Bild: © www.future-food.org

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Unser Saatgut retten, indem wir es teilen

21.2.2007
Manifest zur Zukunft des Saatguts wurde auf der BIOFACH-Messe in Nürnberg präsentiert

Die internationale Kommission zur Zukunft der Lebensmittel rief zu einer gemeinschaftlichen „Graswurzel“-Bewegung von Bauern, Gärtnern und Konsumenten auf, um die Vielfalt von Landwirtschaft und Lebensmitteln schützen und weiterentwickeln, die unter anderem Vorraussetzung dafür ist, die Klimakatastrophe und die Knappheit natürlicher Ressourcen zu überleben.

Im Manifest der Kommission wird festgestellt, dass die Freiheit Saatgut auszutauschen, nicht nur ein grundsätzliches Menschenrecht, sondern auch die Basis für natürliche und kulturelle Vielfalt ist. Diese Vielfalt ist der Schlüssel der Natur zur Anpassung und zum Überleben. Alle Lebensmittel sowie die Chancen der zukünftigen Generation hängen letztendlich von der Vielfalt des Saatgutes ab. Das Manifest kritisiert, dass die Freiheit des Saatguts massiv von Monokultureinöden der agroindustriellen Lebensmittelproduktion für den globalen Markt bedroht wird und die Enteignung des Erbes von Kleinbauern einhergeht mit der Zerstörung der Vielfalt von Esskultur. Gesetze, die den freien Austausch von Saaten und Patente auf Pflanzen und Tieren verbieten sowie die riskante Gentechnik tragen gleichermaßen zur Erosion der lebendigen und kultivierten genetischen Vielfalt bei.

Zerstörung der Saatvielfalt ist eine ernsthafte Bedrohung

Die Präsidentin der Kommission und Trägerin des alternativen Nobelpreises Vandana Shiva stellte fest: „Die Zerstörung der Saatvielfalt und die Schaffung von Saatgutmonopolen ist eine ernsthafte Bedrohung der Souveränität unserer Lebensmittel. Wir müssen diese Vielfalt auf höchstem Niveau erhalten, damit wir z.B. der Klimakatastrophe etwas entgegensetzen können. Die Vielfalt muss in den Händen und der Verantwortung der Bauern bleiben, um die notwendige Umwandlung der industrialisierten, zentralisierten und globalisierten Lebensmittelversorgung zu modernen und regionalen Wirtschaftskreisläufen zu erreichen“.

Nachhaltige Entwicklung heißt Stützen der lokalen Ökonomie

„Wenn wir nachhaltige Entwicklung wollen müssen wir die Stützen der lokalen Ökonomie- die Souveränität der Lebensmittel gehört maßgeblich dazu – stärken“ fügte das Kommissionsmitglied und der Gründer der Slow Food Bewegung Carlo Petrini hinzu.“ Es gibt Gesetze, die zwei benachbarten Bauern verbieten Saatgut zu tauschen! Diese Gesetze im Griff von Geldgier verlangen, dass Bauern jedes Jahr aufs Neue ihr Saatgut kaufen müssen und sie verbieten das Ausbringen von nicht im Sortenregister gelisteten Sorten. Das verlangt Widerstand und Ungehorsam. Unsere Vision ist nicht Rückwärts gewandt, sondern sehr modern. Es ist die gleiche Vision, die die globale Bewegung des freien Zugangs zu Computer-Systemen gegen die totale Kontrolle von Microsoft antreibt“

Koexistenz von Bio und Gentechnik ist unmöglich

Benny Haerlin, der Initiator der europäischen Initiative „Save our Seeds“ , die sich unter anderem für die absolute Freiheit von gentechnisch manipulierten Organismen im Saatgut einsetzt stellte die Verbindung des Manifest zum bereits praktizierten Widerstand her: „Die Zulassung gentechnisch manipulierter Organismen in Europa würde unter dem Deckmantel der „so genannten“ Koexistenz zu Biosicherheitsgesetzen führen, die eine gentechnische freie Landwirtschaft unmöglich machen würden. Gärtner und Bauern leisten in Deutschland erfolgreich Widerstand gegen diese Bedrohung, in dem sie mit der offen bestäubten Zuckermaissorten Goldener Bantam ihr Recht in Anspruch nehmen gentechnisch freien Mais zu pflanzen und das Saatgut selbst nachzubauen Letztes Jahr beteiligten sich bereits 50.000 Bürger an der ´Bantam´ Aktion und dieses Jahr werden es noch mehr werden. Im Vergleich zu dieser Bürgerbewegung: Nur zwei Dutzend Bauern pflanzen den Gentechnik-Hybrid Mais von Monsanto an!“

Biodiversität von Saatgut ist kulturelles Erbe

Die Kommission zur Zukunft von Lebensmitteln fordert weltweit alle Regierungen auf, die Privatisierung der Zucht und Entwicklung von Saatgut zu stoppen bzw. rückgängig zu machen. Regionale und föderale Regierungen werden aufgefordert dem Beispiel der Region Toskana zu folgen, die ein Saatgut-Gesetz beschlossen hat, das nicht nur den freien Zugang zu lokalen Sorten für jeden Bürger unterstützt, sondern auch garantiert. Gleichzeitig regelt das Gesetz die Freiheit des Saatgutes von Gentchnik.

So stellte die Landwirtschaftsministerin der Toskana Susanna Cenni fest: „Die Biodiversität von Saatgut ist sowohl für das Überleben von Arten und Sorten sowie die Bewahrung des kulturellen Erbes notwendig .Auf der Grundlage unseres Gesetzes haben wir z.B. eine Genbank mit natürlichem Nachbau eingerichtet. Das war nur mit Hilfe der wertvollen Mitarbeit von 59 Sorten erhaltender Bauern möglich.“

Die Internationale Kommission ist eine gemeinsame Initiative des Präsidenten der Toskana und der indischen Aktivistin Vandana Shiva. Sie haben eine Gruppe von 27 führenden Aktivisten, Akademikern, Politikern und Bauern vom Norden wie vom Süden zusammengebracht und unterstützen mit der Kommission ein weltweites Netzwerk von tausenden Gemeinschaften und Engagierten , die sich für lokale Lebensmittel-Souveränität sowie für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und beim Konsum von Lebensmittel einsetzen, Die Region Toskana unterstützt darüber hinaus maßgeblich den Aufbau eines Netzwerkes von lokalen und regionalen Regierungen und Bewegungen, die sich für vielfältige und gentechnische freie Lebensmittelsysteme einsetzen.

Aus Österreich ist ARCHE NOAH aus Schiltern seit November 2006 assoziiertes Mitglied der Kommission- damit wird international an die von Arche Noah bereits geleisteten Aktivitäten zur Erhaltung von Sortenvielfalt und dem freien Zugang zu Saatgut angeschlossen.

Mehr Information: www.future-food.org

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