Verkehrsplanung u. Verkehrstechnik . d. Univ. Wien, Mitgl. Forum Ö. Wissensch. F. Umwelt, Vorstandsmitglied Ö. Naturschutz Bund Wien , Konr. Lorenz Staatspreis f. Umwelt 1987
Prof. Franz KREUZER, Wissenschaftspublizist, ehem. Chefred. AZ, em. Informationsintendant ORF, em. Bundesminister f. Gesundheit u. Umweltschutz
Prof. Dr. Helmut PECHLANER, Veterinär, Zooexperte, Naturschutzfachmann, Präsident WWF Österreich, Vorstandsmitgl. Nationalpark Neusiedlersee Seewinkel, em. Dir. Tiergarten Schönbrunn
Dipl. Ing.Dr. h.c. Josef RIEGLER, em.Vizekanzler, em. Landwirtschaftsminister,
Ökosoziales Forum Österreich
Univ. Doz Dr. Peter WEISH, Ökologe, Experte f.Energie, Radioaktivität u. Umwelt, Lehrbeauftr.Univ. Wien u. Univ. Bodenkultur, Vorst.Mitgl. d.Ö.Naturschutz Bundes, Präsident d. Forums Österr. Wissenschafter f. d. Umweltschutz, Wiss. Beirat Natur & Kultur, Vorstandsmitgl. Ö.Naturschutz Bund Wien, Konr. Lorenz Staatspreis f. Umwelt 1999
Prof. Dr. Helmut ZILK em. Bgm. u. LH Wien, em Bundesminister f. Unterricht, em ORF Intendant
Hintergrund:
Das Mainfest soll wachrütteln und vehement darauf hinweisen, wie notwendig es ist, rasch zu handeln.Weitere Informationen bei Dr. Fritz Binder-Krieglstein .
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